Spreitenbach
Für Josef Bütler und Guido Weber steht das Limmattal im Vordergrund

Mit rund 11000 Einwohnern ist Spreitenbach nach Wettingen und Baden die drittgrösste Gemeinde des Bezirks Baden. Nach über drei Jahren ohne Vertreter im Kantonsparlament hat die Gemeinde nun wieder zwei Grossräte.

Dieter Minder
Drucken
Teilen
Die Spreitenbacher Grossräte Guido Weber (links) und Josef Bütler auf der Grenze zwischen Landwirtschaft und Shoppingzone.Chris Iseli

Die Spreitenbacher Grossräte Guido Weber (links) und Josef Bütler auf der Grenze zwischen Landwirtschaft und Shoppingzone.Chris Iseli

Beide sind nachgerutscht, Josef Bütler (FDP) für Maja Wanner aus Würenlos und Guido Weber (CVP) für Nicole Meier Doka aus Baden.

Herr Bütler, Herr Weber, an der Gemeindeversammlung hat Gemeindeammann Valentin Schmid Sie als neue Grossräte begrüsst und der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass sich die Doppelvertretung positiv für Spreitenbach und das Limmattal auswirken wird. Fühlen Sie sich als Grossrat eher dem Kanton oder ihrer Wohngemeinde oder Wohnregion verpflichtet?

Guido Weber: Ich fühle mich mehr der Region verpflichtet, denn ich komme aus der Region und im Parlament bekennt sich jeder zu seinen Wurzeln.

Josef Bütler: Als Grossrat bin ich primär Vertreter der Region. Das Vertrauen habe ich von den Wählerinnen und Wähler des Bezirks erhalten.

Was verstehen Sie unter der Region?

Weber: Unsere Region ist das Limmattal, die Verbindungen über den Heitersberg sind geringer, obwohl das Reusstal auch zum Bezirk gehört. Selbst meine Beziehungen nach Dietikon sind stärker.

Bütler: Das hängt auch vom Thema ab. Im Gesundheitswesen ist klar, dass ich mich für das Kantonsspital Baden, also auch die Interessen der Bevölkerung ausserhalb der Bezirksgrenzen, einsetze. Im Herzen bin ich Spreitenbacher, als Grossrat muss ich aber weit darüber hinaus also für den Kanton denken. Wichtig ist die Sache, für die ich mich einsetze.

Weber: Wir dürfen uns nicht zu sehr eingrenzen. Das gilt auch auf kommunaler Ebene, als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission Spreitenbach musste ich mich mit einem Beitrag ans Tägi Wettingen befassen. Hier stellt sich die Frage, wie weit wir uns an den zentralörtlichen Kosten von Baden und Wettingen beteiligen müssen. Im Grossen Rat wird immer wieder darüber diskutiert, was die Landgemeinden den Städten bezahlen sollen.

Bütler: Die meisten Probleme enden nicht an einer Regions-, Bezirks- oder Kantonsgrenze. Auch die Menschen bewegen sich, ohne auf diese Grenzen zu achten. Mir hilft dabei die Exekutiverfahrung sehr, als Gemeindeammann habe ich gelernt, über die Grenzen hinaus zu diskutieren. Deshalb habe ich neben besten Beziehungen zu Baden auch gute Kontakte zu den Gemeinden im Zürcher Limmattal.

Können Sie im Grossen Rat für die Gemeinden politisieren?

Weber: Wenn der Regierungsrat dem Parlament eine Vorlage unterbreitet, ist sie eher kantonsfreundlich. Das Parlament macht sie dann gemeindefreundlicher. Dabei kann ich mein Wissen über die Gemeindepolitik einbringen.

Bütler: Im Grossen Rat sitzen viele Exekutivvertreter von Gemeinden. Dieser Input ist sehr wertvoll, denn jede Gemeinde wird schliesslich mit den Folgen verschiedener Beschlüsse im Kantonsparlament konfrontiert. Hier gilt es, eine massvolle Verteilung der Lasten anzustreben. Wir alle sind Steuerzahler in den Gemeinden wie auch im Kanton.

Soll ein Grossrat Kontakt zu den Behörden seiner Wohngemeinde pflegen?

Bütler: Ja, ich habe von meinem früheren Amt noch enge Beziehungen zu den Behörden und zur Verwaltung. Das gilt besonders für die persönlichen Kontakte. Die Politik funktioniert mit Menschen und nicht mit Maschinen.

Weber: Meinen Bezug zur Gemeindepolitik habe ich durch die Geschäftsprüfungskommission. Ich habe den Behörden angeboten, dass sie kommen sollen, wenn sie einen Botschafter beim Kanton brauchen.

Sind sie eher Ihrer Fraktion oder ihrer Region verpflichtet?

Weber: Das Kantonsspital braucht die politische Unterstützung aller Grossräte der Region, auch die der anderen Parteien.

Bütler: Ein Beispiel ist der zweite Halbanschluss in Spreitenbach, aus Richtung Zürich. Es hat immer geheissen, er komme in den Richtplan und dann hat ihn die Kommission doch wieder gestrichen. Es hat die Zusammenarbeit von Grossräten über die Parteigrenzen hinaus gebraucht, um das zu korrigieren.

Das heisst, für wichtige Geschäfte müssen Parlamentsmitglieder über die Parteigrenzen hinaus mobilisiert werden?

Weber: Ja, ein Beispiel ist die Limmattalbahn. Es war nicht von Anfang an klar, dass der Grosse Rat den Richtplaneintrag und den Planungskredit gutheissen wird. Auch hier waren alle Grossräte der Region gefragt.

Bütler: Die Limmattalbahn ist etwas sehr notwendiges für das Limmattal. Sie darf aber nicht in Killwangen enden, sondern muss bis Baden weitergeführt werden. Auch dafür braucht es alle Grossräte der Region. Unsere Aufgabe muss darin bestehen die weiter weg wohnenden Grossräte aller Fraktionen, zum Beispiel aus dem Bezirk Zofingen oder dem Fricktal, von der Notwendigkeit der Limmattalbahn zu überzeugen.

Der Siedlungsdruck auf das Limmattal ist sehr gross, was heisst das?

Weber: Die Frage stellt sich, wo die Grenze der Entwicklung ist. Ich nehme an, dass Spreitenbach weitgehend gebaut ist, neues Bauland könnenwirnichteinzonen.

Bütler: Um mehr Leute aufzunehmen, müssen wird dort verdichten, wo schon eine gute Infrastruktur vorhanden ist, das gilt für das Limmattal. So wäre es nicht sinnvoll, auf der anderen Seite des Heitersbergs Hochhäuser aufzustellen. Auf jeden Fall müssen wir mit der Natur sorgsam umgehen, als ein gutes Beispiel ist der Agglomerationspark Limmattal vorgesehen.

Sehen Sie eine Konkurrenz zwischen Agglomerationspark und Landwirtschaft?

Weber: Für mich tönt das Wort Park immer nach Land, das den Landwirten für die Bewirtschaftung fehlt. Wir Landwirte sehen uns in erster Linie als Produzenten von hochwertigen und nachhaltig produzierten Nahrungsmitteln. Als Nebeneffekt sind wird Landschaftspfleger, wir betreuen das Naherholungsgebiet, wie man jedes Wochenende an den vielen Spaziergängernsehenkann.

Bütler: Die Landwirtschaftszone ist ebenso wichtig wie die Industriezone. Wir dürfen sie auf keinen Fall ausser Acht lassen. Der Landwirt ist auf gutes Land angewiesen, um wirtschaften zu können. Auch als Grundlage für die weiteren Generationen.

Herr Weber, hat die Landwirtschaft noch Platz im Limmattal?

Weber: Ich denke schon. Mit dem Heitersberg sind wir neun Landwirte in Spreitenbach. Einige haben mit der Direktvermarktung auf die Bevölkerungszunahme reagiert. So bieten wir auch Kirschen zum Selberpflücken an.

Wie sind Ihre Beziehungen in den Bezirk Dietikon?

Weber: Bessere Beziehungen wären sicher noch nötig. Ich kenne einige Bauern aus dem Limmattal, weil wir die Zuckerrüben gemeinsam auf die Bahn verladen.

Bütler: Ich kenne einige Politiker, weil ich als Gemeindeammann in den Projekten Metropolitanraum, Agglomerationspark Limmattal und Vorwärts Limmattal mitgewirkt habe. Zudem hatte ich als Vertreter von Spreitenbach Einsitz im ZPL (Zürcher Planungsverband Limmattal) und den Stadt- und Gemeindepräsidenten des Bezirks Dietikon.

Herr Bütler, Sie kennen die Exekutiv- und als Grossrat die Legislativarbeit, wo ist der Unterschied?

Bütler: Wenn ich als Gemeindeammann etwas gesagt habe, hatte es mehr Einfluss. Aber ich musste auch die Verantwortung für meine Aussagen übernehmen. Dagegen wird im Parlament immer wieder betont, dass die Regierung machen muss, was das Parlament beschliesst. Im Grossen Rat wird auch viel mehr parteipolitisch argumentiert als an einer Gemeindeversammlung. Der Exekutivpolitiker in der Gemeinde muss in seinen Aussagen und dem Handeln stehts an die Umsetzung oder Lösungen denken.

Sie beide sind Nachfolger von Frauen, hat das eine Bedeutung für Sie?

Bütler: Für mich ist das nicht relevant, ich vertrete alle Wählerinnen und Wähler. Meine Vorgängerin war besonders in der Bildungspolitik aktiv, ich bringe anderes Wissen mit.

Weber: Ich bin eher der Vertreter des Landes als meine Vorgängerin, die in Baden wohnt.

Aktuelle Nachrichten