Vier Jahre ist es her, dass im Gasthaus zum Weissen Wind letztmals Bier ausgeschenkt wurde. Seither gibt es in Freienwil keine Beiz mehr, und wie es mit dem Gebäude weitergehen würde, war ungewiss.

Nun gibt es Klarheit zumindest in der Frage der Besitzverhältnisse: Die Genossenschaft Weisser Wind ist seit Anfang November neue Eigentümerin der Parzelle.

«Durch gezielte Anfrage bei Interessierten gelang es der Genossenschaft innert kurzer Zeit, das notwendige Eigenkapital von rund 300 000 Franken zum Kauf der Liegenschaft zu beschaffen», sagt Urs Rey. Die Genossenschaft konnte nicht nur den Altbau, sondern die ganze Liegenschaft inklusive des Baulandes hinter dem ehemaligen Milchlokal erwerben.

Die Genossenschaft war gegründet worden mit dem Ziel, das Gebäude zu erhalten. Urs Rey spricht nun von einem Meilenstein – gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass der «Weisse Wind» noch nicht gerettet sei, denn das wichtige Kulturgut müsse saniert werden.

Die Genossenschaft geht von Umbaukosten von mindestens einer Million Franken aus. Zusätzliche Eigenmittel von 200 000 Franken seien notwendig, die Genossenschaft hofft auf Unterstützung aus der Bevölkerung.

Lokal möglicherweise bereits 2014

Nach wie vor gilt, was Rey schon vor zwei Jahren sagte: Im Erdgeschoss soll ein öffentliches Lokal entstehen, das gelegentlich offen sein wird, es soll gleichzeitig als Vereinslokal dienen.

In den nächsten Monaten soll das Betriebskonzept erarbeitet werden. Freienwiler dürfen also hoffen, zumindest zu gewissen Zeiten wieder eine Beiz im Dorf zu haben.

«Bei erfolgreichem Verlauf von Finanzierung und Umsetzung des Betriebskonzeptes kann das Lokal im Erdgeschoss des Weissen Windes möglicherweise noch im Jahr 2014 wieder eröffnet werden», sagt Rey. Der Saal im Obergeschoss bleibe in der Struktur bestehen und soll in eine Loftwohnung umgebaut werden, auch im Dachgeschoss entsteht Wohnraum.

In den vergangenen zwei Jahren hatten mehrere Pläne für den Weissen Wind verworfen werden müssen.

2012 wollte ein Investor das Gebäude abreissen und Alterswohnungen errichten, er hatte mit der Besitzerfamilie bereits einen Kaufrechtsvertrag abgeschlossen.

Doch in der Bevölkerung der 944-Seelen-Gemeinde regte sich Widerstand. Es bildete sich eine Interessengemeinschaft, um den Abriss zu verhindern.

Beim Weissen Wind handle es sich nicht um irgendein Haus, sondern um eines der wichtigsten Gebäude des Dorfes. Das Gasthaus sei ein Kulturgut und ein Symbol für die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit des Dorfes.

Die Interessengruppe wuchs zu einer Genossenschaft, und gemeinsam mit dem Investor machte sie dem Gemeinderat den Vorschlag, im Obergeschoss den dringend benötigten Schulraum einzurichten.

Doch der Gemeinderat und danach die Gemeindeversammlung beschlossen, das bestehende Schulhaus auszubauen, sodass die Zukunft des Gebäudes erneut ungewiss war. Nun liegt das Schicksal des «Weissen Windes» in der Hand der Genossenschaft.