Die Vorzeichen stehen gut, dass der Neubau des Kantonsspitals Baden (KSB) bereits Anfang 2022 bezogen werden kann. Nachdem das Vorentscheidgesuch zu keinerlei Einwendungen geführt habe, dürfte auch dem Baugesuch kaum Widerstand erwachsen, sagt Jarl Olesen, Leiter der Abteilung Planung und Bau. Dennoch dürfte es Juni nächsten Jahres werden, bis die Stadt über das Gesuch entschieden haben wird. Kein Wunder, umfasst doch das zu prüfende Dossier über dreissig A4-Ordner mit insgesamt 800 Quadratmetern an Plänen.

«Beim Baugesuch liegt der Fokus vorab auf der internen Organisation und Raumaufteilung, denn mit dem baurechtlichen Vorentscheid wurden Eckpfeiler wie Höhe, Dimension oder die verkehrstechnische Erschliessung des Spitalneubaus bereits bewilligt», erklärt Omar Gisler, Medienverantwortlicher des KSB. Der Baubeginn soll im September 2018 erfolgen, der Bezug ab Anfang 2022. Anschliessend ist der Rückbau des bestehenden im Jahr 1978 eröffneten Kantonsspitals vorgesehen; dieses Areal soll als Vorgelände des Neubaus wie ein Park gestaltet werden.

Inzwischen nimmt der Neubau bereits im Heizwerk des KSB konkrete Formen an. Dort entsteht nämlich ein Musterzimmer. Der Prototyp vermittelt Ärzten und Pflegepersonal einen Eindruck von den Dimensionen und der Raumaufteilung. Vor Ort soll getestet werden, ob die in der Theorie angedachten Abläufe und Prozesse auch praxistauglich sind. «Dabei geht es um Kleinigkeiten wie die Steckdose, die nicht wie üblich bei der Eingangstür angebracht werden soll, sondern beim Patienten, damit er sein Handy aufladen kann», erklärt Gisler, aber auch um die Wahl des Bodenbelags.

Es wird für die Zukunft gebaut

Das neue Kantonsspital, für welches das international tätige Architekturbüro Nickl & Partner verantwortlich zeichnet, weist in die Zukunft der Medizin. Das heisst kürzere stationäre Spitalbehandlungen und ein weiterer Anstieg der Anzahl ambulanter Eingriffe. Organisatorische und arbeitstechnische Überlegungen haben dazu geführt, dass im Gegensatz zum bestehenden hohen und schmalen Spitalbau flach gebaut wird.

Die 400 Betten – unwesentlich mehr als jetzt – werden durch die Platzierung des Neubaus und dessen Lichthöfe Sicht ins Grüne erhalten. Erwiesen sei, dass eine Aussicht ins Grüne stressmindernd wirke und somit den Genesungsprozess positiv unterstützen könne. «Helle Parkettböden, hohe Räume, eine clevere Beleuchtung und aussichtsreiche Fenster werden daher das neue KSB prägen», sagt Gisler.

Das entspricht dem Konzept der sogenannten «Heilenden Architektur», das von Christine Nickl-Weller stammt. Sie hat als Professorin an der Technischen Universität Berlin einen Lehrstuhl für die Fachrichtung «Healing Architecture». Was auf den ersten Blick esoterisch tönt, stützt sich auf Erkenntnisse, erklärt Nickl-Weller: «Gute Architektur kann eine heilende Wirkung haben.» Faktoren wie Lichtqualität, Geräusche, Gerüche, Materialien, Kunst am Bau, die Grundriss-Organisation und die Einbindung des Spitals in die Umgebung haben nicht nur Einfluss auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, sondern auch auf den Heilungsverlauf.

Kanton muss nicht mitfinanzieren

Das KSB könne das Investitionsvolumen von 450 Millionen Franken stemmen, haben CEO Adrian Schmitter und Verwaltungsratspräsident Daniel Heller wiederholt erklärt. «Der Kanton als Eigentümer der KSB AG muss jedenfalls in Baden nicht als Geldgeber in die Bresche springen», ergänzt nun Gisler.

Erneuerungsvorhaben des Kantons waren in den Jahren 2003 und 2009 gescheitert. Mit der neuen Spitalfinanzierung per 2012, bei der Land und Immobilien den Spitalaktiengesellschaften übertragen wurden, kam alles ins Rollen. Weil eine Totalsanierung zudem unverhältnismässig teurer geworden wäre und die Ausführung bei gleichzeitigem Spitalbetrieb sich äusserst schwierig gestaltet hätte, fiel der Entscheid für einen Neubau klar aus.

Das Projekt eines Spitalneubaus lancierte die KSB AG im Jahr 2015 über einen Wettbewerb mit sechs Generalplanerteams, die ein Fachgremium aus 20 Bewerbungen ausgewählt hatte. Im März 2016 entschied sich die Jury für das Projekt «Agnes» des Architektenbüros Nickl & Partner.