Region Baden

Fusionsverein-Präsident zur 95'000-Einwohner-Modellstadt: «Es ist gut, so gross zu denken»

Marco Kaufmann, Präsident «Traktandum 1».

Marco Kaufmann, Präsident «Traktandum 1».

Der Verein «Traktandum 1» sieht grosses Potenzial in Gemeindefusionen im Raum Baden-Wettingen – Präsident Marco Kaufmann freut sich dementsprechend über das neue Projekt Modellstadt. Eine Fusion mit allen beteiligten Gemeinden ist für ihn aber nicht zwingend.

Prominente SVP-Exponenten aus dem Bezirk Baden haben sich kritisch bis zurückhaltend zum Projekt Modellstadt geäussert. Sie befürworten zwar, dass Gemeinden eine vertiefte Zusammenarbeit prüfen wollen. Zum Thema Gemeindefusionen äusserten sie sich aber ablehnend. «Ich sehe auch langfristig keinen Grund für eine Fusion», sagte Roger Fessler, SVP-Grossrat und Gemeinderat aus Mellingen.

«Wir stehen möglichen Fusionen kritisch gegenüber. Für Wettingen ist das aktuell kein Thema», sagte Michaela Huser, SVP-­Fraktionschefin im Wettinger Einwohnerrat und Grossrätin. 13 Gemeinden beteiligen sich aktuell am Projekt Modellstadt. Die Abklärungen sollen ergebnisoffen vorgenommen werden, bis hin zu einer möglichen Gemeindefusion. 

Ganz anders fällt die Reaktion im Verein «Traktandum 1» aus. «Solch eine vertiefte Prüfung hat es noch nicht gegeben, also dass man Vor- und Nachteile einer vertieften Zusammenarbeit bis hin zu einem Zusammenschluss genau auflistet und abklärt, welche Synergien man nutzen kann», sagt Präsident Marco Kaufmann.

Fusion mit 13 Gemeinden nicht das Ziel

Der Verein besteht seit über fünf Jahren. Was die Mitglieder anstreben, haben sie bei der Gründung in den Statuten klar formuliert: «Längerfristiges Ziel ist die Bildung einer Regionalstadt über Gemeindezusammenschlüsse.» Das Projekt Modellstadt bezeichnet Kaufmann deshalb als «eine erfreuliche Entwicklung». Und: «Das ist ganz in unserem Sinn.»

Kaufmann wählt das Wort Zusammenschluss nicht von ungefähr. «Interessant finde ich, dass das Wort Fusion nicht gern ins Wort genommen wird. Es ist negativ vorbelastet. Ich würde eher von einem Zusammenschluss sprechen», begründet er seine Wortwahl. 

Würden alle 13 am Projekt beteiligten Gemeinden fusionieren, könnte eine 95'000-Einwohner-Stadt entstehen. Wäre das für ihn der Idealfall? «Das muss nicht sein», antwortet Kaufmann. «Man muss auch geografische Komponenten anschauen, zumal mit Mägenwil, Mellingen, Oberrohrdorf und Ehrendingen Gemeinden mit dabei sind, die nicht direkte Nachbarn von Baden sind.»

Überzeugt von Mehrwert durch Zusammenschlüsse

Zwar habe man beim Verein «Traktandum 1» angedacht, dass sich Baden und Nachbargemeinden wie Wettingen, Obersiggenthal oder Neuenhof zusammenschliessen. Wer sich in diesen Orten bewege, nehme keine Gemeindegrenzen wahr. «Aber ich denke, es ist gut, gross zu denken.»

Die Abklärungen sollen ergebnisoffen geführt werden. Rechnet Kaufmann auch damit, dass es keine Fusionen geben könnte? «Wenn man aufzeigen kann, dass es für niemanden einen Mehrwert gibt, dann müsste man das auch akzeptieren. Wir sind aber der Meinung, dass es einen Mehrwert gibt», antwortet er.

Auf diesen angesprochen, nennt er die Raumplanung und Siedlungsentwicklung, auch den Verkehr, sowohl den Individual- wie auch den öffentlichen Verkehr. «Da sehe ich ein grosses Potenzial, wenn man über die Gemeindegrenzen hinaus denkt und plant.» Eine grössere Gemeinde hätte auch mehr Gewicht, etwa was den Fahrplan der SBB angeht. Und: «Die Region würde als Wirtschaftsstandort mehr Gewicht erhalten», ist sich Kaufmann sicher.

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