Freienwil
Händeringend gesucht: Frauen in den Gemeinderat – aber keine will kandidieren

Mehr als die Hälfte der Freienwiler Stimmberechtigten ist weiblich. Dennoch ist der Gemeinderat in Männerhand. Für die Wahlen Ende September sucht ein neu gegründetes Frauennetzwerk via Flyer nach interessierten Frauen – die Gründe gegen eine Kandidatur ähneln sich.

Claudia Laube
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«Gute Entscheidungen werden erreicht, wenn sie Frauen und Männer gemeinsam treffen.» Oder: «Politik ist nicht nur Männersache.» Mit in Sprechblasen gepackten Sätzen auf einem Anfang Juli verteilten Flugblatt versucht das Frauennetzwerk Freienwil, Frauen aus dem Dorf für ein Amt im Gemeinderat zu motivieren.

Am 26. September finden die Gesamterneuerungswahlen statt, nächsten Freitag, 13. August, ist offizieller Anmeldeschluss. Aktuell stehen in Freienwil nur die amtierenden fünf Gemeinderäte zur Wiederwahl.

Oben rosa, unten blau: Der im Dorf verteilte Flyer soll zeigen, dass es für gute Ergebnisse beide braucht.

Oben rosa, unten blau: Der im Dorf verteilte Flyer soll zeigen, dass es für gute Ergebnisse beide braucht.

Das vor wenigen Monaten gegründete Frauennetzwerk wünscht sich aber mehr Auswahl, im besten Fall zwei Frauen. «Speziell im Jubiläumsjahr zu 50 Jahre Frauenstimmrecht wäre es wieder an der Zeit für eine Frauenkandidatur», findet Netzwerk-Sprecherin Marianne Laube. Doch:

«Obwohl wir viele positive Rückmeldungen auf den Flyer erhalten haben, hat sich bisher noch keine Frau mit konkreten Ambitionen bei uns gemeldet.»

Laube hat mit fünf Freienwilerinnen die Initiative ergriffen. Für ihr Ansinnen konnten sie 50 Unterstützerinnen gewinnen, die auf der Rückseite des Flugblatts aufgeführt wurden. Das soll einen positiven Anreiz setzen: «Wir wollen interessierten Frauen zeigen, dass sie auch ohne eine Partei im Rücken getragen werden. Sie sind nicht alleine. Bei Bedarf bieten wir während der Wahlvorbereitung Unterstützung», sagt die 62-Jährige.

Für sie und die anderen Initiantinnen kommt eine eigene Kandidatur aus unterschiedlichsten Gründen nicht in Frage. «Ich war 14 Jahre lang in der Schulpflege, meine Töchter sind inzwischen erwachsen. Ich wünsche mir vielmehr jüngere Frauen im Gemeinderat, die noch mit Themen wie der Schule konfrontiert sind», erklärt Laube.

Im Freienwiler Gemeindehaus sind aktuell nur Gemeinderäte anzutreffen.

Im Freienwiler Gemeindehaus sind aktuell nur Gemeinderäte anzutreffen.

Archivbild: Sandra Ardizzone

Bevor der Aufruf mit dem Flyer gestartet wurde, habe sie mit Freienwilerinnen das persönliche Gespräch gesucht, doch ähnelten sich die Antworten: Neben Beruf und Familie sei nicht auch noch die Zeit da, ein solches Amt auszuüben. Das kann Laube nachvollziehen.

Dennoch: Von 742 stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohnern sind in Freienwil «mehr als die Hälfte weiblich. Genau sind es zurzeit 52,9 Prozent.» Da Frauen häufig andere Perspektiven und Möglichkeiten als Männer hätten, sei ihre politische Beteiligung gefordert. Eines ist Marianne Laube trotzdem wichtig:

«Es geht nicht darum, einfach eine Frau in den Gemeinderat zu wählen, nur damit es eine Frau hat.»

Interesse an Lokalpolitik und am Dorf sollte schon gegeben sein. Und: «Wir wünschen uns kompetente Personen, die ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringen wollen.» Frauen würden in gewissen Dingen einfach anders denken; und das würde dem Gemeinderat guttun, sagt Laube.

Erfolgreiche Flyer-Aktion in Würenlingen

Rebecca Schneider war die letzte Freienwiler Gemeinderätin. Sie trat 2018 zurück.

Rebecca Schneider war die letzte Freienwiler Gemeinderätin. Sie trat 2018 zurück.

Archivbild: zvg

Bereits Mitte Mai hatte in Würenlingen eine Frauengruppe ebenfalls mittels einem Flugblatt Kandidatinnen für den Gemeinderat gesucht – mit Erfolg: Inzwischen haben drei Frauen ihre Kandidatur bekanntgegeben.

Davon kann man in Freienwil bisher nur träumen. Es ist aber nicht so, dass sich im beschaulichen Dorf in den vergangenen Jahren keine Frauen im Gemeinderat engagiert hätten. Im Gegenteil: Erst seit 2018 sitzt keine Frau mehr im Gremium. Bei einer Ersatzwahl für die laufende Legislaturperiode gab es zwei Kandidatinnen: Am Ende wählte die Stimmbevölkerung aber die beiden zur Wahl stehenden Männer.

Lucius Mathys (l.) und Urs Rey wurden 2018 in den Freienwiler Gemeinderat gewählt – die zwei ebenfalls zur Wahl stehenden Kandidatinnen schafften es nicht. Mathys und Rey stellen sich im Herbst zur Wiederwahl.

Lucius Mathys (l.) und Urs Rey wurden 2018 in den Freienwiler Gemeinderat gewählt – die zwei ebenfalls zur Wahl stehenden Kandidatinnen schafften es nicht. Mathys und Rey stellen sich im Herbst zur Wiederwahl.

Alex Spichale

Interessierte Freienwilerinnen können sich unter F52.9Prozent@outlook.com bei Marianne Laube melden.

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