Baden

Gastro bis Immobilien: So stark trifft der Kahlschlag die Branchen

Die geplanten Entlassungen sorgen bei Mitarbeitern für Unsicherheit – und auch beim Badener Gewerbe.

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Der Stellenabbau bei General Electric dürfte negative Auswirkungen für diverse Branchen haben. So wird etwa in Zeiten der Unsicherheit oft auf das Auswärts-Essen verzichtet. Doch auch rund 100 Alstom-Mitarbeiter besitzen ein Fitnesscenter-Jahresabo.

Welche Folgen hat die geplante Massenentlassung bei General Electric für den Wirtschaftssandort Baden? 1300 Stellen werden im Aargau gestrichen – ein Grossteil davon in Baden, Dättwil und Turgi. Wird es bald wieder vorwärtsgehen, wie Stadtammann Geri Müller erwartet? Eine Umfrage zeigt: In viele Branchen herrscht derzeit Trübsinn. Zumindest kurzfristig werden spürbare negative Folgen erwartet.

Nach GE-Kahlschlag bei Alstom: Auch viele Zulieferbetriebe in der ganzen Schweiz sind in Gefahr.

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Gastronomie: «Die Nachricht ist ein Schock», sagt Werner Eglin, Mitinhaber der Blue Management GmbH, zu der die sechs Badener Restaurants «Goldener Schlüssel», «Piazza», «Lemon», «Petit Blue», «Torre» und «Hirsch» gehören. «Gerade in der Gastronomie wird der Abbau spürbar sein. Viele Alstom-Mitarbeiter wissen nicht, wie es weitergeht – und in Zeiten der Unsicherheit wird oft auf das Auswärts-Essen verzichtet.» Eglin ist aber langfristig zuversichtlich: «Oft machte Baden erst einen Schritt rückwärts, ehe danach zwei grosse Schritte nach vorwärts folgten.» Diese Erfahrung habe er in der Vergangenheit gemacht.

Alstom streicht 1300 Arbeitsplätze: Das sagt die Gewerkschaft

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Sport und Freizeit: Rund 100 Alstom-Mitarbeiter besitzen ein Jahresabo im Fitnesscenter Baden. Geschäftsführer Armin Vock: «Wenn nur schon jeder Zweite wegen des Jobverlusts aus Baden wegziehen und das Abo kündigen muss, verliere ich rund 50 000 Franken pro Jahr. Aber um Geld alleine geht es jetzt nicht. Es ist eine harte Situation für die Alstom-Mitarbeiter. Die Ungewissheit macht vielen sehr zu schaffen. Oft sind wir nicht nur Fitnesstrainer, sondern auch Psychologen.»

Hotellerie: In Dättwil wird beim Tenniscenter Baregg derzeit für 15 Millionen Franken ein Apart-Hotel gebaut. Geschäftsführer Patrik Burkhart: «Beim Gedanken an den Stellenabbau kommt ein mulmiges Gefühl auf. Wir machen uns schon Sorgen. Unser Apart-Hotel ist speziell auf Geschäftsreisende ausgerichtet. Aber wir halten an unseren Business-Plänen fest, zum Glück gibt es in der Region noch weitere Firmen, nicht nur die Alstom.» Das Hotel soll Ende 2016 eröffnen.

In zwei Minuten Fussdistanz vom Alstom-Hauptsitz befinden sich das «Trafo» und das «Blue City». Direktor beider Hotels ist Erik Roedenbeck. «Eines ist klar: Es wird sicherlich nicht leicht für uns. Denn in Baden besteht ein Klumpenrisiko – ein Grossteil der Hotelgäste kommt aus diesem Business-Sektor», sagt Roedenbeck. Seit zwei Jahren erweitern er und sein Team daher bereits den Kundenstamm, um einem solchen Risiko entgegenzuwirken.

Alstom-Abbau: So reagieren Mitarbeiter, Politiker und Gewerkschafter

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Gewerbe: Michael Wicki, Geschäftsführer des Badener Gewerbevereins City Com: «Die Nachricht vom Stellenabbau trifft das Badener Gewerbe in einem sehr dummen Moment. Wir haben sprichwörtlich schon genug andere Baustellen. Wenn hier in Baden einige hundert Stellen wegfallen, werden wir das ganz konkret zu spüren bekommen.» Als klar wurde, dass die Energiesparte von Alstom zu General Electric gehe, sei leider fast zu erwarten gewesen, dass es zu einem solchen Schritt komme. «Aber natürlich haben alle gehofft, dass es trotzdem ohne Stellenabbau geht. Jetzt kann man nur hoffen, dass die Politik aktiv wird; jetzt ist der Badener Stadtrat gefragt, von dem naher Kontakt zu den Entscheidungsträgern und innovative Ideen für eine mögliche Neubeschäftigung des Fachpersonals gefragt sind», sagt Michael Wicki. Schöne Worte alleine reichten nicht, es müssten Taten folgen. «Nebst einer starken politischen Führung sind aber auch die Unternehmer gefragt, die sich überlegen müssen, wie sie auf die Veränderungen reagieren wollen.»

Steuereinnahmen. Martin Frey, Leiter der Wettinger Finanzabteilung: «Ich kann mir gut vorstellen, dass der Stellenabbau verzögert spürbar sein wird, in Form von tieferen Steuereinnahmen bei den natürlichen Personen.» Die Auswirkungen seien jedoch äusserst schwierig abzuschätzen. «Ertragseinbussen von 100 000 bis 200 000 Franken pro Jahr liegen in Wettingen meiner Ansicht nach im Bereich des Möglichen.»

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Immobilien: In diesem Bereich werden sich die Auswirkungen laut Experten in Grenzen halten. Michael Unold von der Badener Immobilienfirma Remax sagt zwar: «Wenn wir davon ausgehen, dass rund 900 Mitarbeiter aus der Region entlassen werden, und rund ein Drittel von ihnen Wohneigentum besitzt, dann ist klar: Der Abbau hat Auswirkungen auf den lokalen Immobilienmarkt.» Es sei davon auszugehen, dass innerhalb der kommenden fünf Jahre überdurchschnittlich viele Objekte zum Verkauf stehen werden. «Dies drückt die Preise.» Er gehe aber davon aus, dass 2016 die Preise für Wohneigentum trotz allem nicht einbrechen werden. Mittelfristig werde sich der Badener Immomarkt problemlos erholen. «Denn die Nachfrage ist insgesamt hoch, daran wird sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern.» Hans Ruedi Stierli von der Immotip AG in Wettingen stimmt ihm zu: «In der Agglomeration Baden/Wettingen ist aufgrund der hohen Standort-Qualität der Markt ausgetrocknet. Die Nachfrage ist so gross, dass die nun allenfalls zusätzlich zum Verkauf stehenden Wohnungen und Häuser schnell Abnehmer finden werden.» Auch die Mietpreise werden auf hohem Level bleiben, vermutet Hans Ruedi Stierli.

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