Wettingen
Für sie ist es stets das lange Warten, bis wieder «Samschtig» ist

Der «Samschtig-Club» ermöglicht Menschen mit einer Beeinträchtigung einen Ausgleich zum Alltag.

Joel Kälin
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Samstig-Club im arwo Wohnheim Wettingen
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Samstig-Club im arwo Wohnheim Wettingen
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Samstig-Club im arwo Wohnheim Wettingen
Samstig-Club im arwo Wohnheim Wettingen
Samstig-Club im arwo Wohnheim Wettingen
Samstig-Club im arwo Wohnheim Wettingen

Samstig-Club im arwo Wohnheim Wettingen

Es ist Samstagnachmittag, 13.30 Uhr. Vor dem Wohnheim der Arwo-Stiftung in Wettingen warten die Mitglieder des «Samschtig-Clubs» bereits ungeduldig und voller Vorfreude. Jeden zweiten Samstag treffen sich die 40 Frauen und Männer, die eine geistige und teilweise auch eine körperliche Beeinträchtigung haben, um miteinander zu basteln, zu spielen oder wie an diesem Nachmittag Weihnachtsguetzli zu backen.

Der «Samschtig-Club» ist ein Freizeitangebot der Non-Profit-Organisation Insieme Region Baden-Wettingen. Dabei übernehmen Privatpersonen, etwa sechs an der Zahl, die Betreuung. Sie stellen das abwechslungsreiche Programm auf die Beine und nehmen dabei auch die Wünsche der Club-Mitglieder auf.

Eingeschränkt im Alltag

Ursula Steiner, die Leiterin der Geschäftsstelle von Insieme Region Baden-Wettingen, ist sehr froh über das Engagement: «Menschen mit Behinderung sind im Alltag sehr eingeschränkt – so auch in der Freizeit», sagt sie und fügt an: Als Ausgleich sei der «Samschtig-Club» sehr wichtig.

Die Guetzli, die die Club-Mitglieder an diesem Samstag backen, sollen ganz besonders schön werden. Deshalb stehen auch Zuckerglasuren und Streusel bereit und für Anregungen und Hilfe die Betreuungspersonen. Beim Verzieren sind den Mitgliedern keine Grenzen gesetzt. Man unterhält sich, erlaubt sich Spässe und lacht zusammen und natürlich darf auch die Zeit für das Zvieri nicht fehlen. «Das Programm soll abwechslungsreich sein, damit sich niemand langweilen muss», sagt Steiner.

Draussen beginnt es einzudunkeln. Wie der Tag neigt sich auch der Treff dem Ende zu und die Ersten brechen langsam auf. Draussen warten bereits die Eltern und die Betreuer. Voller Stolz werden die selbst gemachten Guetzli präsentiert – falls sie nicht schon dem Eigenverzehr zum Opfer fielen.

«Man merkt, wie sehr die Menschen den «Samschtig-Club» schätzen. Es kommt häufig vor, dass man zum Abschied noch gedrückt wird», sagt Betreuerin Caroline Seeholzer, die als Primarschullehrerin unterrichtet. «Die Teilnehmer sind jedes Mal enorm dankbar», sagt sie.

«Die Vorbereitungen benötigen sehr viel Zeit und Hingabe», sagt die 42-Jährige, die bereits mit 18 beim Klub anfing. Schon früh nahm sie die eigenen Kinder mit. Fabian (17) und Rahel (15) engagieren sich noch heute: Fabian legt immer wieder als DJ auf – speziell für die jüngeren Mitglieder – während Rahel mit einer Freundin einmal im Jahr den Damen die Fingernägel lackiert und die Haare frisiert. «Auch viele Männer machen dabei mit», lacht sie. Sie erhalte zwar eine kleine Entschädigung von der IV, doch des Geldes wegen, mache sie das nicht. Es sei einfach sehr schön, mit den Menschen zusammenzuarbeiten.

Finanziert wird der Treff von Spendengeldern, der IV und den Mitgliederbeiträgen, die jährlich 150 Franken betragen. Viele kommen schon seit Jahren vorbei. Die Älteste ist die 66-jährige Gabi. Das jüngste Mitglied ist 20 Jahre alt.

Zwar bietet Insieme Region Baden-Wettingen auch den Senioren- und den Jugendtreff an, doch für beide kommt allein der «Samschtig-Club» infrage.