Baden
Für Baden ist es noch ein weiter Weg bis zur Velostadt

Seit Jahren sind bessere Bedingungen für Velofahrer in Baden ein Thema. In den Augen von Pro Velo Region Baden hat sich aber wenig getan. Sie haben verschiedene Forderungen. Gebremst werden sie teilweise vom Kanton, etwa beim Schulhausplatz.

Roman Huber
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Schulhausplatz Baden.

Schulhausplatz Baden.

AZ

Eine Umfrage im Rahmen der Velo-Ausstellung im Historischen Museum brachte der Stadt Baden punkto Velofreundlichkeit eher ungenügende Noten. Ein Ungenügend erhielten aber auch die Velofahrer, was ihr Verkehrsverhalten anbetrifft, wie zum Beispiel das Fahren in Fussgängerbereichen.

Das unterstrichen mehrere Polizeikontrollen im vergangenen März, bei denen die Stadtpolizei dutzendweise Bussen verteilte. Die daraus entstehenden Diskussionen zeigten vor allem eines: Der Stadt Baden fehlt ein gutes Veloklima. Das bestätigen insbesondere Velofahrer und deren Lobbyisten, die ein Umdenken bei der Verkehrsplanung zugunsten des Velos fordern.

Velostation als ein erster Schritt

Seit vielen Jahren sind die Verbesserungen für den Veloverkehr ein Dauerthema. Bewegt hat sich jedoch zu wenig, ist bei Pro Velo Region Baden die klare Meinung. Ein Lichtblick für die Velofahrer ist zwar die Genehmigung eines Kredites für die bewachte Velostation auf dem Areal des Südhauses beim Bahnhof. Ein längst fälliger Schritt, sagt dazu Hubert Kirrmann, Präsident der Pro Velo Region Baden. Er lässt jedoch deutlich durchblicken, dass bezüglich Sicherheit und Komfort für den Velofahrer noch einiges im Argen liegt.

In der jüngsten Ausgabe von «Schweiz am Sonntag» verdeutlichte eine Unfallkarte, wo auf Stadtgebiet Handlungsbedarf beim Veloverkehr besteht. Dies ist auf der inneren Mellingerstrasse zwischen Eisenbahnbrücke und Schulhausplatz der Fall. Es ist darum nicht verwunderlich, wenns Velofahrer auf diesem gefährlichen Streckenabschnitt die sichere Variante auf der linken Strassenseite wählen und dann via Unterführung Glas durch die Tunnelgarage direkt zum Bahnhof fahren, allerdings beides verbotenerweise.

Schulhausplatz: Kanton bleibt hart

Fruchtlos blieben die Bemühungen von Pro Velo, teilweise auch unterstützt von der Stadt Baden, beim Projekt Schulhausplatz gewisse Verbesserungen für den Velofahrer zu erreichen. Mit der neuen Busachse fällt der Velotunnel von der Bruggerstrasse in Richtung Hochbrücke als Luxuslösung weg.

Der Kanton will dem Velofahrer jedoch keine eigene Lichtsignalphase zum sicheren Abbiegen geben. Michael Wägli, Projektleiter des Kantons: «Damit würde die Leistung des Knotens reduziert.»

Auch wehrt sich der Kanton im Schlossbergtunnel gegen einen kombinierten Fuss-/Radweg westseitig in beiden Richtungen «aus Platz- beziehungsweise Sicherheitsgründen», erklärt Wägli. Ebenso will man dem vom Ländliweg herkommenden Velofahrer beim Fussgängerstreifen keine direkte Querung in Richtung Weite Gasse ermöglichen.

Die Situation verbessere sich jedoch auch für den Velofahrer, sagt Wägli: «Wir werden markierungstechnisch den Velofahrer an heiklen Stellen mit Velosäcken bevorzugen.» Damit meint er den der Fahrspur vorgelagerten Bereich beim Lichtsignal.

Als Vorteil bezeichnet er auch die Möglichkeit, den Schulhausplatz durch die Fussgängerebene in alle Richtungen queren zu können. Von verschiedener Seite her wird jedoch bezweifelt, dass dieser Mischverkehr (Velos und Fussgänger) auf derselben Ebene und ohne getrennte Markierungen funktionieren werde. «Da ist Rücksichtnahme seitens der Velofahrer gefordert», fügt Wägli an.

Freier Rechtsabbieger gefordert

Nebst Sicherheit und zusätzlichen gedeckten Veloabstellmöglichkeiten in der Innenstadt fordern Velofahrer die Schneeräumung (die auf Radstreifen manchmal gar nicht erfolgt), bessere Wegweisung und mehr Komfort im Verkehr.

Damit ist unter anderem die grüne Welle gemeint, die auf der Bruggerstrasse den Velofahrer benachteiligt. Von Velofahrern wird immer wieder der freie Rechtsabbieger gefordert, wie er in vereinzelten velofreundlichen Städten üblich ist. Wo Konfliktpotenzial mit Fussgängern besteht, könnte dies mit einem Warnblinker signalisiert werden, wie es heute bereits von der Bruggerstrasse in Richtung Mellingerstrasse der Fall ist.

Fördern statt schikanieren

Ein Kommentar von Roman Huber

Es liegt auf der Hand: Der Velofahrer, der sich mit seiner eigenen physischen Kraft fortbewegt, wählt am liebsten den direkten und sicheren Weg. Dieser ist ihm in Baden allerdings vielerorts entweder verbaut oder verboten. Manche Velofahrer, die nicht gegen das Gesetz verstossen wollen, stellen ihr Stahlross deshalb frustriert in die Garage und steigen aufs Auto um.

In der Stadt Baden würden mehr Leute aufs Velo umsteigen, wenn die Voraussetzungen für dessen täglichen Gebrauch attraktiver wären. Es verwundert keineswegs, dass das als perfektes Stadtverkehrsmittel bezeichnete Velo auf Badener Stadtgebiet weit weniger anzutreffen ist als anderswo. Denn Baden hat es in der Vergangenheit mehrfach verpasst, dem Veloverkehr bei der Planung das ihm gebührende Gewicht zu verleihen.

Das Velokonzept und weitere Planungsbemühungen sind aus der Velofahrer-Perspektive bislang nicht viel mehr als Lippenbekenntnisse gewesen. Wenn auch in den vergangenen zehn Jahren bei Strassensanierungen das Velo nicht ganz vergessen worden ist: Grosse Würfe, wie der Bau des Velotunnels in Richtung Wettingen, oder kleinere, wie der Velodurchstich (Edi-Zander-Stich) bei der Schadenmühle in Richtung Meierhof, sind in der verkehrsbelasteten Zentrumsstadt ausgeblieben.

Die Velostation beim Bahnhof mag ein Gewinn sein. Doch bei der Velo-Erreichbarkeit Badens hapert es sowohl auf verschiedenen Achsen als auch im Zentrum selber. Auch der neue Schulhausplatz bringt unter dem Strich keine Verbesserung für den Velofahrer. Schade. Denn jeder, der aufs Velo wechselt, entlastet die Strasse. Das tut er aber nur, wenn er als Velofahrer gefördert und nicht schikaniert wird.