Asyl
Für ihre Idee eines Asylpavillons müssen sie Kritik einstecken

Die beiden Jungunternehmer Claudia Cuesta César und Flurin Cajöri vor ihrem Pavillon für Asylbewerber, den man noch bis zum Sonntag in Baden besichtigen kann. Der az Aargauer Zeitung erklären sie, warum sie trotz Kritik von ihrere Idee überzeugt sind.

Martin Rupf
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Die beiden Jungunternehmer Claudia Cuesta César und Flurin Cajöri vor ihrem Pavillon, den man noch bis zum Sonntag in Baden besichtigen kann.

Die beiden Jungunternehmer Claudia Cuesta César und Flurin Cajöri vor ihrem Pavillon, den man noch bis zum Sonntag in Baden besichtigen kann.

Sandra Ardizzone

Vor zwei Wochen präsentierten die beiden Badener Jungunternehmer Claudia Cuesta César (27) und Flurin Cajöri (26) in den Medien zum ersten Mal ihre Idee eines Asylpavillons aus Holz (az vom 12. 2). Gestern nun haben sie auf dem Badener Bahnhofplatz erste Gäste in ihrem Pavillon empfangen, um für diesen zu werben.

Der «Integro-Pavillon» ist ein quadratisches Gebäude aus Holz mit einer Fläche von 36 Quadratmetern, das maximal acht Asylsuchenden oder Flüchtlingen Platz bieten soll. In der Mitte befindet sich der Wohnraum, darum herum sind Toilette, Dusche und Küche angeordnet. In jeder Ecke befinden sich zwei Bettnischen mit einem Vorhang.

«Wir wollen den überteuerten Asylunterkunft-Markt in der Schweiz verändern», sagen Cuesta und Cajöri. Mit ihrem Pavillon wollen sie dagegenhalten, «dass andere Anbieter die Flüchtlingskrise ausnutzen, um auf Kosten der Steuerzahler Geld zu machen. Unser Pavillon kann auf einem Minimum an Fläche und mit einer schönen Ausstattung eine gute Wohnsituation bieten», sind die beiden Jungunternehmer überzeugt.

Ist die Privatsphäre noch gegeben?
Doch das gut gemeinte Projekt stösst nicht überall auf Gegenliebe. Der Badener SP-Grossrat Florian Vock, der an der gestrigen Präsentation auf dem Bahnhofplatz ebenfalls dabei war, findet deutliche Worte. «Der Pavillon bietet 4,5 Quadratmeter pro Person – eine Kuh in einem Schweizer Stall hat den gleichen Flächenanspruch.»

Privatsphäre für die einzelne Person sei im Pavillon schlicht inexistent. Und auch in Sachen Nachhaltigkeit hätten die Initianten nicht aufzeigen können, was mit dem Pavillon nach seinem Einsatz passieren soll. Grundsätzlich findet auch Vock, der Pavillon sei zwar eine weitaus bessere Alternative als unterirdische Zivilschutzanlagen. «Doch wir brauchen keine schlechten Alternativen, sondern langfristige Lösungen. Der Pavillon wird, das zeichnet sich ab, von den Gemeinden als langjährige Unterkunft missbraucht», befürchtet Vock. So könnten sich die politischen Instanzen aus der Verantwortung ziehen, richtige Lösungen zu finden. «Lösungen, die auf längere Sicht auch ökonomisch nachhaltig sind: nämlich Wohnungen.»

Ins gleiche Horn bläst der Badener Städtebauer Marc Angst, der auch Vorstandsmitglied des Stadtlabors Baden ist, einem Verein engagierter Planer und Architekten in Baden. «Ich finde es ein gefährliches Projekt, weil es unter dem finanziellen Aspekt die Mindeststandards der Flächen, die man zum Leben braucht, ritzt.» Es werde eine Lösung präsentiert, die auf einer Verknappung des Raums basiere.

«In diesem Pavillon ist absolut keine Privatsphäre gegeben, die Bewohner werden zusammengepfercht und ihrer Möglichkeit zur Selbstbestimmung beraubt», so Angst. Vor allem aber werde eine Baulösung präsentiert, «obwohl im Asylwesen das Hauptproblem jeweils der Standort ist». Für Angst hinkt auch der Kostenvergleich, wonach der Pavillon weniger als die Hälfte der gängigen Containerlösungen kosten soll. «Halb so teuer wie eine Containerlösung, weil halb so gross; das ist eine simple Rechnung.» Tatsächlich rechnen die Initianten vor, dass ein Platz im Pavillon 11 000 Franken kosten würde, ein Platz in einer Containersiedlung in Basel hingegen 45 000 Franken. «Bei diesen 45 000 Franken sind alle Kosten für Planung, Erschliessung bis hin zum Spielplatz enthalten.» Die Initianten würden noch auf die Welt kommen.

«Wenn schon gebaut werden muss, dann so, dass es menschenwürdig und längerfristig nutzbar ist.» Denn für Marc Angst ist klar: «Entweder die Flüchtlinge bleiben, doch dann können sie keinesfalls dauerhaft so wohnen. Oder aber sie werden weiter gehen – und was passiert dann mit den Kisten?» Nachhaltig für die Zukunft bauen würde heissen, flexibel nutzbar bauen. «Natürlich kommt der Pavillon chic daher, aber wir vom Stadtlabor Baden gewichten in diesem Fall Privatsphäre und Selbstbestimmung grundsätzlich höher als das hübsche Design.» Auch Container seien improvisiert, aber immerhin stünden einer Person in guten Projekten 17 Quadratmeter zur Verfügung, und nur zwei Personen müssten sich ein Schlafzimmer teilen. «Ein Vergleich mit Zivilschutzbunkern hinkt sowieso, findet Angst. «Das ist eine Notlösung. Wenn wir aber bauen, sollte man es auch wirtschaftlich nachhaltig machen.»

Initianten: «Es ist eine Notlösung»
Cuesta und Cajöri haben zwar durchaus Verständnis für die Einwände, geben aber zu bedenken: «In unserem Pavillon hat man zwar nicht wahnsinnig viel Privatsphäre, aber die Situation ist immer noch viel besser als in vielen Containerwohnungen geschweige denn Zivilschutzanlagen.» Aber natürlich sei auch ihr Pavillon als Notlösung gedacht.

«Darin soll man nicht mehrere Jahre wohnen, aber er soll in einer Notsituation ein würdiges Zuhause bieten», so Cuesta. Auch ihr Ziel sei es, dass der Pavillon, wenn er nicht mehr als Notunterkunft gebraucht wird, weiterverwendet werden könne. Cajöri: «Er kann zum Beispiel als Ferienhaus genutzt werden; auch ist denkbar, ihn zum Beispiel dem UNO-Flüchtlingshilfswerk zu spenden, das ihn dann vor Ort als Flüchtlingsunterkunft einsetzen könnte.»