Er wird Fusionsturbo genannt: Renato Sinelli, ehemaliger Gemeindeammann von Ehrendingen, hat zwei Feuerwehren fusioniert, 2006 Unter- und Oberehrendingen zusammengeschlossen und darüber hinaus in einer Firma gearbeitet, die auch fusioniert hat. Zum Thema Fusionen hält er regelmässig Vorträge. Die Diskussionen um eine Grossstadt Baden (siehe Box) wollte er erst nicht kommentieren – liess sich jetzt aber doch noch zu einem kurzen Interview überreden.

«Die Bevölkerung muss spüren, dass Politiker und Verwaltung zu hundert Prozent hinter einer Fusion stehen.»

«Die Bevölkerung muss spüren, dass Politiker und Verwaltung zu hundert Prozent hinter einer Fusion stehen.»

Renato Sinelli, Sie tragen den Übernamen Fusionsturbo. Erklären Sie uns bitte, was es braucht, damit eine Fusion zustande kommt.

Sinelli : Schwierige Frage, das kann man nicht in ein paar Sätzen sagen. Es gibt kein Grundrezept. Wichtig ist, dass die Bevölkerung spürt: Die Politiker und die Verwaltung stehen zu hundert Prozent hinter dieser Idee, sind voll für eine Fusion. Man muss diesen Willen spüren.

Das war in Ennetbaden nicht der Fall: Die Gemeinderäte haben sich weder für noch gegen eine Fusion mit Baden ausgesprochen – und sich an der Gemeindeversammlung gar der Stimme enthalten. Ein Fehler?

Es ist nicht an mir, dies zu beurteilen.

Warum ist von Politikern in Fusionsfragen häufig Zurückhaltung zu spüren?

Weil sie wiedergewählt werden möchten und niemanden vor den Kopf stossen wollen.

Fusionen scheitern häufig an der Urne – weshalb?

Häufig kommt in der reicheren Gemeinde das Gefühl auf, sie müsse nach einer Fusion den ärmeren Partner finanzieren. Das war im Falle von Baden und Neuenhof im Jahr 2010 der Fall. Dabei wäre es doch besser, wenn das Geld im Ostaargau bleiben würde, anstatt im Finanzausgleich zu landen. Damals kam hinzu, dass wenige Gegner es schafften, Ängste zu schüren, zum Beispiel vor einem steigenden Ausländeranteil. Dabei blendeten viele aus, dass die jungen Neuenhofer mit ausländischem Pass nach einer Fusion nicht öfter und nicht seltener in Baden anzutreffen wären.

Würde eine Fusion zwischen Ennetbaden, Neuenhof und Baden heute denn Sinn machen?

Auf alle Fälle. Kleine Strukturen, wie sie derzeit herrschen, haben meiner Meinung nach langfristig keine Perspektiven mehr. Die Gemeinden sind bereits heute derart vernetzt und bilden einen einzigen Lebensraum. Vor dem Computerzeitalter habe ich oft den Spruch gemacht, dass die Leute häufiger im Gemeindehaus anzutreffen sind als in der Beiz. Mit dem Internet hat sich dies geändert. Es braucht jetzt zwar noch alle Mitarbeiter, aber nicht mehr überall ein Gemeindehaus.

Was halten Sie von der Idee einer Regionalstadt, mit allen um Baden liegenden Gemeinden?

Diese Idee sollte man unbedingt genau anschauen. Ich würde mir wünschen, dass eine solche Regionalstadt irgendwann Realität wird. Erstaunt bin ich, dass bisher weder aus Ennetbaden noch Baden von offizieller Seite Signale in diese Richtung zu hören waren. Ich hoffe, das ändert bald. Ich bin aber sicher, dass diese Diskussionen wieder aufgenommen werden.