Wettingen
Fusion spaltet Wettinger Parteien

Die Gemeinde Wettingen müsse an Gesprächen zur Regionalstadt teilnehmen, fordert SP-Einwohnerrat Alain Burger. Eine sinnvolle oder unnötige Forderung?

Dieter Minder und Martin Rupf
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Die Panorama-Aufnahme vom az-Hochhaus aus zeigt, wie nahe beieinander die Gemeinden bereits heute liegen.

Die Panorama-Aufnahme vom az-Hochhaus aus zeigt, wie nahe beieinander die Gemeinden bereits heute liegen.

Alex Spichale

Fusionsgespräche mit Nachbargemeinden figurieren auf der politischen Traktandenliste der Wettinger Ortsparteien an unterschiedlicher Stelle. Dies zeigt die Umfrage der az zur Motion von SP-Einwohnerrat Alain Burger. Mit dieser verlangt er vom Gemeinderat, sich Fusionsgesprächen zu beteiligen (az 27. Juni).
2013 war Wettigrüen mit dem Slogan «Fügt zusammen, was zusammengehört», in den Einwohnerratswahlkampf gestiegen.

Das Echo war jedoch gering. Leo Scherer ist deshalb stolz, dass die Idee wieder aufgenommen wird. «Von mir aus können wir so schnell wie möglich fusionieren», sagt er und betont, dass es nicht um einen Anschluss an die Stadt Baden gehe: «Die Gemeinden sollen gleichberechtigt zusammenfinden. Es braucht kein Alphatier.»

Marco Kaufmann vom Forum 5430 fordert: «Die Gemeinde Wettingen muss sich an der neu lancierten Diskussion beteiligen.» Deshalb unterstütze die Partei den Vorstoss von Alain Burger. Alle Gespräche müssten unabhängig von den späteren Beschlüssen erfolgen. «An der aktuellen Diskussion sollte sich Wettingen beteiligen», sagt Christian Oberholzer, Mitglied des SP-Präsidiums. Die grösste Gemeinde verfüge über vielfältige Erfahrungen mit Kooperationen. «Sobald die Resultate der Gespräche vorliegen, können wir uns konkrete Meinungen bilden und werden über das weitere Vorgehen diskutieren.»

Familienzentrum als Beispiel

«Die CVP sieht keinen Grund, etwas an der aktuellen Strategie zu ändern», sagt deren Einwohnerrat Reto Huber. Die Partei setze ganz auf die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden. Als neuestes Beispiel erwähnt er das Familienzentrum Karussell. Huber erwartet, dass das Thema intensiv diskutiert wird, sobald die Motion Burger dem Einwohnerrat vorgelegt werde.

«Wir wollen den erfolgreichen Weg der Zusammenarbeit weiter gehen», sagt FDP-Präsidentin Yvonne Vogel. Hier sei noch sehr viel Ausbaupotenzial vorhanden. Eine Fusion habe für die Partei keine Priorität. «Für die BDP sind Fusionen momentan kein Thema», sagt deren einziger Wettinger Einwohnerrat Michael Merkli. Für Hanna Läng von der EVP hat Burger einen «sinnvollen» Vorstoss eingereicht: «Es ist wichtig, dass die Bevölkerung bereits jetzt mitreden kann.»

Die SVP habe sich noch keine Gedanken zum Vorstoss gemacht, teilt Vizepräsident Tobias Mittner mit: «Deshalb kann nicht nichts dazu sagen.»
Gemeindeammann Markus Dieth sagt auf Anfrage der az: «Der Gemeinderat wird den Vorstoss von Alain Burger offen beurteilen.» Zu welchem Schluss er dabei kommen werde, lässt Dieth aber offen. Wettingen sei nicht Fusionstreiber: «Die Frage stellt sich eher für Gemeinden unter 3000 Einwohner oder solche, die ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen können.» Der Gemeinderat Wettingen setze auf Zusammenarbeit.

Als Beispiele erwähnt er die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal und den Zivilschutz. Beide sind Bestandteil der Kooperationen mit den Nachbargemeinden Bergdietikon, Killwangen, Neuenhof und Würenlos.

Der Badener Stadtammann Geri Müller, der als Erster von einer möglichen Zentrumsstadt sprach, zeigt sich erfreut über die jüngste Entwicklung: «Es ist gut, wenn Bewegung in die Diskussion kommt.» Gleichzeitig betont er, dass ihm der Begriff «Grossbaden» gar nicht gefalle. «Denn es geht nicht darum, dass Baden andere Gemeinden einverleibt; vielmehr hat ein Zusammenschluss nur Erfolg, wenn alle am gleichen Strick ziehen – auch Wettingen.»