Seine Freundin Yamila Lozano freut sich schon jetzt auf argentinischen Torjubel. Alle WM-Spiele schaue sie sich an, sagt sie lachend, und gewährt der Schweiz sogar eine besondere Ehre: «Die Schweiz ist natürlich mein zweitliebstes Team, gleich hinter Argentinien. Aber nur zu 3 Prozent. Die restlichen 97 Prozent schlägt mein Herz für unsere Mannschaft.»

Meier, der seit sieben Jahren in Argentinien lebt und arbeitet, kümmert sich unterdessen um die Logistik: Noch immer steht zur Diskussion, wo und mit wem das Paar sich das Spiel anschaut, um für möglichst ausgeglichene Kräfteverhältnisse zu sorgen. Eins ist für ihn jedoch klar: «Wenn die Schweiz Argentinien raushaut, dann werde ich von Yamilas Familie bis an mein Lebensende aufgezogen», sagt er schmunzelnd. Und ob er dann auf dem Sofa schlafen muss, sollte der Schweiz wider Erwarten der grosse Coup gelingen? «Soweit würde ich natürlich nie gehen!», sagt Lozano lachend. Wahre Liebe übersteht eben auch ein knallhartes Derby.

Xherdan Shaqiri gab die Antwort auf dem Platz

Xherdan Shaqiri gab die Antwort auf dem Platz

Vor dem Achtelfinal vom Dienstag macht den Argentiniern vor allem ein Spieler Eindruck: «Messi aus den Alpen» haben sie Xherdan Shaqiri kurzerhand getauft. Wie Messi ist er nur 1.69 Meter gross, stark mit links und wendig wie ein Floh. Deshalb ist es nur zu gut verständlich, dass sich die Medien im fussballverrückten Argentinien im Vorfeld des Spiels auf den bekanntesten Schweizer Stürmer eingeschossen haben.

Nach Maradona: Messi ist der neue Nationalheld Argentiniens.key

Nach Maradona: Messi ist der neue Nationalheld Argentiniens.key

Den Argentiniern, die starke Protagonisten über alles lieben, haben Shaqiris drei Tore gegen Honduras ziemlich Eindruck gemacht: Immer wieder wird sein famoser Hattrick gegen die Mittelamerikaner auf den hiesigen Sportkanälen dem ganzen Land gezeigt. Viel mehr scheint man aber nicht zu wissen. In eher mageren Artikeln betitelten lokale Journalisten die Schweizer Auswahl als «nicht zu ergründendes Team». Frei übersetzt: «Wir haben keine Ahnung, wer die sind, und es ist auch nicht so wichtig.» So sieht es zumindest Carla, Inhaberin einer Fussballbar im Zentrum von Buenos Aires. Erst mal richtig aufschneiden gehört hier zum guten Ton, und so fügt sie augenzwinkernd hinzu: «Die Schweizer spielen scheusslichen Fussball, die schlagen wir locker!»

Obwohl im blau-weiss dekorierten Buenos Aires viele Carlas Meinung sind und sich sogar ausrechnen, dass es dieses Jahr endlich mit dem Titel klappt, schwant anderen im Hinblick auf den Achtelfinal Böses. Das aber weniger der Stärke der Schweizer geschuldet als der schwächelnden argentinischen Defensive und der augenfälligen Abhängigkeit des Teams von Lionel Messi.

Ein etwas älterer Herr am Tresen von Carlas Fussballbar mahnt zur Vorsicht, denn die Schweiz habe vorne zwei, drei schnelle Stürmer. «Die könnten unserer Verteidigung zu schaffen machen.» Und Daniel, ein Hauswart, wirft ein, dass die Selección in der Gruppenphase grottenschlecht gespielt habe. Für ihn steht fest: «Wenn wir gegen die Schweiz verlieren, ist das ein Desaster!»

WM2014 Scoreradar-Initialisierung (Nicht ändern oder löschen!)