Baden

Für Millionen saniert: Doch dem Jugendlokal „Werkk“ fehlt das Publikum

Das Jugendlokal liegt seit 2015 rund 500 Meter weiter vom Zentrum entfernt.

Das Jugendlokal liegt seit 2015 rund 500 Meter weiter vom Zentrum entfernt.

Die Stadt hat zu optimistisch geplant: Ins neue Jugendkulturlokal kommen weniger Besucher als erhofft. Die Zahlen mussten um ein Viertel nach unten korrigiert werden.

Als das «Merkker» 2015 in die Alte Schmiede zog, gab sich die Stadt Baden noch optimistisch. Rund 6,8 Millionen Franken investierte die Stadt in den neuen Standort des Jugendkulturlokals in Baden Nord, das unter dem Namen «Werkk» weitergeführt wird. Zudem wurden zwei neue Teilzeitstellen geschaffen. Mit der Kombination von Jugendlokal und Beiz, der grossen Halle der Alten Schmiede samt Aussenraum, den Bandproberäumen und dem Kunstatelier schlage Baden «ein neues Kapitel in der Geschichte der Jugendarbeit und Kulturförderung» ein, hiess es damals euphorisch in einer Mitteilung. Doch letzte Woche liess die Aussage von Mark Füllemann (FDP) aufhorchen: Die Besucherzahlen im Jugendkulturlokal «Werkk» seien gesunken. «200 Meter mehr Fussweg sind der heutigen Jugend scheinbar schon zu viel.» Hat er recht?

Zu «Merkker»-Zeiten strömten jährlich rund 15 000 Besucher in das Jugendkulturlokal. Wie viele Konzertbesucher und Partygäste in der ersten «Werkk»-Saison 2015/16 nach Baden Nord kamen, kann Patricia Itel, Bereichsleiterin «Werkk», noch nicht sagen. Die Sommerpause fiel in diesem Jahr aus, da das «Werkk» die Spiele der Fussball-EM live übertrug. Die Zeit, die letzte Saison auszuwerten, habe deshalb gefehlt. Sie räumt jedoch ein: «Wir hatten starke Schwankungen, was aber normal ist, wenn ein Lokal neu eröffnet.» Sie rechnet damit, dass sich der Betrieb nach drei Jahren normalisiere und sich die Besucherzahl auf konstantem Niveau einpendle.

Fakt ist: Im Budget 2016 rechnete die Stadt noch mit 20 000 Besuchern. Für das kommende Jahr wurden die Zahlen aber um einen Viertel nach unten korrigiert und auf «Merkker»-Verhältnisse angepasst. Mit 20 000 Besuchern habe man wohl etwas zu optimistisch budgetiert, sagt Itel. «Aufgrund der peripheren Lage auf dem ABB-Gelände haben wir weniger Laufkundschaft als noch im ‹Merkker›». Mario Geraets, Leiter der städtischen Abteilung Kinder Jugend Familie, sagt: «Wir hatten Respekt vor dem neuen Standort. Wir hatten ja diesbezüglich keine Erfahrungswerte.» Insgesamt sei man aber zufrieden.

Das «Werkk»-Team hat dennoch reagiert und auf die neue Saison hin die Co-Produktionen intensiviert. So führen das «Werkk» und das Nordportal gemeinsam die Bravo-Hits-Partys durch. Auf diese Weise will das «Werkk» neue Kundschaft gewinnen und noch bekannter werden. «Wir sind auch regelmässig im Austausch mit dem Quartierverein«, sagt Itel. «In diesem Jahr machen wir beispielsweise bei den Adventsfenstern mit.»

«Werkk» ist neu am Mittwoch zu

Zudem hat das «Werkk» neuerdings am Mittwoch geschlossen. So sollen jährlich 11 000 Franken an Lohnkosten eingespart werden. «Dies ist eine Massnahme aus Optima», erklärt Itel. «Optima» heisst das Projekt, das die Erfolgsrechnung der Stadt vor defizitären Zahlen bewahren soll. Insgesamt konnte die Abteilung Kinder Jugend Familie den Nettoaufwand für das «Werkk« von 450 000 Franken im Budget 2016 auf 420 000 für das nächste Jahr reduzieren.

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