Obersiggenthal

Fussball verändert ein Dorf in Kenia: Entwicklungshilfe einmal anders

November 2013: Philipp Merwar (4. von links) mit der Kochmannschaft, die für 500 Personen Pilau kochte, das traditionelle Reisgericht mit Fleisch.

November 2013: Philipp Merwar (4. von links) mit der Kochmannschaft, die für 500 Personen Pilau kochte, das traditionelle Reisgericht mit Fleisch.

Ein Verein aus der Region unterstützt ein Dorf in Kenia und will Bildungs- und Ernährungsproblemen entgegenwirken. Unter anderem fördern sie die Akzeptanz von Frauenfussball in der muslimisch geprägten Region.

Fussball als Entwicklungshilfe – das ist das Rezept von jungen Menschen aus der Region Baden. Mit ihrem 2011 gegründeten Verein Kusalimika (Überleben) unterstützen sie das Dorf Tangulia, das sich an der Südküste Kenias befindet. Vizepräsident Philipp Merwar erklärt das Konzept: «Wir sorgen dafür, dass die Kinder die Schule besuchen und sich ausgewogen ernähren können.

Unsere Unterstützung knüpfen wir an die Bedingung, dass alle mithelfen und auch die Frauen Fussball spielen dürfen.» Der Fussballplatz sei oft der Mittelpunkt des sozialen Lebens. Wenn sich alle daran beteiligen, könne sich das Dorf als Ganzes weiterentwickeln.

Das Konzept hat sich bewährt: Die Gesundheit der Dorfbewohner hat sich verbessert und in verschiedenen Bereichen hat ein Umdenken stattgefunden: «Die Eltern sehen nun ein, dass Bildung wichtig ist», sagt Merwar. Und 2013 wurde die Frauenmannschaft ins Leben gerufen – die erste in der muslimisch geprägten Region, wie Merwar betont. «Am Anfang war das Dorf dagegen, heute hat sich der Gedanke der Gleichberechtigung durchgesetzt.»

Und seit die Frauen aktiv nach Gegnerinnen suchen würden, seien sogar zwei oder drei weitere Frauenmannschaften in der Region entstanden.

Noch fehlt den Dorfbewohnern ein eigener Fussballplatz. Der Verein möchte den Platz kaufen, auf dem seit längerem gespielt wird, und ein richtiges Fussballfeld anlegen. 40 000 Euro müsste man dafür hinblättern – vor zwei Jahren wäre es noch die Hälfte gewesen. «Die Bodenpreise steigen stark an», sagt Merwar.

Einerseits sei das Dorf neu in Strandgebiet umgezont worden, andererseits möchte der Staat in dieser Region eine Tourismushochburg errichten. «Zurzeit verhandeln wir mit der Besitzerin. Wir möchten das Land längerfristig mieten, bis wir genug Geld haben, um es ihr abzukaufen.» Dies möchte der Verein über die Mitgliederbeiträge und das jährliche Benefizkonzert erreichen, aber auch mit dem Spaghettiplausch oder Ständen an den Weihnachtsmärkten.

Neben dem Kauf des Fussballplatzes hat sich der Verein auch vorgenommen, den Erwachsenen Weiterbildung zu ermöglichen. Zudem soll ein Landwirtschaftsprogramm die Kosten für das Mittagessen der Schüler senken. «Wir möchten die Eltern verpflichten, das Mittagessen ihrer Kinder selbst zu produzieren.» Merwar betont: «Meine Einstellung ist, dass es nichts gibt, ohne selber mitzuhelfen.»

Mit 9 Jahren das erste Mal in Kenia

Seine Leidenschaft für Kenia entdeckte Merwar schon als 9-Jähriger auf Reisen mit seinen Eltern. Weitere Aufenthalte in Kenia folgten – so lebte Merwar einige Monate im Dorf Tangulia. Seit der Gründung des Vereins 2011 reist er drei Mal im Jahr für sechs Wochen nach Kenia. «Ich habe ein 80-Prozent-Pensum. Wenn ich in der Schweiz bin, kann ich vor- und nacharbeiten. Zum Glück ist mein Arbeitgeber sehr kulant.»

Hier finden sie weitere Informationen zum Projekt.

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