Baden

Gassenleute renovieren auf dem Unteren Bahnhofplatz ihre Hütte

Der Unterstand auf dem Unteren Bahnhofplatz in Baden wurde aufgefrischt. «Für die Gassenleute ist die Holzhütte von grosser Bedeutung», sagt Stephan Grossenbacher vom christlichen Sozialwerk Hope. Die Betriebsbewilligung gilt noch für diese Saison.

Er bietet Gassenleuten einen wettergeschützten Ort, an dem sie sich treffen und austauschen können. Die Rede ist vom Unterstand der Stadt Baden, der vom christlichen Sozialwerk Hope betrieben wird. Seit 2012 steht die Holzhütte in den Wintermonaten auf dem Unteren Bahnhofplatz. Nun haben «Hope»-Mitarbeiter den Unterstand gemeinsam mit Gassenleuten renoviert und frisch gestrichen.


«Die Holzhütte war in den letzten Jahren Wind und Wetter ausgesetzt. Die Zeit für eine Auffrischung war reif», sagt Stephan Grossenbacher, Diakon und Leiter soziale Arbeit bei «Hope». In rund vier Stunden wurde die Holzhütte auf Vordermann gebracht und mit einer Lasur neu beschichtet. Der städtische Werkhof stellte das Material zur Verfügung.


«Für die Gassenleute ist die Holzhütte von grosser Bedeutung», sagt Grossenbacher und fügt an: «Dank kleinen Heizkörpern finden Menschen einen warmen und geschützten Ort vor, an dem sie sich treffen und einige Stunden verbringen können. Das wird sehr geschätzt.» Als weiterer Treffpunkt erwähnt er die Feuerstelle auf dem Springbrunnen, die während des «Winterzaubers» von Feuermeistern der Stetter Brennerei Humbel betrieben wird. Doch: Während die Feuerstelle bis Anfang Januar 2018 stehen bleibt, führt das christliche Sozialwerk ihren Unterstand bis Ende März 2018 weiter. Die dreijährige Betriebsbewilligung für die Holzhütte gilt noch für diese Saison und muss nach Abschluss der aktuellen Saison neueingereicht werden.


Ehrenkodex wird eingehalten


Der Betrieb der Holzhütte verläuft seit dem Aufbau Anfang November friedlich. Das sei nicht selbstverständlich, erklärt Grossenbacher, zumal im Unterstand unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, die alle verschiedene Geschichten mit sich bringen. «Wir wollen keine Harmonie erzwingen. Uns ist vielmehr wichtig, dass die Benutzer einen respektvollen Umgang miteinander pflegen», sagt der «Hope»-Mitarbeiter. Dabei soll der eigens ausgearbeitete Ehrenkodex helfen, bei dem Respekt, Toleranz und Ordnung grossgeschrieben werden. «Die Gassenleute halten sich in der Regel gut daran», so Grossenbacher.


Die Geschichte des Unterstands führt zurück ins Jahr 2011. Damals hatten sich Passanten, Anwohner und Ladenbesitzer von Gassenleuten gestört gefühlt, die sich während der kalten Jahreszeit im «Metro Shop» in der Bahnhofunterführung aufhielten. Als das Sicherheitspersonal die Situation nicht lösen konnten, lancierte eine Arbeitsgruppe bestehend aus Mitarbeitern des «Hope», der Stadt Baden, der Polizei und dem Werkhof ein Pilotprojekt und stellte einen Container auf. 2012 bot der Fislisbacher Holzbaubetrieb Peterhans Schibli & Co. an, gemeinsam mit Gassenleuten aus dem Holz der Stadtfest-Beizen einen Unterstand zu bauen.


Heute verkehren in der Holzhütte unter anderem Menschen, die kein soziales Netz und im Winter kein festes Zuhause haben. Auch sind Personen anzutreffen, die Sozialhilfe oder eine IV-Rente beziehen und eine Wohnung haben, jedoch keinen Besuch mit in ihre Bleibe nehmen können oder wollen.


Vertrauen schaffen


«Die meisten Besucher sind Stammgäste. Hie und da stossen aber auch neue Gassenleute dazu», sagt Grossenbacher. Das «Hope» selber ist von Montag- bis Freitagnachmittag mit einem Mitarbeiterteam punktuell vor Ort. Während des «Winterzaubers» zudem zweimal wöchentlich bis in die Abendstunden. «Indem wir regelmässig präsent sind, können wir Vertrauen schaffen und Kontakte knüpfen. Zudem möchten wir die Gassenleute auf diese Weise animieren, uns ihre Anliegen zu schildern», sagt Stephan Grossenbacher.

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