In 17 Tagen wird in Birmenstorf ein neues Mitglied in den Gemeinderat gewählt. Nach dem Rücktritt von Marco Gwerder per Ende Juni wird ein Sitz im Rat frei. Gwerder war ursprünglich in der CVP. Bei der letzten Wahl im Herbst 2017 trat er als Parteiloser an, weil er auch als Gemeindeammann kandidierte, die CVP-Parteileitung aber Gwerders Ratskollegin Marianne Stänz nominiert hatte, die dann das Rennen machte.

Für Gwerders Nachfolge treten nun am 10. Juni wieder zwei parteilose Kandidaten an: Roger Meier und Martin Hofer. Meier ist in Birmenstorf aufgewachsen, Hofer wohnt seit acht Jahren im Dorf. Beide sagen von sich, sie seien gut vernetzt und das Wohlergehen der Gemeinde liege ihnen sehr am Herzen.

Hofer betreibt im Wahlkampf unter anderem eine «WählBar» bei sich zu Hause an der Gemeindehausstrasse. Er möchte «frischen Wind in den Gemeinderat» bringen, wie er sagt. Meier wird von der CVP-Ortspartei unterstützt und sagt von sich selbst: «Ich bin eine gute Mischung aus CVP, FDP und SVP.»

Deshalb sei es ihm wichtig, ebenfalls als Parteiloser anzutreten. Das Badener Tagblatt hat den beiden Kandidaten auf den Zahn gefühlt und ihnen fünf Fragen gestellt, die zwar mit einem Augenzwinkern beantwortet werden durften, aber auch durchaus ernst gemeint sind. Wählbar sind im ersten Wahlgang sämtliche Birmenstorfer Stimmberechtigten.

Der abtretende Gemeinderat Marco Gwerder ist bis Ende Juni Vorsteher des Ressorts Eigenwirtschaftsbetriebe, Soziales und Sicherheit. Sein Nachfolger dürfte dieses im Juli übernehmen. Er wäre dann zuständig für die Technischen Betriebe, das Sozialwesen, die Feuerwehr, den Zivilschutz, das Militär und die Schiessanlage.

Fünf Fragen an die Kandidaten

1. Frage: Warum sollen die Birmenstorferinnen und Birmenstorfer gerade Sie in den Gemeinderat wählen und nicht Ihren Gegner?

Martin Hofer: Ich glaube, dass ich durch meine beruflichen und privaten Lebenserfahrungen sehr gute Voraussetzungen für das Amt als Gemeinderat mitbringe. Als unabhängiger, aber politisch interessierter Einwohner möchte ich gerne meinen Beitrag zu einer offenen, innovativen und bürgernahen Politik in unserer Gemeinde leisten. Bei der aktuellen Sitzverteilung im Gemeinderat von zwei CVP, einem FDP und einer parteilosen (mit Unterstützung der CVP gewählten) Gemeinderätin, wird mit meiner Wahl der Wähleranteil der Bevölkerung im Gemeinderat ausgewogener vertreten sein.

Roger Meier: Zuerst möchte ich festhalten, dass ich stolz darauf bin, dass in unserem funktionierenden Dorf gleich zwei Kandidaten sich der Wahl stellen und eine echte Auswahl möglich ist. Dies zeugt von gutem Dorfgeist und Kultur und zeigt, dass wir hier in einer funktionierenden Gemeinde leben. In Birmenstorf aufgewachsen, bis heute immer hier wohnhaft und lebend ist mir die Gemeinde ans Herz gewachsen und ich möchte mithelfen, das «Schiff Birmenstorf» auf Kurs zu halten. Im Übrigen engagiere ich mich seit 2006 für die Baukommission und fühle mich bereit, höhere Aufgaben zu übernehmen.

2. Frage: Welche Herausforderungen in der laufenden Legislatur liegen Ihnen besonders am Herzen?

Martin Hofer: Damit eine Gemeinde handlungsfähig und innovativ sein kann, braucht es gesunde Finanzen. Dabei ist dem Gleichgewicht von Einnahmen und Ausgaben besonders Sorge zu tragen. Die Gesamtrevision der Nutzungsplanung, Siedlung und Kulturland mit einem Schwerpunkt Wohnen in Birmenstorf. Bezahlbares Wohnen im Alter und für junge Leute, die das Dorf nicht verlassen möchten, weil sie keine passende Wohnung finden. Die Schulentwicklung/Schulraumbedarf. Die Zukunft der Feuerwehr Birmenstorf-Mülligen.

Roger Meier: Mir liegt kontinuierliches, vernünftiges Wachstum in Bezug auf die Bevölkerung, im Einklang mit einem guten finanzpolitischen Kurs, sehr am Herzen. Birmenstorf muss sich entwickeln können, um die Standortattraktivität mit den wachsenden Aufgaben und dem finanziellen Spielraum ausloten zu können.

3. Frage: Birmenstorf ist ein recht harmonisches und wohlhabendes Dorf. Trotzdem: Was müsste man hier noch besser machen?

Martin Hofer: Meine Frau und ich fühlen uns in Birmenstorf rundum wohl, die Lebensqualität ist hoch. Aber natürlich gilt auch in Birmenstorf: «Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein». Die örtliche Politik und Verwaltung erlebe ich als gut organisiert, vieles ist gut eingespielt. Manchmal scheinen allerdings die Paragrafen wichtiger zu sein als der Bürgernutzen. Gerade in einem überschaubaren Dorf wie unseres, wo fast jeder jeden kennt, sollte das Gespräch im Vordergrund stehen.

Roger Meier: Roger Meier in den Gemeinderat wählen, um einen kompetenten vernetzten Bürger als «Mitstreiter» an Bord zu haben, der lebenserfahren und weitblickend den Horizont zum Wohle der Birmenstorfer absuchen würde.

4. Frage: Für manche Badener ist Birmenstorf schon fast ein schönes Stadtquartier. Können Sie sich vorstellen, dass Birmenstorf mit der Stadt Baden fusioniert?

Martin Hofer: Nach dem Motto «die Stadt geht aufs Land» würden wir uns sicher Gedanken machen, wenn Baden aufs Land, also mit Birmenstorf fusionieren möchte! Einzig bei der Integration der Badenfahrt hätten wir wahrscheinlich die Kapazitäten nicht ganz. Nein ohne Spass, eine Fusion zu einer Grossregion Baden kann ich mir nicht vorstellen. Wir erleben ja gerade in verschiedenen Bereichen, dass grösser nicht immer besser ist und für den Bürger nicht zwingend mehr Vorteile bringt.

Roger Meier: Mein Heimatort ist die Stadt Baden, mein Vater ist aus Rütihof und meine Mutter aus Birmenstorf. Durch unsere lange Gemeindegrenze zum Stadtgebiet von Baden würde eine Kooperation und Zusammenarbeit in vielen Dingen sicher Sinn machen. Ich stelle mal folgendes in den Raum: Was würde die Stadt Baden der sehr attraktiven Braut Birmenstorf als Mitgift mitgeben, wenn das mal zur Diskussion stünde und die Birmenstorfer allenfalls heiratswillig würden!? Im Ernst, man muss Entwicklungen beobachten und sich als Gemeinde überlegen, was die Zukunft bringen soll.

5. Frage: Wo ist Ihr liebster Ort in Birmenstorf – und warum?

Martin Hofer: Neben vielen anderen schönen und zum Teil lauschigen Plätzen in Birmenstorf, ist der Rasenplatz neben der Mehrzweckhalle mein liebster Ort. Auf der vom Bauamt sehr gut unterhaltenen und gepflegten Wiese halten wir vom TSV jeden Donnerstag unser Fussballtraining ab. Es gibt mir die Möglichkeit, einmal pro Woche Sport zu treiben, mit gleichgesinnten Spass zu haben und vom Alltag abzuschalten.

Roger Meier: Das ist eindeutig die Feuerstelle oben am Ausblicksort «Eggli», auf der Krete unseres wunderbaren Rebbaugebietes. Eine wunderbare Stimmung, ein sehr schöner Blick über das Dorf – dies bei einem Cervelat vom zur Verfügung stehenden Grill, was will man mehr. Fast wie Ferien.