Oberrohrdorf

Fünf Lehrpersonen und 100 Jahre Erfahrung verlassen die Primarschule

Mit Kutsche und Musik: Fünf Lehrpersonen von der Primarschule Hinterbächli in Oberrohrdorf werden verabschiedet

Mit Kutsche und Musik: Fünf Lehrpersonen von der Primarschule Hinterbächli in Oberrohrdorf werden verabschiedet

An der Schule Hinterbächli in Oberrohrdorf werden vier verdiente Lehrerinnen und ein langjähriger Schulleiter verabschiedet. Sie wurden mit der Kutsche auf dem Pausenplatz gefahren.

Über 100 Jahre Erfahrung, Wissen und Weisheit wurden am Mittwochmorgen von der Primarschule Hinterbächli in Oberrohrdorf verabschiedet. Denn fünf Lehrpersonen gehen gleichzeitig in Pension. Der Abschied ist emotional: Kaum beginnt die Zeremonie, fliessen auch schon hie und da die ersten Tränchen.

Mit einer Kutsche fahren Thomas Basler, Ursula Bugmann, Christine Keller, Marlies Cordier und Eva Zimmerli vor. Sie tragen T-Shirts, auf denen «Team Schule Oberrohrdorf» steht. Extra für den Abschied wurden sie gedruckt. Auf dem Pausenhof der Primarschule warten die Kinder schon in Reih und Glied auf ihren Einsatz.

Die Lehrpersonen nehmen auf Sofas Platz, die Musikschule stimmt das Lied an. Die Kinder singen eine Version von «The Lion Sleeps Tonight» aus dem Kinderfilm «König der Löwen». Nur, dass die Schülerinnen und Schüler stattdessen die Worte «In Oberrohrdorf, in Oberrohrdorf, heit ihr so vill für ois tah» singen. Das Lied schliesst mit «Mir danked oi» und zwei der Frauen auf dem Sofa wischen sich verstohlen die Augen trocken.

Ursula Bugmann, Thomas Basler, Christine Keller, Marlies Cordier und Eve Zimmerli. SIe werden mit der Kutsche zum Schulhaus gefahren.

Ursula Bugmann, Thomas Basler, Christine Keller, Marlies Cordier und Eve Zimmerli. SIe werden mit der Kutsche zum Schulhaus gefahren.

Anschliessend richtet Schulpflegerin Barbara Brunner das Wort an die frischgebackenen Pensionäre und erzählt kurz zu jedem Einzelnen, welche Verdienste sie für die Schule geleistet haben. Als Dankeschön übergibt sie jedem eine Sonnenblume. Brunners Stimme zittert, als sie ihre Rede vom Notizblatt abliest.

Den Blick hat sie auf die Schülerinnen und Schüler vor ihr geheftet. «Euch kann ich grad einfach nicht anschauen», sagt sie und bringt ein ersticktes Lachen zustande. Es ist nicht schwer, zu erkennen: Der Abschied geht allen Beteiligten sehr nah.

Zwei Drittel ihres Lebens

Unter den verabschiedeten Lehrpersonen befindet sich ein Ur-Gestein: Eva Zimmerli war seit ihrer ersten Anstellung als Lehrerin 43 Jahre lang an der Primarschule Oberrohrdorf tätig, die ganze Zeit lang sogar im selben Schulzimmer. Als Brunner diese Zahl nennt, geht ein Raunen durch die Schülerschar: «Was?», «So lang?» und «Oha» rufen die Kinder fassungslos. Zwei Drittel ihres Lebens verbrachte Zimmerli an der Primarschule.

«Unglaublich, dass man nach so langer Zeit noch immer mit so viel Feuer und Hingabe tätig sein kann», sagt Co-Schulleiter Christof Zehnder. Barbara Brunner erzählt hier noch eine Anekdote: Vergangene Woche sei sie im Dorf von einem Mann angesprochen worden, der sich persönlich von Frau Zimmerli verabschieden wollte. Dieser Mann sei einer ihrer ersten Schüler gewesen. «Wenn man jemandem so lange in Erinnerung bleibt, muss man alles richtig gemacht haben», schliesst Brunner.

Ursula Bugmann, Thomas Basler, Christine Keller, Marlies Cordier und Eve Zimmerli, v.l.

Ursula Bugmann, Thomas Basler, Christine Keller, Marlies Cordier und Eve Zimmerli, v.l.

Ebenfalls verabschiedet werden Christine Keller, die 21 Jahre lang an der Schule tätig war, Marlies Cordier mit 8 Jahren und Ursula Bugmann mit 19 Jahren Einsatz. Auch ihnen fällt der Abschied sehr schwer. Nicht nur von ihren Schülerinnen und Schülern, sondern vor allem von den Kollegen, die während der Zeremonie ständig die Taschentücher zücken. Im Anschluss daran werden alle kräftig umarmt.

Neue Schulleitung steht fest

Schliesslich sagt noch eine weitere wichtige Person Adieu: Thomas Basler war 15 Jahre lang Schulleiter in Oberrohrdorf. «Ich glaube, in keiner anderen Gemeinde im Kanton Aargau gibt es jemanden, der so lange die gleiche Schule führte», sagt Barbara Brunner in ihrer Rede voller Stolz. Zu seinen Anfängen zählte die Schule 200 Schülerinnen und Schüler. Heute sind es über 350. Deshalb gibt es seit einigen Jahren die Co-Schulleitung.

«Jetzt sei es aber auch an der Zeit, mal die Füsse baumeln zu lassen.» Und das hat Basler auch vor: «Die nächsten drei Monate verbringe ich in Australien.» Einerseits, weil das Reisen zu seinen Hobbys gehöre. Andererseits aber auch, weil er Abstand zur Schule gewinnen müsse. «Ich kenne mich, sonst kann ich nie loslassen», sagt Basler lachend.

Die Kinder haben Freude am Schulhund.

Die Kinder haben Freude am Schulhund.

Insgesamt muss die Primarschule Hinterbächli elf Lehrpersonen auf das neue Schuljahr hin ersetzen, fast ein Viertel des gesamten Teams. «Das sind natürlich ungewöhnlich viele Stellenprozent», sagt Co-Schulleiter Christof Zehnder. «Es war schwierig, gute Leute zu finden. Aber wir haben es geschafft und das spricht schliesslich auch für uns.»

In der externen Schulevaluation habe die Primarschule stets sehr gut abgeschlossen. «Das liegt sicher daran, dass wir ein sehr gutes Lernklima haben.» Im neuen Schuljahr werden Christof Zehnder und Susanne Held die Schulleitung übernehmen. «Vieles wird sicher anders», sagt Zehnder. «Aber das ist auch eine Chance für uns.»

Meistgesehen

Artboard 1