Baden

Gastland Polen: Filme mit politischem Unterton am diesjährigen «Fantoche»

Im Animationsfilm «Timber» (2014) wärmen sich vier Holzscheite am Feuer.

Im Animationsfilm «Timber» (2014) wärmen sich vier Holzscheite am Feuer.

Jedes Jahr wählt das Animationsfilm-Festival ein anderes Gastland aus. Für die diesjährige Ausgabe hat sich die «Fantoche»-Leitung für Polen entschieden – ein Land mit einer langen Trickfilmtradition.

Wer an Animationsfilme denkt, dem kommen spontan amerikanische Disney-Produktionen oder japanische Trickfilme wie etwa «Captain Future» in den Sinn. Fantoche, das grösste Animationsfilmfestival der Schweiz, hat sich aber für Polen als diesjähriges Gastland entschieden.

Die zwei polnischen Kuratoren, Anja Šošić und Piotr Szczpanowicz, kennen die Animationsfilmszene ihres Landes bestens. Während Šošić schon im vergangenen Jahr Fantoche-Jury-Mitglied war und die hiesigen Anforderungen kennt, haben die Fantoche-Organisatoren mit Szczepanowicz einen filmischen Coup gelandet: Der 34-jährige polnische Animationsregisseur hat beim Kurzfilm «Peter und der Wolf» mitgewirkt. Diese britsch-polnische Koproduktion gewann 2008 in der Kategorie «Bester animierter Kurzfilm» einen Oscar.

So ist das Animationsfilm-Festival Fantoche eröffnet worden.

So wurde das Fantoche 2014 eröffnet

So wurde Fantoche im Jahr 2014 eröffnet

Versteckte Regime-Kritik

«Polen hat eine lange Animationsfilm-Tradition», sagt Adrian Erni, Mediensprecher des Fantoche. Diese Tradition geht zurück auf die 1950er Jahre. «Die Filmschaffenden konnten damals während den kommunistischen Zeiten versteckt Kritik am Regime üben.» Einige Serien aus dieser Zeit wurden auch in nicht sozialistische Länder exportiert.

«Anja Šošić und Piotr Szczpanowicz haben sich aber mehrheitlich für zeitgenössische Filme entschieden», sagt Erni. Er will nicht zu viel über das Programm verraten. Was ihm dennoch zu entlocken ist: «Obschon die neue Generation von Animationsfilmern frischen Wind in die Trickfilmszene gebracht haben, setzen sie auf die gleichen Motive wie früher: verborgene Wünsche und Ängste sowie das Thema Reisen.»

Handwerkskunst Animationsfilm

Bis zum 25. Mai können beim Fantoche noch Kurzfilme eingereicht werden. Die Produktionen dürfen nicht älter als ein Jahr sein. In elf Preiskategorien werden rund 30 000 Franken ausbezahlt.

Das Filmfestival ist zwar sehr international ausgerichtet, ist aber auch eine Plattoform für Schweizer Animationsfilmer. «Für einige Künstler ist das Fantoche ein Karrieresprungbrett. Samuel und Frédéric Guillaume, die 2012 nebst dem Publikumspreis auch in der Kategorie «Best Swiss» gewonnen haben, haben mittlerweile auch an anderen Festivals gross abgeräumt», sagt Adrian Erni.

Im vergangenen Jahr sind beim Fantoche fast 1 300 Filme aus 73 Länder eingereicht worden. Erstaunlich ist aber: «Anders als die voll computeranimierten Filme der amerikanischen Pixar Studios werden die beim Fantoche aufgeführten Animationsfilme ganz oder wenigstens teilweise von Hand gezeichnet.»

Internationales Animationsfestival Fantoche: 1. bis 6. September 2015 in Baden.

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