Abstimmung
Für den Campus Brugg-Windisch auf die Strasse

Der Abstimmungskampf um den Campus Brugg-Windisch geht in die heisse Phase und mobilisiert auch viele prominente Politiker.

Katja Landolt
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 Crispino Bergamaschi, Direktionspräsident FHNW Brugg.
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 Christine Egerszegi als engagierte Rednerin.
 Nationalrat Lieni Füglistaller.
 Die Moderatoren H.P. Widmer und Brigitte Schnyder.
 Christine Egerszegi im Gespräch mit Pascale Bruderer.
Abstimmungskampf um den Campus Brugg-Windisch

Crispino Bergamaschi, Direktionspräsident FHNW Brugg.

Rot waren die Käppchen, rot waren die Luftballone, rot war der Schriftzug auf den Buttons, die an den Jackenkrägen steckten. Rot wie das Herzblut, rot wie die Leidenschaft. Und leidenschaftlich, das war sie, die Demonstration in Brugg und Windisch, zu der die regionalen und kantonalen Komitees «Ja zum Campuskauf» gestern aufgerufen hatten.

Rund 250 Personen kamen zusammen, darunter zahlreiche prominente Aargauer Köpfe. Sie alle zeigten mit ihrem Erscheinen, mit Bannern, Tafeln und flammenden Reden, Flagge für den Campus. Es brauche einen Mahnruf, sagte Moderator Hans-Peter Widmer, und zeigte ein Schreckenszenario auf: «Der erste Schritt wäre, den Kauf der Campus-Neubauten zu verhindern. Nachher würde mit einer Initiative, die schon vorbereitet ist, verlangt, dass es neben Brugg-Windisch einen zweiten Hochschulstandort in Aarau geben müsste.»

«Wir sagen Ja zum Campuskauf»

«Wir müssen klarmachen, dass wir den Campus Brugg-Windisch brauchen; nicht nur als Brugger, sondern als Aargauer», sagte Ständerätin Christine Egerszegi auf dem Brugger Neumarktplatz. Und Nationalrätin Pascale Bruderer doppelte nach: Es sei nicht richtig, an einem kleinen Punkt ein ganzes Projekt infrage zu stellen, das demokratisch aufgegleist worden sei. Und der geschlossene Auftritt von Parteien aller Couleur sowie den grossen Aargauer Verbänden zeige: «Wir sagen miteinander Ja zum Campuskauf.»

Auch der «Erfinder des Campus», Josef Bürge, ehemaliger Badener Stadtammann, wandte sich an das Publikum. Er hatte 1993 im Grossen Rat die Motion «Gründung einer Aargauer Fachhochschule nach europäischem Zuschnitt» eingereicht und damit den Grundstein für den Campus gelegt. «Mit dem demokratischen Mittel des Referendums, aber mit falschen Behauptungen bezüglich der Kosten, wird nun versucht, den erfolgreichen Weg unserer Hochschule zu verbauen und die Entwicklung zu hemmen. Das darf nicht sein.» Crispino Bergamaschi, der neue Direktionspräsident der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), zählte auf: «Die FHNW hat im Moment 30 Standorte im Kanton Aargau. Das macht doch keinen Sinn.» Daniel Moser, Stadtammann Brugg, und Hanspeter Scheiwiler, Gemeindeammann Windisch, zeigten Willen zum Vorwärtsmachen: «Wir wollen loslegen, wir sind parat», sagte Moser. Und Scheiwiler: «Wenn wir jetzt einen anderen Kurs einschlagen würden - das wäre Geldverschwendung.»

Kanton steht 100 Prozent hinter dem Projekt

Im Publikum stand auch Grossrätin Theres Lepori, Präsidentin der Bildungskommission und im kantonalen Komitee der Parteien und Verbände «Ja zum Campuskauf». «Dieses Referendum ist nicht fair», sagte sie, demokratische Prozesse würden damit nicht akzeptiert. «Wir müssen für ein Ja kämpfen», so Lepori, noch sei die Abstimmung nicht in trockenen Tüchern. Optimistischer zeigte sich da Regierungsrat Alex Hürzeler, der schliesslich auf Windischer Boden ans Rednerpult trat: «Kann überhaupt jemand gegen den Kauf sein?» Schliesslich spare man bei einem Kauf zwei bis vier Millionen Franken pro Jahr. Er versicherte: «Der Kanton Aargau steht zu 100 Prozent hinter dem Projekt.» Und mit Seitenblick auf den künftigen Campus-Standort fügte er an: «Wenn wir noch lange warten, wird aus dieser Baugrube ein Naturschutzgebiet.»

«Wer A sagt, soll auch B sagen», meinte Nationalrat Lieni Füglistaller mit Blick auf die in den letzten Jahren verstrichenen Möglichkeiten, die Standortfrage zu klären. Und alt Regierungsrat Kurt Wernli holte schliesslich zum Schlussappell aus: «Alles klar, Ja zum Campuskauf!»