Baden
Free Jazz-Trio wirbelte wild

Das Free Jazz-Trio Mein Freund der Baum überzeugte die Gäste im «Isebähnli» mit unverfälschter Improvisation. Mit überschlagenden, griffigen Tönen spielten sie ein kurzes, aber sehr aufbrausendes Konzert.

Jürg Blunschi
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Das Free Jass-Trio Mein Freund der Baum spielte ein kurzes, aber anspruchsvolles Konzert. Johannes Hänggli

Das Free Jass-Trio Mein Freund der Baum spielte ein kurzes, aber anspruchsvolles Konzert. Johannes Hänggli

Zum Ende der Saison 2015/2016 präsentierte der Verein «Jazz in Baden» im Stadt-Bistro «Isebähnli» ein Konzert mit dem Trio «Mein Freund der Baum». Was immer die drei Musiker aus Deutschland und der Schweiz zu diesem Namen veranlasste: Er ist verharmlosend. Hinter dem Baum verbirgt sich keine Wohlfühl-Therapie, sondern gnadenloser, authentischer Free-Jazz.

Einer der Free Jazz-Väter

Die drei Freunde sind Flo Stoffner (Gitarre), Rudi Mahall (Sopran-, Bassklarinette) und Paul Lovens (Schlagzeug). Letzterer ist einer der Väter des europäischen Free Jazz und liefert quasi die geschichtliche Legitimation für dieses Trio. Rudi Mahall und Flo Stoffner sind etwa eine Generation jünger als Lovens, sprechen jedoch dieselbe musikalische Sprache.

Das Konzert im «Isebähnli» war kurz, es dauerte nur wenig länger als zweimal eine halbe Stunde. Das lag wohl an der Heftigkeit der Musik, eine Art Dauergewitter, die für die Ausführenden recht anstrengend sein muss. Jede Konzerthälfte umfasste zwei Stücke, sodass man sich fast in einem «traditionellen» Konzertablauf wähnen durfte.

Ruheloses Staccato

Anders sah es natürlich auf der künstlerischen Seite aus, hier herrschte die unverfälschte, kollektive, freie Improvisation. Die führende Stimme war da Rudi Mahall. Sein Spiel auf der Bassklarinette glich weitgehend einem ruhelosen Staccato mit überschlagenden Melodieschnipseln und Motivkürzeln. Der charakteristisch warme Klang des Instrumentes blieb, oft stark kratzend, erhalten. Auf der «normalen» Klarinette strickte Mahall längere, griffig strukturierte melodische Bögen und betonte dabei die klangliche Eleganz des Instrumentes. So müsste wohl Benny Goodman klingen, würde er denn als Freejazzer wiedergeboren.

Er schepperte und rasselte

Schlagzeuger Paul Lovens war der stete Unruheherd. Er ergänzte sein Instrumentarium immer wieder mit verschiedenen Gerätschaften, Klangkörpern und Schlagstöcken, er trommelte und schepperte, wirbelte und rasselte, umhüllte seine Mitspieler mit perkussiven Geräuschwolken. Gitarrist Flo Stoffner spielte das ruhigste Instrument. Gelegentliche, flächenförmige Klangmuster wechselten mit eingeworfenen, scharfen Einzelnoten und dem sirrenden Glissando von gewollt verstimmten Saiten.

Generalversammlung Jazz in Baden 25. April 2016 im Isebähnli

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