Baden

Für ein Mal Abendmahl vegan: «Versautes» Rapunzel und nasse Kamele

Ein Weihnachtsfest der anderen Art (von links): Pedro Lenz, Urs Augstburger, Sven Furrer, Robbie Caruso, Monika Schärer, und Hendrix Ackle.

Ein Weihnachtsfest der anderen Art (von links): Pedro Lenz, Urs Augstburger, Sven Furrer, Robbie Caruso, Monika Schärer, und Hendrix Ackle.

Viel Prominenz sorgte in der Stanzerei mit «Abendmahl vegan» für die schrägste Weihnachtsfeier des Jahres. Die Beteiligten waren von gewissen Aktionen oft genau so überrascht wie das Publikum.

Sven Furrer und Monika Schärer verlegten Heiligabend vor und kredenzten ihren Gästen Pedro Lenz, Urs Augstburger, Hendrix Ackle und Robbie Caruso in der Stanzerei ein Fondue chinoise. Ausser dem kulinarischen Weihnachtsklassiker und der langen festlich dekorierten Tafel erwies sich ihre Bescherung aber als ziemlich unorthodox.

Der einzige, der dem Christfest den «notwendigen Respekt» entgegenbrachte, war Hanspeter Stamm. Er fastete und übte sich in einem dampfenden Bottich in stiller Einkehr, wenn er nicht gerade «Oh Tannenbaum» oder «Leise rieselt der Schnee» im Bossa-Nova-Style trompetete.

Eyecatcher war die Gastgeberin selber. Schärer hatte ihre gazellenhafte Figur in ein körperbetontes, feuerrotes Kleid gehüllt und war am Anlass, der heuer das dritte Mal über die Bühne geht, wie immer für die Erotik zuständig. Als Geschenk hatte sie die «versaute» Version eines Grimm-Märchens mitgebracht, das den schönen Titel «Das vegane Rapunzel entdeckt die Fleischeslust» trägt.

Fest gerät aus den Fugen

Auch Urs Augstburger ging in seiner speziell für den Abend geschriebenen Geschichte «Das nasse Kamel» ziemlich zur Sache: Er entführte die Anwesenden in eine WG mit drei Männern und einer Frau. Ihre Weihnachtfeier gerät nicht nur wegen etwas fragwürdiger Geschenke wie Kondomen mit fluoreszierenden Sternen und Honig-Zimt-Aroma aus den Fugen. Nachdem das Wohnzimmer fast abgefackelt wird, kommt es doch noch zu einem Happy End.

Hendrix Ackle und Robbie Caruso brachten mit Songs wie «Fairytale of New York» von den Pogues und «Happy Xmas – War is over» von John Lennon zwischendurch doch noch etwas Besinnlichkeit in den Abend und sorgten vor allem für Hühnerhautmomente. «Diese beiden Musiker sind für mich der Grund, dass ich immer wieder nach Baden komme», hatte Pedro Lenz schon im Vorfeld zur Show über die Zwei geschwärmt. Der Schweizer Kleinkunstpreisträger 2015 war auch heuer wieder der absolute Publikumsliebling.

Bäumchen fängt Feuer

Natürlich gab Pedro Lenz eine Kostprobe seines schriftstellerischen Könnens: Er erzählte vom Götti, der beim Fest im Wald den biblischen Inhalt der Weihnachtsgeschichte in die Neuzeit transportiert; und wie dieser die Szene vom Jesuskind im Stall für eine flammende Rede über Sozialpolitik, Flüchtlinge und die Hackordnung in der Gesellschaft nutzt.

Am Schluss heulen die Kinder und das festlich geschmückte Bäumchen fängt Feuer. Schärer mutierte derweil zu Madame Etoile und las den Anwesenden ihr Horoskop vor. Das machte allen Freude. Ausser Lenz, der da meinte: «Ich bin aus meinem Sternzeichen ausgetreten und finde, meine Kinder sollen einmal selbst entscheiden, was sie werden wollen.»

Schräg, witzig und berührend war das «Abendmahl vegan» und vor allem von Spontaneität geprägt. Die Beteiligten hatten sich wenige Momente vor ihrem Auftritt in der Stanzerei getroffen und waren von den gegenseitigen Aktionen oft genau so überrascht wie das Publikum.

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