Baden
Galgenfrist für das «Royal» wird um ein Jahr verlängert

Der Kulturbetrieb im ehemaligen Kino Royal wird bis im Sommer 2017 verlängert. Für das Programm wird ein neuer Betriebsverein verantwortlich zeichnen.

Martin Rupf
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Der Betrieb geht weiter. Das Mietverhältnis wird bis Mitte 2017 verlängert.

Der Betrieb geht weiter. Das Mietverhältnis wird bis Mitte 2017 verlängert.

AZ

Eigentlich deutete alles darauf hin, dass der Kulturbetrieb im «Royal» Ende Juni dieses Jahres seinen Betrieb einstellen muss. Dies, weil dann der Mitvertrag zwischen der Zuriba AG und der Stadt Baden – die das ehemalige Kino an eine Betreibergruppe untervermietet – ausgelaufen wäre. Doch gestern hat nun die Stadt mitgeteilt, das Mitverhältnis sei bis Ende Juni 2017 verlängert worden. Doch das allein hätte nicht gereicht, damit der Kulturbetrieb noch eine Saison anhängen kann. Denn vor knapp einem Jahr kündigte die jetzige Betriebsgruppe an, diesen Sommer aufhören zu wollen. Dies verbunden mit der Hoffnung, neue Köpfe könnten die Chance auf einen Weiterbetrieb im «Royal» erhöhen.

Tatsächlich hat sich ein neuer Betriebsverein mit dem Namen «Kulturhaus
Royal» konstituiert. Die Gruppe setze sich aus «kulturengagierten Royal-Fans» zusammen, steht in einer Medienmitteilung. «Im letzten verbleibenden Royal-Jahr sollen nochmals möglichst viele Menschen in den Genuss anregender, multimedialer Veranstaltungen kommen», heisst es weiter. Nochmals eine «letzte» Saison? «Tatsache ist, dass der Vertrag zwischen der Stadt und der Eigentümerin um ein Jahr bis Ende Juni 2017 verlängert wurde. Wir freuen uns sehr auf die kommende Royal-Saison», sagt Andriu Deflorin, Präsident des neuen Betreibervereins.

Die Mitglieder des neuen Vereins seien in erster Linie froh, dass dem «Royal» noch ein Jahr gegeben wird. «Unser Ziel wird es sein, den erfolgreichen und weit über die Region beliebten Kulturbetrieb weiterzuführen, aber auch neue Akzente zu setzen», sagt Deflorin. So wolle man weiterhin einen Platz bieten für Nischen-Kultur. Zudem habe man bereits das Gespräch mit den heutigen Organisatoren von Veranstaltungsreihen im «Royal» gesucht, weil man diesen auch künftig eine Plattform bieten wolle. «Ganz bestimmt wird es keinen Kommerz-Betrieb geben. Gleichwohl wollen wir auch ein neues Publikum anziehen», so der 38-jährige Badener. Konkrete Angaben zum Programm würden dann im Frühling folgen.

Und was ist mit den 5000 Unterschriften, die Petitionäre Ende 2014 für den längerfristigen Erhalt des Kulturbetriebs im «Royal» gesammelt haben? «Die Petitionäre freuen sich nun vor allem, dass der Kulturbetrieb um ein Jahr verlängert wurde und werden das weitere Schicksal des Royal sicher mit Interesse verfolgen», sagt Deflorin.

Unveränderter Mietzins

«Damit der Betrieb des erfolgreichen und beliebten Kulturlokals Royal weitergeführt werden kann, haben sich der Stadtrat und die Grundeigentümerin auf eine Verlängerung um ein Jahr geeinigt» steht in der Medienmitteilung der Stadt Baden. Laut Stadtrat und Bauvorsteher Markus Schneider seien sowohl die Miet- als auch die Untermietkonditionen die gleichen wie bisher.

Jean-Pierre Gallati, Rechtsvertreter der Zuriba AG, relativiert. «Natürlich hat die Stadt Baden auch ein Interesse an einer Fortsetzung des Kulturbetriebs signalisiert.» Doch der Vertrag sei in erster Linie deshalb verlängert worden, weil die Eigentümerin vorläufig noch keine Verwendung für das «Royal» hat. «Was genau mit dem einstigen Kino passiert, hängt von der gesamten Revitalisierung des Postareals ab», sagt Gallati.

Die Idee eines Verkaufslokals im «Royal» oder von Büros sei auf alle Fälle noch nicht vom Tisch. «Die Revitalisierung soll in den nächsten Monaten angegangen werden, «wobei auch die Stadt Baden an der Ausarbeitung von Ideen und Vorschlägen beteiligt sein wird», so Rechtsvertreter Gallati.

Ein Umstand, den Stadtrat Schneider freut. «Es ist gut, dass die Stadt bei der ganzen Planung Postareal immer noch dabei ist». Die Stadt werde auf jeden Fall ihre Wünsche und Vorstellungen für dieses zentrale Areal einfliessen lassen, sagt Schneider bestimmt. Auf die Frage, ob das auch ein möglicher Erhalt des Kulturbetriebs sein könnte, antwortet Schneider: «Das kann im Moment noch nicht gesagt werden.»

Leiter Kultur hat «ein gutes Gefühl»

Patrick Nöthiger, Leiter Kultur bei der Stadt, ist überzeugt, dass der neue Betriebsverein, das Royal-Programm im Sinn und Geist der Vorgänger weiterführen wird. «Bei der Suche nach neuen Betreibern konnten wir vom bestehenden Royal-Netzwerk profitieren», so Nöthiger. Er habe ein sehr gutes Gefühl: «Die Vorstandsmitglieder bringen viel Erfahrung mit und kennen den Platz Baden sehr gut. In der bisherigen Zusammenarbeit habe ich sie als sehr kooperativ und initiativ erlebt.»

Noch aber zeichnet die «alte» Betriebsgruppe für das laufende Programm verantwortlich. «Wir freuen uns, dass der Kulturbetrieb weitergeführt werden kann», sagt Marc Angst. Man sei überzeugt, ein gutes Haus mit einem guten Kulturbetrieb übergeben zu können, «und dass dieser bei der neuen Gruppe in besten Händen ist. Der Wechsel der Betriebsgruppe ist auch eine Chance für Neues; quasi ein Generationenwechsel», ist Angst überzeugt. «Wir geben jetzt bis Ende Mai noch Vollgas und werden unseren Abgang dann mit einem gebührenden Fest feiern.»

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