Die Bauunternehmen Granella aus Würenlingen und Umbricht aus Turgi schliessen sich zusammen – diese Meldung hat Anfang Dezember in der Baubranche für Furore gesorgt. Die Familienunternehmen werden gleichberechtigte Partner der neuen Firma «Aarvia», die mit rund 350 Mitarbeitern zu einem der grössten Strassen- und Tiefbauunternehmen im Kanton wird. Erstaunlich: Die Verantwortlichen schafften es, ihre Pläne bis zur Verkündung geheim zu halten. «Darum hat der Zusammenschluss in der Branche schon für einige Überraschung gesorgt», sagen Enzo Granella und Roger Umbricht. Die beiden Unternehmer erzählen, wie die Fusion zustande kam:

Erste Kontakte

Die Umbrichts haben die Granellas im Frühling 2016 mit der Idee kontaktiert, mittels eines gemeinsamen Logistik-Unternehmens alle Transport- und Materialdienstleitungen für beide Baugeschäfte zu erbringen. «Bei den Diskussionen wurde schnell klar, dass die Vorstellungen beider Familien bezüglich Unternehmensentwicklung und Marktbearbeitung sehr ähnlich waren. Dabei wurde die Idee des Zusammenschlusses geboren.» Im August folgten intensive Fusionsgespräche zwischen den Familien.

Verhandlungen im Geheimen

Um ungestört arbeiten zu können und um Gerüchte zu verhindern, mieteten die Verhandlungspartner im Industrie-Areal Oederlin in Obersiggenthal ein Büro.

Gründe für den Zusammenschluss

Beide Unternehmen würden aufgrund ihrer Grösse vor der gleichen Situation stehen, sagen Enzo Granella und Roger Umbricht: «Wir sind zu klein für Grosses und zu gross für Kleines. Mit der Fusion erhoffen wir uns Wettbewerbsvorteile: Wir können die Maschinen intensiver nutzen, zu tieferen Preisen einkaufen und werden weniger Arbeiten an Subunternehmen abtreten müssen.» Aarvia werde auch grosse Bauprojekte alleine ausführen und das Know-how der beiden Firmen zusammenführen können.» Schon vor dem Zusammenschluss gehörten Granella und Umbricht zu den grösseren Strassenbauunternehmen im Kanton. «Mit rund 350 Mitarbeitenden wird Aarvia durchaus auch über die Kantonsgrenzen hinaus tätig sein können.»

Emotionen

Jahrelang waren die beiden Firmen Konkurrenten – brauchte es viel Überwindung, sich für Verhandlungen an einen Tisch zu setzen? «Einfach ist ein solcher Schritt sicher nicht. Es sind emotionale Barrieren, die überwunden werden müssen.» Die stufenweise Ausweitung der Gespräche vom eher kleinen Logistik-Projekt zum umfassenden Zusammenschluss habe die beiden Familien aber zusammengeschweisst, betonen Enzo Granella und Roger Umbricht.

Schwieriger Entscheid

Die Firma Granella hätte 2018 ihr 100-Jahr-Jubiläum feiern können, Umbricht wäre ein Jahr später 50 Jahre alt geworden. Dass nun der eigene Name im Strassen- und Tiefbau verschwindet, schmerze schon ein wenig. «Aus emotionaler Sicht ist keinem der Familienmitglieder der Entscheid einfach gefallen.» Die Zusammenführung bringe jedoch beide Unternehmen einen entscheidenden Schritt vorwärts, den jeder für sich allein kaum geschafft hätte.

Reaktionen der Mitarbeiter

«Wichtig ist für die Angestellten, dass kein Stellenabbau stattfindet. Auch wenn gerade bei langjährigen Mitarbeitern in beiden Betrieben verständlicherweise Emotionen mitspielen, sehen alle die Vorteile von Aarvia.» Die Traditionen und Werte von Umbricht und Granella würden in der neuen Firma weitergeführt, da beide Familien auch in Zukunft im Unternehmen aktiv tätig sein werden. Am Dienstag versammelten sich die Mitarbeiter der beiden Firmen erstmals gemeinsam unter einem Dach, das Treffen fand in Würenlingen statt.

Zwei Standorte

Aarvia wird ab 2017 operativ tätig sein. Beide bisherigen Standorte werden weitergeführt. Die Aarvia Bau AG wird in Würenlingen zu Hause sein, die Aarvia Logistik und Aarvia Baustoff AG in Untersiggenthal.