Baden
«Für mich ist Glaube auch ein Lifestyle» – Weindegustation in der Kirche

Die Reformierte Kirche in Baden hat zu Weindegustation und Orgelmusik eingeladen.

Patrick Hersiczky
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Weingottesdienst Reformierte Kirche Baden
15 Bilder
Weinhändler Corti, Pfarrerin Huppenbauer, Organist Jäggi (von links nach rechts).
Weinhändler Corti beim Einschenken.
Pfarrerin Christina Hupperbauer.
Prüfender Blick auf die Weinliste.
Weindegustation in der Kirche.
Pfarrerin Christina Huppenbauer.
Farbe des Weines ebenso entscheidend wie der Geschmack selbst.
Weinhändler Corti als Gastgeber.
Notenblatt für die Orgelmusik.
Gemütliches Beisammensein bei Wein und Orgelmusik.
Es ist angerichtet.
Farbe ist ein Kriterium bei der Weindegustation.
Gute Stimmung unter den Besuchern.
Auch im Einsatz. Ana Voellmin, Co-Präsidentin Kirchgemeindekommission Baden-Ennetbaden.

Weingottesdienst Reformierte Kirche Baden

Patrick Hersiczky

Wer die reformierte Kirche an vergangenen Freitagabend betrat, erinnerte sich unwillkürlich an eine Szene beim Abendmahl: Zwei lange Tische waren festlich gedeckt; darauf Weingläser, die wie Kelche wirkten – und natürlich Brot. Pfarrerin Christina Huppenbauer und Weinhändler Daniel Cortellini, kurz Corti, haben zu Orgelmusik und Weindegustation eingeladen.

Für Pfarrerin Huppenbauer, die immer wieder solche Events in der Kirche organisiert, ist Glaube nämlich mehr als nur der sonntägliche Kirchgang: «Die Menschen sollen die Kirche nicht nur von Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen kennen. Für mich ist Glaube auch Lifestyle». Das heisst, dass die Leute ihre Religiosität auch durch solche gemeinschaftlichen Anlässe erfahren sollen.

Weinseminar und Musikvortrag

Die rund 40 Besucher degustierten jeweils einen Wein blind und hörten dazu ein klassisches Orgelstück. Weinhändler Corti wählte den Wein aus, während Organist Thomas Jäggi ein dazu passendes Musikstück spielte. So hörten die Leute etwa eine Orgelsonate von Carl Philipp Emanuel Bach und mussten dann herausfinden, welchen Wein Corti zur Degustation eingeschenkt hat. Corti, der sich spasseshalber zuerst als Ersatz-Pfarrer vorstellte, konnte mit seinem Wissen und Humor aus dem Vollen schöpfen: «Nachdem man die Farbe des Weines betrachtet hat, riecht man den Wein und lässt diesen dann fünf Sekunden im Mund schmecken und prüft so den Abgang.» Ein Besucher meinte darauf, dass dies nicht nur die Sinnesorgane schärfe, sondern fast etwas meditierend sei. Für Pfarrerin Huppenbauer war dies das Transzendentale, bei man gemeinschaftlich Glauben erlebt. Oder eben ein Lifestyle.

So war dieser Abend eine schöne Mischung zwischen Weinseminar und Musikvortrag. Man hat über Wein und Musik gefachsimpelt, aber auch mal nur freundlich die Gläser klingen lassen. Dazwischen hat Pfarrerin Huppenbauer aber immer wieder Bibelstellen zitiert. Dies aber nicht farblos und oberflächlich wie ein billiger Weisswein, sondern rubinrot und nachdenklich wie ein guter Rotwein und langanhaltend im Abgang.

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