Die hohen Baugespanne neben der Schöneggstrasse zwischen Turgi und Untersiggenthal künden keine Grossüberbauung an. Sie stellen vielmehr die Masten der Platzbeleuchtung dar, die auf der Fussballanlage in der Oberau vorgesehen ist. Das Sportplatz-Projekt bewegt die Gemüter in der Gemeinde seit nahezu 10 Jahren.

Gestaltungsplan bereits genehmigt

Der Gestaltungsplan hatte vor zwei Jahren bereits aufgelegen. Er wurde vom Regierungsrat abgesegnet und ist inzwischen rechtskräftig. «Kein abschlägiger Einwendungsentscheid zum Gestaltungsplan ist weitergezogen worden», erklärt Gemeindeammann Marlène Koller. Sie ist überzeugt, dass man zusammen mit den Vertretern des betroffenen Wohnquartiers eine gute Annäherung erzielt habe. Auch mit der Eigentümerin der direkt betroffenen Liegenschaft an der Schöneggstrasse, mit der die Verhandlungen über einen Landverkauf von 190 Quadratmetern kurz vor Abschluss stünden.

Interview mit Marlene Koller zum Fussballplatz Oberau in Untersiggenthal

Interview mit Marlene Koller zum Fussballplatz Oberau in Untersiggenthal



Ein Hauptspielfeld, ein zweites Spielfeld und zwei Trainingsfelder sind geplant; zur Strasse hin ein Parkplatz für 130 Fahrzeuge, daneben Veloabstellplätze und ein rund 55 Meter langes Gebäude mit Materialräumen, sechs Garderoben und einem Aufenthaltsraum mit Küche.

Damit ist der FC Turgi dem Ziel ein Stück näher. Präsident Patrick Sandmeier ist guten Mutes: «Es ist seit zehn Jahren mein persönliches Ziel, mit dem FC eine zeitgemässe Fussballanlage beziehen zu können.»

Widerstand nicht ganz verebbt

Die Fronten in der Oberau wurden in der Zwischenzeit zwar etwas aufgeweicht. So waren mit Carol Müller, deren Liegenschaft direkt neben dem Hauptplatz liegt, und mit Thomas Hänggli aus dem Wohnquartier oberhalb zwei Personen in der Arbeitsgruppe vertreten, die sich mit der Erarbeitung des Gestaltungsplans auseinandersetzte.

Die Anwohner könnten die Fussballanlage Oberau wegen der erwarteten starken Lärm- und Lichtimmissionen und der rein privaten Nutzung nicht befürworten, macht Hänggli klar. Sie seien nicht grundsätzlich gegen Fussballanlagen, wenn die Anwohner durch deren Immissionen nicht gestört würden. Für Hänggli ist die Platzbeleuchtung ein mögliches Problem. Darum werde er das Beleuchtungskonzept, das mit der Lärmstudie zum Baugesuch gehört, genau ansehen. Hänggli legt seinen Finger primär auf einige - aus Sicht der Anwohner - wunde Punkte im Betriebsreglement. «Der Lärm des Fussballbetriebs wird zwar kaum störend sein, vielmehr die Grossveranstaltungen, die der Fussballclub oder die Gemeinde durchführen können», sagt Hänggli. Er denkt dabei ans Oktoberfest des FC, das bis morgens um 2 Uhr grossen Festlärm mit sich bringen werde.

Die Grossveranstaltungen dürfe man nicht überbewerten, sagt Sandmeier. Da sei in erster Linie das bekannte Juniorenturnier über die Ostertage. Als einziger geselliger Grossanlass soll auch das Oktoberfest seinen Platz im Jahresprogramm haben.

Die Anlage bleibt eingezäunt

Hänggli stösst vor allem das alleinige Nutzungsrecht des FC Turgi sauer auf. «Es handelt sich doch um eine Zone für öffentliche Bauten und Anlagen», hält er fest. Er fordert darum, dass Kinder aus dem Quartier ausserhalb des Trainingsbetriebes auf einem Trainingsplatz Fussball spielen dürfen.

Betreffend öffentliche Nutzung hat Sandmeier eine andere Sicht: «Wir leisten einen grossen Beitrag und sind schliesslich für den Betrieb verantwortlich.» Auch andernorts sei ein Fussballplatz nicht einfach für jedermann zugänglich, sondern eingezäunt. «Eine Anfrage zur Benutzung würden wir jedoch sicher wohlwollend behandeln», fügt Sandmeier an.

Die Planunterlagen des Projekts sind von den Behörden der Gemeinden Gebenstorf, Untersiggenthal und Turgi unterzeichnet. Damit wollen sie klarmachen, dass es sich um ein Gemeinschaftswerk handelt, das hier auf Untersiggenthaler Gemeindeboden realisiert werden soll.

Den bestehenden Sportplatz Steig möchten Turgi und Untersiggenthal seit Jahren umnutzen. Der Gemeinde Turgi (Eigentümerin) würde eine Umnutzung mit Landverkauf mehrere Millionen Franken in die Kasse spülen. Als Standortgemeinde erhofft sich Untersiggenthal mit der Wohn- und Gewerbenutzung neue Steuerzahler, während die Immissionen des Fussballplatzes verschwinden.