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«Für mich hat das Fan-Sein heute nichts mit Fussball zu tun»

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Fredy Staubesand hat als Sportredaktor bei der Aargauer Zeitung die Fanszene jahrelang mitbekommen und vergleicht heute mit früher. Er sagt, dass Fanklubs eigentlich nicht nötig seien.

Wenn Fredy Staubesand ein Fussballspiel anschaut, will er sich mit dem Fussball als Sport beschäftigen. «Ich frage mich manchmal, warum bestimmte Fans ins Stadion kommen», sagt der 70-Jährige. «Für mich hat das Fan-Sein heute mit den provokativen Gesängen, Fackeln und Bier nichts mit Fussball zu tun.» Staubesand ist ehemaliger Sportredaktor der Aargauer Zeitung und hat die Fussballszene und die Fans in den letzten Jahrzehnten beobachtet. Er findet, die Fanklubs sind eine rein gesellschaftliche Erscheinung. «Vom Fussball und vom Verein her gesehen sind sie nicht nötig».

Fredy Staubesand zur Fankultur in Fussballstadien

Fredy Staubesand zur Fankultur in Fussballstadien

Es war 1985: «Ein düsterer Novembertag», erinnert sich Staubesand an einen Höhepunkt in der Geschichte des FC Baden. In der Saison 1985/86 spielte der FC Baden das bisher einzige Mal in der Nationalliga A und schlug an diesem Novembertag die Berner Young Boys 1:0. Viele Badener Fans pilgerten nach Bern, Staubesand kann sich aber nicht daran erinnern, dass es Provokationen zwischen den Fans gab.

In seiner Zeit als Sportjournalist hatte der regionale Fussball einen hohen Stellenwert. Wenn Baden gegen Wettingen spielte, waren die Stadien immer gut besucht. Als der FC Baden vom früheren Stadion Scharten 1988 ins Esp umzog, nahm die Zuschauerzahl ab. «Früher genoss ich es, in der ersten Halbzeit einmal rund um den Platz zu laufen», sagt Staubesand. «Heute mache ich das nicht mehr gerne.» Er fühle sich vor allem dort nicht mehr wohl, wo die Ultra-Fans stehen würden. «Als ich einmal als Junge das Spiel Bellinzona gegen Schaffhausen gesehen habe, jubelten wir natürlich für Schaffhausen mit», sagt Staubesand, gebürtiger Schaffhauser. «Als wir an den Bellinzona-Anhängern vorbeigingen, war eine gewisse Provokation zu spüren, es passierte aber nichts.» Heute spüre er im Esp oft «provokativere Stimmung als früher»: «Ich habe beobachtet, wie sich gegnerische Fangruppen nur belauerten.»

Was fällt ihm im Vergleich zu früher noch auf? «Das Publikum war von jung bis alt durchmischt, durchmischter als heute», sagt Staubesand. «Es gab früher weniger Fanklubs, das wäre mir aufgefallen.»

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