Ran an den Winterspeck (1)

Für Ess-Sünden kann man hier die Bauchmuskeln um Absolution bitten

Der BT-Redaktor im Vordergrund legt mit Instruktorin Angelica Corbat und Geschäftsleiter Reto Maissen eine Extraschicht für die Bauchmuskeln ein.

Der BT-Redaktor im Vordergrund legt mit Instruktorin Angelica Corbat und Geschäftsleiter Reto Maissen eine Extraschicht für die Bauchmuskeln ein.

In der Serie «Ran an den Winterspeck» werden ausgewählte Kursangebote der fünf grossen Badener Fitnesscenter vorgestellt. Den Anfang macht das Rumpfmuskeltraining «ABSolution» im «Fitness Baregg» in Dättwil.

Bären brauchen eine Speckschicht, da sie den ganzen Winter über schlafen. Wir Menschen hingegen neigen während der kalten Jahreszeit dazu, uns überflüssige Fettpolster anzuessen. Den Bären beneiden wir und sträuben uns nicht selten gegen zu viel Bewegung: Draussen ists zu kalt, im Hallenbad hats zu viel Chlor und Squash ist zu schnell. Und Gerätetraining im Fitnesscenter ist sowieso viel zu stier. Dabei ist der schlechte Ruf ungerechtfertigt, denn die Studios übertrumpfen sich gegenseitig mit vielseitigen, trendigen und kreativen Kursangeboten: T-Bow, Star Pump, CXWorx, Sh’Bam und Zumba, Piloxing oder Bodycombat. Die Liste ist lang – und unverständlich. Wer blickt da noch durch?

Das Badener Tagblatt weiss Abhilfe und probiert im Februar ausgewählte Angebote der fünf grossen Badener Fitnesscenter aus und stellt diese in einer losen Serie vor. Den Anfang machen wir im Dättwiler Fitness-Training Baregg im Sportcenter beim Kantonsspital: «ABSolution» heisst das 30-minütige Work-out über den Mittag.

Kurzweilig und flexibel

Absolution – das wünscht man sich für die sündigen letzten Wintermonate. Diese wird aber nicht erteilt, der Name leitet sich vom englischen Abs (kurze Bauchmuskulatur) ab. Das Gruppentraining fokussiert sich auf die wichtigen Haltemuskeln entlang der Wirbelsäule, welche mobilisiert, gekräftigt und gedehnt werden. «Das Rumpf-Training eignet sich für alle, ob alt oder jung, Frau oder Mann», sagt Instruktorin Angelica Corbat, «denn die Intensität ist sehr variabel.»

Das macht mich zuversichtlich, zumal mir eine halbe Stunde nur Bauchmuskeltraining nicht allzu streng scheint. «Die kurze Einheit ist ideal für über den Mittag», sagt Corbat, die derzeit eine Ausbildung zur Fachfrau Gesundheits- und Bewegungslehre absolviert. «Sie lässt sich auch gut mit vorgängigem Ausdauer- oder Gerätekrafttraining kombinieren.» Kommt man dabei überhaupt ins Schwitzen? Absolut! Und nicht nur das: Auch die Aussage «ich habe schon ein Sixpack, es ist einfach gut abgedeckt», wird entkräftet.

Alles was es für «ABSolution» braucht, sind ein Mätteli, ein Böckli und ein Hantelgewicht. Nach einem kurzen Aufwärmen mit Kniebeugen und fiktivem Seilspringen geht es zum Rhythmus der Musik los: Ellenbogenstütze auf dem Böckli, gerade wie ein Brett. «Den Bauchnabel einziehen und halten!», ruft die Instruktorin. Danach ziehen wir abwechselnd die Knie an. Langsam und in grosser Anzahl, wie bei allen 2-Minuten-Übungen, denn die Muskeln sollen dadurch aufgebaut und die Kraftausdauer verbessert werden. Es folgen Rumpfbeugen mit ausgestreckten Armen und einem Hantelgewicht. Dieses wird gleich auch für die Stärkung der seitlichen Bauchmuskeln verwendet: In einem fiktiven Liegestuhl sitzend wird der Oberkörper mit dem Gewicht vor der Brust nach links und rechts rotiert. «Wie Autofahren», ruft Corbat, «Los, kämpfen, noch viermal!».

Unterbrochen wird das Training nur gelegentlich von 15-Sekunden-Trinkpausen. Schon folgen weitere Übungen wie seitliche Ellenbogenstütze, Sit-ups mit Knieanziehen oder zurücklehnend auf dem Böckli sitzen und mit den Beinen paddeln. «Los, nochmals von vorne!» Ich schwitze und glaube nicht mehr an mein verstecktes Sixpack. «Wenns nicht mehr geht», ruft Angelica Corbat und macht eine vereinfachte Variante der Übung vor.

Ich bin dankbar, denn nach 25 Minuten brennen in mir Muskeln, die ich allem Anschein nach seit dem Sportstudium nicht mehr genutzt habe. Aber Aufgeben steht nicht zur Debatte, schliesslich kämpfen die anderen Teilnehmerinnen auch. «Das ist grundsätzlich der Vorteil», sagt Angelica Corbat, «in der Gruppe trainiert es sich effektiver und effizienter.»

Mit Atem-, Dehn- und Entspannungsübungen schliesst sie bei gedämmtem Licht und sanfter Musik die Lektion, die dank kurzweiligem Programm und im Nu vorüber ist. Schon fertig, denke ich zuerst. Später in der Garderobe relativiere ich den Gedanken: Ich habe Mühe, die Socken anzuziehen – meine Bauchmuskeln scheinen zu streiken. Wohl zu Recht, schliesslich war es erst eine Lektion. Für eine Absolution braucht es wohl noch etwas mehr.

Autor

Elia Diehl

Elia Diehl

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