Entscheidung naht
Für Erich Obrist scheint der Weg frei in den Badener Stadtrat

Nach Mario Delvecchios Rückzug wird eine stille Wahl von Erich Obrist in den Badener Stadtrat wahrscheinlich. Gratulieren lässt er sich aber noch nicht.

Martin Rupf, Pirmin Kramer
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Erich Obrist hat nun beste Chancen, in den Stadtrat einzuziehen.

Erich Obrist hat nun beste Chancen, in den Stadtrat einzuziehen.

Am Dienstag hat Mario Delvecchio mitgeteilt, dass er nicht mehr zum 2. Wahlgang um den Badener Stadtratssitz antreten wird (wir berichteten). Delvecchio hat Obrist zur Wahl gratuliert – dieser will sich aber noch nicht feiern lassen. «Gratulationen zur Wahl in den Stadtrat nehme ich noch keine an.

Die Sache ist erst nach Ablauf der Nachmeldefrist nächsten Mittwoch um 12 Uhr entschieden», sagt er vorsichtig. Er schätze es sehr, dass Mario Delvecchio ihm seinen Entscheid persönlich mitgeteilt habe, ehe er die Öffentlichkeit informierte. «Überhaupt kann ich sagen, dass alle drei Kandidaten – also auch Jürg Caflisch – im Wahlkampf einen sehr anständigen und respektvollen Umgang gepflegt haben», so Obrist.

Wohl Ende der linken Mehrheit

Tritt nicht der unwahrscheinliche Fall ein, dass sich aus dem Nichts noch ein ernsthafter Kandidat als Gegner von Obrist aufstellen lässt, so hat die Stadtratswahl 2015 eine Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse im Badener Stadtrat zur Folge. Die viel zitierte links-grüne Mehrheit, die 2013 mit der Wahl von Geri Müller zum Stadtammann und Ruth Müri (beide team) zur Stadträtin entstand, ist ab 1. Januar mit allergrösster Wahrscheinlichkeit Geschichte. Neu wird wohl eine Art Pattsituation herrschen, mit drei bürgerlichen, drei linken Vertretern und eben dem parteilosen Obrist, der das Zünglein an der Waage spielen könnte.

Folgen würde Obrists Wahl auch auf die Stadtammannwahl 2017 haben – davon ist Alt-Stadtrat Peter Conrad (CVP) überzeugt. Er hatte in einem Leserbrief Obrists wilde Kandidatur gefordert. «Meine Intervention, die nun offensichtlich zum Erfolg führen wird, hatte erklärtermassen die Stadtammannwahl im Auge.»

Dann sollen die Bürger eine interessante Auswahl unter überzeugenden Persönlichkeiten haben. «Obrist gehört aus meiner Sicht klar dazu.» Auf die Frage, ob er damit nicht ausgerechnet seinem CVP-Parteikollegen und Vizeammann Markus Schneider in den Rücken falle, über dessen Ammannkandidatur spekuliert wird, sagt Conrad: «Ich habe mich immer mehr als Badener Citoyen denn als Parteimensch verstanden.»

Er glaube nicht, dass sein überparteiliches Engagement der CVP schade. «Möglicherweise nütze ich aber der Gesamtbürgerschaft.» Obrist kündigte sein Interesse am Amt bereits an, wohingegen Jürg Caflisch als Stadtrat nicht gegen den amtierenden Ammann Geri Müller angetreten wäre.

Bleibt noch die Frage nach der politischen Zukunft Delvecchios. Wird er so rasch vom politischen Parkett verschwinden, wie er diesen Sommer aufgetaucht war? «Meine politische Zukunft steht in den Sternen.» Es sei nicht unwahrscheinlich, dass er ein politisches Amt in Baden erneut anstreben werde. «Der Wahlkampf hat riesigen Spass gemacht.»

Lesen Sie den Kommentar zum Thema hier.

So lief der Stadtrats-Wahlkampf

16. Juni: Stadträtin Daniela Berger (SP) gibt ihren Rücktritt per Ende Jahr bekannt.

2. Juli: Die SP nominiert an einer ausserordentlichen Generalversammlung Jürg Caflisch als Kandidat für die Nachfolge Bergers. Er setzt sich 22 zu 19 gegen Erich Obrist durch.

17. August: Die FDP schickt Mario Delvecchio ins Rennen. Er setzt sich parteiintern gegen Andrea Libardi und Daniel Schneider durch.

25. August: Alt Stadtrat Peter Conrad (CVP), einst selber wild portiert, schlägt Erich Obrists Kandidatur vor.

4. September: Obrist tritt aus der SP aus und kandidiert als Parteiloser.

18./20. Oktober: Obrist gewinnt den 1. Wahlgang. Delvecchio und Caflisch ziehen ihre Kandidatur zurück.

28. Oktober: Die Anmeldefrist für den zweiten Wahlgang endet. (PKR)