Das Wahlbüro der Stadt Baden machte es bei den Stadtratswahlen gestern besonders spannend. Und die grosse Belastung brachte auch die Informatik der Stadt Baden an ihre Grenzen. So konnten zuerst nur sechs von sieben Mitgliedern des Stadtrates bekannt gegeben werden.

Für das siebte Mandat brauchte es eine Nachzählung, denn Sandra Kohler (parteilos), die politische Einsteigerin, und Karin Bächli (SP), seit 16 Jahren im Einwohnerrat, lagen fast gleichauf. Geri Müller (Team) und die dahinterliegende Andrea Libardi (FDP) kamen zwar auch noch über das absolute Mehr von 2519 Stimmen zu liegen, sie standen dennoch bereits als ab- respektive nicht gewählt fest.

Die neue Konstellation im Stadtrat lautet nun drei Bürgerliche, mit SP- und Team-Vertreterin zweimal rot-grün, und zweimal parteilos, wovon Obrist allerdings nach eigener Aussage weiter hinter den Werten der SP stehe. Politisch nicht einzuordnen ist die Neugewählte Sandra Kohler.

Sehr grosse Freude verspüre er, sagt Erich Obrist über seine Wiederwahl in den Stadtrat. Er freue sich besonders auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit seinen beiden Abteilungen, Kultur sowie Kinder/Jugend/Familie. Dass er das beste Resultat aller Stadträte machte, freue ihn ganz besonders. Nachdem die Zahlen endlich vorlagen, hätten seine Anhänger bei der Wahlfeier in der «Täfern» in Dättwil laut gejubelt, so Obrist.

CVP kam ungeschoren davon

«Es war ein turbulenter Tag mit den zeitlichen Verschiebungen, bis das Resultat endlich verkündet wurde», sagt Vizeammann Markus Schneider (CVP). Dies sei für alle Kandidaten eine Belastung gewesen. «Für Geri Müller, der als Stadtrat abgewählt wurde, ist der Tag sicher extrem hart. Ein derartiges Resultat mit solch einer politischen Karriere», das gönne er ihm nicht, fügt Schneider an.

«Ich hatte keinen Plan B»: Der Badener Stadtammann Geri Müller nach seiner Abwahl

«Ich hatte keinen Plan B»: Der Badener Stadtammann Geri Müller nach seiner Abwahl

Stadtammann Geri Müller hat die Wiederwahl in den Stadtrat nicht geschafft und kann somit auch nicht als Stadtammann wiedergewählt werden.

Grosse Erleichterung war bei Matthias Gotter (CVP) zu spüren: «Es war ein nervenaufreibender Nachmittag», kommentiert auch er das lange Warten auf die Resultate. «Ich habe grosse Freude und bin erleichtert, dass ich wiedergewählt wurde. Das positive Resultat zeigt mir, dass ich einen guten Job gemacht habe», so Gotter. Er sei zuversichtlich gewesen, dass er gewählt würde. «Aber es besteht immer ein Restrisiko, dass es nicht klappen könnte.» So hatte die CVP trotz Sitzverlust im Einwohnerrat zwei Gründe, um im «Lemon» dennoch zu feiern.

Müri/Dell’Anno erleichtert

Erfreut und gleichzeitig erleichtert zeigt sich auch Ruth Müri (Team) über ihre Wiederwahl als Stadträtin. Aufgrund ihrer Arbeit habe sie zwar damit gerechnet, aber: «Man weiss ja nie», fügt Müri an. An der politischen Konstellation werde sich wenig ändern. Aus Sicht des Stadtrats sind laut Müri die Veränderungen auch im Einwohnerrat klein. Gesamthaft betrachtet könne man von einer Verschiebung gegen die Mitte sprechen, die stattgefunden habe.

Bei Erneuerungswahlen sei vieles denkbar, erklärt Regula Dell’Anno (SP), die ebenfalls erfreut und erleichtert über ihre Wiederwahl ist. Sie gesteht jedoch, dass sie damit gerechnet habe. Ebenso habe sie aber auch damit gerechnet, dass ihre Partei bei den Einwohnerratswahlen zulegen würde, was sie aber nicht geschafft habe.

Grosse Freude bei den Neuen

Schon wenige Minuten vor der offiziellen Verkündigung der Stadtratswahl-Resultate ertönte am anderen Ende der Etage ein Freudenschrei. Man brauchte kein Hellseher zu sein, um zu wissen: FDP-Kandidat Philippe Ramseier hatte die Wahl in den Stadtrat geschafft. «Ich bin am Sonntagmorgen mit dem Gefühl aufgestanden, dass es heute reichen könnte», lässt sich der frischgebackene Stadtrat voller Euphorie zitieren.

«Ich werde Vollgas geben!»: Die frischgebackene Badener Stadträtin Sandra Kohler im Interview.

«Ich werde Vollgas geben!»: Die frischgebackene Badener Stadträtin Sandra Kohler im Interview.

Als Hauptgrund für seine Wahl in die Exekutive führt der Unternehmer «das super Wahlteam und den super Wahlkampf» ins Feld. «Wir waren sehr viel auf der Strasse und haben unseren Wählerinnen und Wählern aufgezeigt, wofür ich einstehen werde als Stadtrat.» Seine Strategie habe dabei auf drei Pfeilern beruht. «Erstens die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Baden. Zürcher sollen wieder nach Baden kommen für die Arbeit und nicht umgekehrt.» Zweitens seien ihm als Vater von fünf Mädchen die Bildung, der Sport, aber auch die Kultur – allen voran das Musikangebot – sehr wichtig. Seine Ressortvorstellungen liegen jedoch anderswo: «Die Abteilung Planung und Bau würde mich interessieren. Ich glaube, ich könnte viel bewegen und einiges vorwärts bringen.»

Nicht zuletzt habe er mit seinen Vorstössen gezeigt, dass er in Sachen Mobilität zukunftsgerichtet denke und Visionen habe. In erster Linie freue er sich aber ganz persönlich über seine Wahl. «Aber natürlich war es auch wichtig, den Sitz der FDP zu verteidigen.» Gleichzeitig relativiert Ramseier: «Kürzlich fragte der Lehrer meiner Tochter die Klasse, ob jemand einen Politiker auf einem der vielen Plakate kenne. Da hat meine Tochter auf gestreckt und gesagt, ihr Vater sei auf einem der Plakate.» Als der Lehrer gefragt habe, zu welcher Partei ich gehöre, hat sie geantwortet, sie wisse es nicht. «Das zeigt bereits, dass ich als Stadtrat natürlich bürgerlich politisieren werde, aber in erster Linie Teil eines Kollegiums bin und nicht immer das FDP-Mäntelchen trage.»

Kohler mit 17 Stimmen mehr

Mit einer Stimme mehr als Kontrahentin Karin Bächli (SP) Amtsjahre im Einwohnerrat ins Rennen mitbrachte – nämlich mit 17 – schlug Sandra Kohler (parteilos) Bächli. Die frischgebackene Stadträtin Kohler zeigte im Interview ihre grosse Freude: «Ich habe mit allem gerechnet.» Umso grösser sei darum jetzt die Freude. Zur Frage, ob sie auch als «Nur-Stadträtin» sich auf ihr Amt freue, erklärte Sandra Kohler (die noch vor wenigen Monaten glaubte, auch ohne Wahl als Stadträtin den Posten einer Frau Stadtammann erklimmen zu können): «Ich werde Vollgas geben und geniesse jetzt einfach den Augenblick.»

Um so tiefer sitzt die Enttäuschung bei Karin Bächli (SP). «Persönlich bin ich von diesem Resultat enttäuscht». Das Stimmvolk habe offenbar diesen Wechsel gewollt und einer politisch unbelasteten Kandidatin den Vorzug gegeben. «Ich schaue nun vorwärts und freue mich auf die Zeit als Präsidentin des Einwohnerrates.» Karin Bächli erzielte das beste Wahlresultat aller Einwohnerratsmitglieder.