Wettingen

Gablé schenken stummen Cartoons mit Musik Leben

Konzentriert trommelte der Schlagzeuger das Geräusch der im Cartoon stampfenden Bärenfüsse nach. Prost (v.l.): Christian Steimer (Steimer Weinbau), Hubert Egloff (Grafeguet), Roland Kuster (Ammann, Einwohnergemeinde) und Meinrad Steimer (Meinrad Steimer Weinbau und Weinstern Wettingen).

Konzentriert trommelte der Schlagzeuger das Geräusch der im Cartoon stampfenden Bärenfüsse nach. Prost (v.l.): Christian Steimer (Steimer Weinbau), Hubert Egloff (Grafeguet), Roland Kuster (Ammann, Einwohnergemeinde) und Meinrad Steimer (Meinrad Steimer Weinbau und Weinstern Wettingen).

Im Wettinger Kino Orient verzauberten Gablé das Publikum mit einem etwas anderen Filmkonzert.

Eine Bärenfamilie rennt durch ein Haus. Hektische Musik ertönt, das schwerfällige Poltern der Bärenfüsse wird durch Schlagzeugschläge nachgestellt und die verzweifelte Suche nach dem Einbrecher mit modernen Tönen begleitet. Wenn alte Disney-Cartoons auf moderne Beats und Elektroklänge stossen, dann treffen zwei Welten aufeinander. Diese zu kombinieren, scheint unmöglich. Nicht so für das Trio Gablé. Die drei Künstler aus der Normandie vertonen 85-jährige Zeichentrickfilme mit Gitarre, Klavier, Synthesizer und diversen kleinen Gegenständen live auf der Bühne.

Im heimeligen Kino Orient in Wettingen luden sie zu sieben Cartoons ein, die sie mit viel Herzblut musikalisch begleiteten. Der Abend ist Teil des in Baden alljährlich stattfindenden Musikfestivals «One Of A Million» (OOAM), das in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feierte. Das Festival findet noch bis am kommenden Samstag, 8. Februar, täglich statt und bringt Underground- und Alternativmusik auf die verschiedensten Badener Bühnen – mit dem Cartoon-Konzert im Kino Orient überschritt das OOAM erstmals die Stadtgrenzen nach Wettingen. Manche Konzerte können gratis besucht werden, der Spielplan findet sich auf der Website des Festivals.

Jede Bewegung der Comicfiguren wurde vertont

Mit einem «Bonsoir, ça va bien?», begrüssten sie die Gäste im gut gefüllten Kinosaal. Das Mikrofon war bereits mit einem Stimmverzerrer versehen und sorgte für erste Lacher. Die Vorfreude war den Künstlern anzusehen und auch die Zuschauer zeigten sich gespannt, was in den nächsten 90 Minuten auf sie zukommen würde.

Schnell war klar, für was Jacqueline, Hubert und Boullay stehen: Das musizierende Trio bringt Leben in die stummen Cartoons. Jeder Schritt, jedes Klopfen und kleine Details werden ad hoc vertont. Ihr Enthusiasmus war ihnen ins Gesicht geschrieben. Inbrünstig spielten sie ihre Instrumente, immer präzise und simultan zum Bewegtbild der Cartoons. Seit 2002 ist die Gruppe zusammen. Die Vertonung alter Walt-Disney-Cartoons ist ihr neustes Projekt. Auf ihrer Tour reisen sie durch halb Europa.

Verschiedene Instrumente, aber auch Ballons

Neben den diversen Instrumenten und der eigenen Stimme verwendet das Trio aber auch andere Gegenstände, um den passenden Sound zu generieren. Im Cartoon «Ballon Land» beispielsweise bliesen sie selbst Ballons auf und liessen diese durch den Raum schwirren. War der Sound anfangs noch melodisch und fröhlich, so wurde dieser immer düsterer, als ein Bösewicht versuchte, möglichst viele Ballons zu zerplatzen. Eine Flöte wurde dabei an einer Kante gekratzt, um das Geräusch eines Ballons nachzuahmen. Was einfach aussah, ist jahrelange Übung.

Entstehen konnte diese Idee nur, da sich diese drei Individuen gut miteinander verstehen. Das merkt man dem Trio sofort an und ihr sympathisches «Merci» nach jedem Lied sorgte auch bei den Zuschauern im Kino Orient für ein wohliges Gefühl. Nach sieben Cartoons und viel dazu passender Musik war der Abend vorbei. Der Applaus war riesig, niemandem war auch nur kurz langweilig geworden. Disney-Cartoons aus den 1930er-Jahren bewegen sichtlich auch heute noch Jung wie Alt – eine frische Abwechslung an einem stürmischen Montagabend.

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