Turgi
Für die kurze Zeit muss die Couch zum Schlafen reichen

Während des Theaterfestivals leben die Kinder bei Gastfamilien. Für Luxus bleibt oft kein Platz. Für beide ist das eine intensive, aber durch und durch bereichernde Erfahrung.

Barbara Scherer
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Grillieren verbindet: Die jungen Schauspieler aus ganz Europa geniessen im Garten ihrer Schweizer Gasteltern ein gemütliches Nachtessen. barbara scherer

Grillieren verbindet: Die jungen Schauspieler aus ganz Europa geniessen im Garten ihrer Schweizer Gasteltern ein gemütliches Nachtessen. barbara scherer

Der lange Holztisch ist gedeckt, in der lauen Sommerluft macht sich der Holzkohle-Duft von der Feuerstelle nebenan breit. Perfekte Bedingungen für des Schweizers beliebteste Sommerbeschäftigung: Grillieren. Auch die sechsköpfige Turgemer Familie Bawidamann hat die Salatschüsseln und Fleischteller gefüllt.

Dieses Mal aber sitzen sie nicht alleine am Tisch, sondern teilen ihn mit Kindern aus ganz Europa. Es sind Gastkinder des internationalen Theaterfestivals. «Unsere Nachbarn haben auch Gastkinder aufgenommen, die essen gleich mit», sagt Rita Bawidamann, während sie kunterbunte Servietten auf dem Tisch verteilt.

Schweizer Kultur hautnah

Rita Bawidamann und ihr Mann Thomas sind bereits zum dritten Mal Gasteltern und zudem verantwortlich für die Unterbringung der Gastkinder bei Familien in der Region. In erster Linie werden Familien angefragt, deren Kinder im Kinder- und Jugendtheater Turgi mitspielen. So finden sie leichter Anschluss.

Aber auch Kinderlose und Eltern, deren Kinder schon ausgezogen sind, dürfen sich bewerben. Immer zu zweit oder zu dritt werden die Kinder untergebracht. Dabei geht es nicht darum, ihnen Luxus zu bieten. Bereits eine Couch reiche aus, sagt Bawidamann. Im Zentrum steht der soziale Kontakt. «Durch die Gasteltern erleben die Kinder die Schweizer Kultur hautnah mit.»

Die Kinder stammen aus sieben Ländern. Unter ihnen sind einige russisch und slawisch sprechende Gruppen. Natürlich werden Plätze bevorzugt, wo man sich verständigen kann. Dies sei jedoch nicht immer möglich, sagt Bawidamann. Dann müsse eben mit Händen und Füssen «gesprochen» werden. Viel Zeit zum Reden haben die Jugendlichen sowieso nicht. Während ihres 10-tägigen Aufenthaltes haben die Theaterkinder ein volles Programm und verbringen neben regelmässigen Mahlzeiten nur einen Nachmittag und den 1. August mit ihrer Gastfamilie.

Mehr Zeit verbringen die Kinder untereinander. Oftmals halte der Kontakt noch einige Jahre an, sagt Bawidamann. Sie selbst hat noch immer Kontakt mit einem Mädchen, dass vor über zehn Jahren bei ihnen ein Zuhause fand. «Mit den neuen sozialen Medien wie Facebook kommen die Kinder heute schon vor ihrem Aufenthalt in Kontakt mit den Gastfamilien.»

Es sei eine tolle Erfahrung Gasteltern zu sein, sagt Bawidamann. Die ganze Familie profitiere davon und lerne, mit anderen Kulturen in Kontakt zu kommen. «Es ist immer schön, wie engagiert die Gasteltern sind, und alle vom Theaterfestival sind sehr dankbar.» Schliesslich stellen die Gasteltern Unterkunft und Verpflegung unentgeltlich zur Verfügung. Zurück bekommen sie dafür spannende Erfahrungen und einen Einblick in die Kulturen Europas.

Das Programm des Theaterfestivals finden Sie hier.

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