Niederrohrdorf
GE-Stellenabbau: Wie hart trifft es Zulieferer Egro?

Der geplante Stellenabbau bei GE bringt Zulieferer in Nöte. Zu diesen zählt auch das Traditionsunternehmen Egro.

Carla Stampfli
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Walter Schwager

Fast zwei Monate ist es her, als der US-Industriekonzern General Electric (GE) für einen Knall sorgte: Er gab bekannt, im Kanton Aargau, hauptsächlich in Baden und Birr, bis zu 1300 Stellen abbauen zu wollen. Die geplanten Abbaumassnahmen bringen nicht nur GE-Mitarbeitende in Nöte, sondern auch Zulieferer – darunter Firmen wie die Egro Industrial Systems AG aus Niederrohrdorf. Max Chopard, ehemaliger SP-Nationalrat und Gewerkschafter aus Obersiggenthal, sagte nach Bekanntgabe des Kahlschlags, dass der Entscheid von GE «massive Auswirkungen auf die Zuliefererbetriebe habe».

Ist dem tatsächlich so? Die Niederrohrdorfer Firma, 1849 durch Castor Egloff gegründet, produziert Blechformteile und Blechbaugruppen, ebenso ist sie als Generalunternehmer für Endprodukte tätig. Als Zulieferer sei die Unternehmung «sehr eng verbunden» mit der erwähnten Firmengruppe, schreibt Geschäftsführer Christian Cadisch auf Anfrage. Inwiefern sich die Abbaupläne von General Electric auf die Firma mit ihren rund 90 Mitarbeitern auswirken, ist von ihm aber nicht zu erfahren: «Viele Fragen und Entscheidungen sind noch offen.» Die Situation des Unternehmens hat das Interesse der Öffentlichkeit und der Medien geweckt. Man habe sich entschlossen, bis auf weiteres keine Interviews zu geben. Cadisch erwähnt jedoch, dass man wöchentlich in Meetings mit der Firmengruppe eingebunden sei.

Der US-Industriekonzern will unter anderem über 1000 Stellen abbauen, weil das Geschäft mit Gas- und Dampfturbinen in Schwierigkeiten steckt. Die Streichung betrifft die Energiesparte des französischen Alstom-Konzerns, die GE im letzten Herbst für 9,7 Milliarden Euro erworben hatte.

Hoher Druck auf den Margen

Seit fast 170 Jahren steht der Name Egro für Industriegeschichte in Niederrohrdorf: So hat die Firma nicht nur die erste «Birchermüesli»-Raffel produziert, sondern auch die weltweit erste vollautomatische Kaffeemaschine. 2004 wurde das Unternehmen – als es sich in einer finanziell kritischen Phase befand – von der Visionova Holding übernommen: Die Sparten Kaffeemaschinen und Industrie wurden getrennt, wobei Erstere, die Egro Coffee Systems AG, im Jahr 2008 dem italienischen Partner Rancilio Group veräussert wurde.

Wie der Branchenverband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) am Montag bekannt gab, konnten die Unternehmen der MEM-Industrie im vierten Quartal 13,4 Prozent weniger neue Bestellungen entgegennehmen als im Vorjahr. Damit sank der Index der Bestellungseingänge auf den zweittiefsten Stand der letzten zehn Jahre.

Christian Cadisch bestätigt, dass es «deutlich schwieriger geworden und ein hoher Druck auf den Margen vorhanden ist». Schwarzmalen tut der Geschäftsführer der Niederrohrdorfer Traditionsfirma aber nicht: Chancen und Risiken würden sich zurzeit durch die neue Konstellation USA-Schweiz-Italien im Gleichgewicht halten.