Auch das offizielle Baden beschäftigt sich mit dem angekündigten Stellenabbau. «Ich bin heute früh darüber informiert worden», sagt Stadtammann Geri Müller (Team Baden). Und er will gleich eine Bemerkung vorausgeschickt haben: «Solche Zahlen hören sich im ersten Moment natürlich dramatisch an.»

Er verweist jedoch auf den angegebenen Zeitraum des Abbaus von zwei Jahren hin. «Aus der Erfahrung mit anderen angekündigten Stellenabbauten habe ich gelernt, dass noch nie die Maximalzahl erreicht wurde, jedoch bald schon neue Stellen geschaffen worden sind. Es ist mir aber bewusst, dass es für jede Person, die es bei dieser Massnahme treffen wird, schwierig und schmerzvoll ist», sagt der Stadtammann. Deshalb setzen Stadt und Kanton auf Gespräche mit GE, in denen man versuche, Kurzarbeit vor Entlassung zu stellen, um diese kompetenten Mitarbeiter nicht zu verlieren.

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Obschon noch vor wenigen Monaten der Stellenabbau nicht im Vordergrund stand, kommt für Geri Müller dieser Schritt nicht ganz überraschend: «In der Strombranche fallen die Preise weiter zusammen, sodass als Folge eine solche strukturelle Massnahme zu erwarten war.» Er will die Ankündigung der GE aber nicht noch negativer sehen, als sie ist: «Erstens ist uns eine klare Information für eine Massnahme, die über zwei Jahre hinweg umgesetzt werden soll, lieber, als wenn scheibchenweise alle zwei Monate Stellen abgebaut würden. Zweitens bestätigt GE ihr Bekenntnis zum Standort Baden und dessen Know-how, indem die beiden weltweiten Hauptsitze von GE Power Services und GE Steam Power Systems hierbleiben werden.» Müller weist insbesondere darauf hin, dass es sich um zwei «Global Headquarters» handle.

Wie der Abbau vonstattengehen wird, darüber weiss auch der Stadtammann nichts Näheres. «Wir werden selbstverständlich zusammen mit dem Kanton aktiv sein und betreffend der Massnahmen mit GE im Gespräch bleiben.» Müller setzt auf die Innovationsfähigkeit von GE und insbesondere der Energiebranche und sieht darum viel Potenzial. «Ich bin darum überzeugt, dass es mit dem Wirtschaftsstandort Baden vorwärtsgehen wird», sagt Geri Müller. Denn: «Denn GE hat erneut bekräftigt, dass sie in den weltweit bedeutenden Forschungs- und Entwicklungsstandort Baden und Region investieren wollen.»

Somm: «Für jeden tragisch»

Nachdem die Übernahme durch die GE im Frühjahr 2014 bekannt wurde, äusserte sich der Ex-ABB-Schweiz-Chef Edwin Somm noch optimistisch zum Standort Baden. «Es liegt im Interesse von GE, dass in erster Linie das Know-how zählt, womit alles für den Standort Baden spricht», sagte er damals. Entsprechend überrascht hat Somm die Meldung über den geplanten Stellenabbau zur Kenntnis genommen. «Überrascht deshalb, weil die Informationen nicht direkt von GE kamen», so Somm, der von 1960 bis 1997 bei der BBC bzw. bei der ABB arbeitete und am Ende Chef von ABB Schweiz war. Und doch komme die schlechte Nachricht für ihn nicht aus heiterem Himmel. «Der Kraftwerk-Markt ist schon seit Längerem sehr flau; es war klar, dass da etwas kommen muss.»

Daneben gebe es aber noch eine zweite Komponente, sagt Somm. «Fast immer bei Übernahmen und darauffolgender Restrukturierung gibt es eine Reduktion von Arbeitsplätzen. Es müssen Lösungen gesucht werden, um die Produktivität und die Effizienz zu steigern.» Welche Komponente – Markt oder Produktivität – beim angekündigten Stellenabbau schwerer wog, könne er nicht beurteilen. «Ich habe für beide Komponenten Verständnis», sagt Somm, um sogleich zu relativieren. «Ob in den angekündigten zwei Jahren wirklich 1300 Stellen abgebaut werden, wird sich noch zeigen. Doch aus Erfahrung kann ich sagen, es ist für jeden Einzelnen und seine Familie tragisch, wenn er eine Kündigung erhält.»

Somm erinnert aber auch daran, dass es weitaus schlimmer hätte kommen können. «Wäre Alstom von Siemens übernommen worden, wäre der ganze Standort hier in Baden geschlossen worden.» Und auch die erfreuliche Tatsache, dass General Electric die Dampfturbinen-BBC-Technologie übernommen habe, sei sehr positiv. «Hätte General Electric ihre eigene Technologie gewählt, wären noch viel mehr Stellen vom Abbau betroffen.»

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Somm glaubt auch, dass viele betroffene Angestellte – trotz angespannter Marktsituation – auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen hätten. «Die Leute hier in Baden sind gut ausgebildet und verfügen über viel Know-how.» Mehr Sorgen bereitet Somm etwas anderes: «Die Politik hat die Pflicht, die Chancen für den Werkplatz Schweiz zu erhöhen.» Doch leider passiere aus seiner Sicht zurzeit gerade das Gegenteil, wenn er etwa an die Themen Steuerpolitik, Masseneinwanderung oder Energiestrategie denke. Somm: «Die Politik muss sich einfach im Klaren sein. Wer einmal weg ist, der kommt nicht wieder, sondern bleibt für immer weg.»

Was passiert in Ennetturgi?

Neben Baden ist auch der Standort in Ennetturgi betroffen, der sich auf Gemeindegebiet von Untersiggenthal befindet. «Nach zuletzt positiven Schlagzeilen nach der GE-Übernahme hat mich diese Nachricht doch überrascht», sagt Frau Gemeindeammann Marlène Koller. Welche konkrete Auswirkungen der geplante Stellenabbau für den Standort in Ennetturgi haben wird, könne sie noch nicht abschätzen. «Ich gehe aber davon aus, dass wir rechtzeitig informiert werden, sobald hier erste Massnahmen umgesetzt werden», sagt Koller.