Baden

Frieden von Baden: Widmer-Schlumpf lobt die damalige Rolle der Schweiz

Hoher Besuch am Samstagnachmittag in Baden: Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und 400 weitere Persönlichkeiten gedenken in der Stadtpfarrkirche dem 300-jährigen Jubiläum des Friedens von Baden. Widmer-Schlumpf zieht dabei Parallelen zur Gegenwart.

Seit der Zeit, als Baden Tagsatzungsort war, haben wohl nicht oft so viele hohe Notabeln für einen Anlass in die Limmatstadt gefunden. Eine österreichische Staatssekretärin, Botschafter und weitere Vertreter der damals in den Spanischen Erbfolgekrieg involvierten Länder, höchste Vertretungen aller Orte der Alten Eidgenossenschaft, die Aargauer Regierung in corpore, Stände- und Nationalräte sowie mehrere Grossrats- und Kantonsratspräsidenten waren am Samstagnachmittag nach Baden gereist.

Sie gedachten mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf als Hauptrednerin gemeinsam des 300. Jahrestages des Friedens von Baden. Dieser hatte 1714 den Spanischen Erbfolgekrieg beendet. 

Was ist der Friede von Baden

Was ist der Friede von Baden

Für Widmer-Schlumpf ist dieser Friede ein frühes Beispiel für die guten Dienste der Schweiz. Sie erinnerte daran, dass nach jenem Friedensschluss in Europa über 20 Jahre lang tatsächlich Frieden herrschte: «Für die damalige Zeit überaus lang.» Erstmals sei eine Art Gleichgewicht der Kräfte erkennbar geworden.

Die Bundesrätin zog viele Parallelen zur Gegenwart. Glücklicherweise würden Konflikte im heutigen Europa in aller Regel im politischen Dialog gelöst. Dass Friede auch heute nicht selbstverständlich ist, zeigte sie mit Blick auf die Ukraine und den Nahen Osten. Die Schweiz gelte auch heute noch als zuverlässige, neutrale Vermittlerin. Neutral aber «nicht in dem Sinn, dass wir schweigen, wenn es um eklatante Verletzungen des Völkerrechts geht».

Dr. Jakob Kellenberger, ehemaliger Staatssekretär für Auswärtiges und Präsident des IKRK, unterstrich in seiner Festrede, dass der spanische Erbfolgekrieg Teil einer jahrhundertelangen europäischen Kriegsgeschichte war. Lange waren die Friedenspausen nie – bis zur Gründung der Europäischen Union. "Alle Kriegsparteien des Spanischen Erbfolgekrieges sind heute Mitglieder der Europäischen Union, des seit Jahrhunderten wichtigsten und erfolgreichsten europäischen Friedensprojekts. Bis 1949 gab es ferner keine Genfer Konvention zum Schutz der Zivilbevölkerung. Ihre Verletzung verursacht auch heute noch viel Leid." Kellenberger erinnerte denn auch daran, dass Friede zuletzt in
Europa eine Selbstverständlichkeit sei und warnte zugleich: "Als Selbstverständlichkeit aufgefasst, ist er schon gefährdet."

Landammann Roland Brogli eröffnete den Festakt in der Badener Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt und rief die historische Bedeutung Badens als "diplomatisches Parkett"
in Erinnerung: "Baden war bis 1712 der wichtigste Standort der eidgenössischen Tagsatzung – der Versammlung der alten Orte. Die Tagsatzung war auch Dreh- und Angelpunkt
der Diplomatie mit ausländischen Staaten."

Markus Schneider, Vizeammann der Stadt Baden, hiess die über 400 Gäste aus dem In- und Ausland willkommen. Er verwies auf die historische Rolle und auf die Traditionen und
Werte, die bis heute mit Baden verbunden werden: Gastfreundschaft und Verständigung über die Landesgrenzen hinaus. "Heute, 300 Jahre später, sind es immer noch die
gleichen Werte und Traditionen, die wir in Baden pflegen."

Friedliches Baden als Zentrum Europas

Der Friedenskongress von Baden 1714 ist der erste internationale Friedenskongress in der Eidgenossenschaft. Er gilt als frühes Beispiel für die "Guten Dienste", welche die Schweiz weltweit auf dem diplomatischen Parkett bis heute leistet. Am 7. September 1714 hatten in Baden Marschall de Villars und Prinz Eugen von Savoyen den letzten der drei Friedensverträge unterzeichnet. Die Verträge beendeten formell den Spanischen Erbfolgekrieg.

Die Verhandlungen wurden von den Delegationen des habsburgischen Kaisers Karl VI. im Namen des Heiligen Römischen Reiches und des französischen Königs Ludwig XIV. geführt. Während der dreimonatigen Verhandlungszeit logierten über 60 Delegationen aus ganz Europa in Baden und brachten viel Geld und Glanz in die Limmatstadt.

Der "Friede von Baden" ist ein wichtiges Geschichtsereignis, das in der Öffentlichkeit jedoch wenig bekannt ist. Der Vertrag markiert einen historischen Wendepunkt. Mit dem Abschluss der Verträge in Utrecht (1713), Rastatt und Baden (1714) waren erstmals Ansätze eines machtpolitischen Gleichgewichts der Kräfte in Europa erkennbar.

Zum verlustreichen Krieg um die spanische Erbfolge kam es, als 1700 der letzte spanisch-habsburgische König Karl II. kinderlos starb und in seinem Testament einen Enkel des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. zum Erben ernannte. Die europäischen Herrscherhäuser fürchteten sich vor einer bourbonischen Doppelmonarchie und schlossen sich in der "Grossen Allianz" zusammen. (pd/sda/mku)

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