Gebenstorf
Aargauer Bauern pflanzen wieder Nassreis an – warum sie beim zweiten Anlauf Spezialmaschinen aus China einsetzen

Die Ernte von sechs Aargauer Reisbauern fiel nach dem ersten Anbau im vergangenen Jahr buchstäblich ins Wasser. An einen Erfolg glauben sie allerdings nach wie vor – nun setzen sie allerdings auf eine neue Methode.

Alexander Wagner
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Im Gebiet Vogelsang nahe der Aare beim Wasserschloss bauen Aargauer Bauern jetzt mit zwei aus China importierten Maschinen Nassreis an.

Im Gebiet Vogelsang nahe der Aare beim Wasserschloss bauen Aargauer Bauern jetzt mit zwei aus China importierten Maschinen Nassreis an.

Alexander Wagner

Langsam waten zwei Männer knietief durch das Wasser eines überfluteten Feldes in Vogelsang, gleich neben der Aare, und schieben Maschinen vor sich her. Die Maschinen pflanzen kleine Reissetzlinge. Mehrmals verliert einer der Männer einen Schuh – was für viel Heiterkeit bei jenen sorgt, die das seltene Spektakel beobachten.

Das Feld wurde vorher mit Wasser aus der nahen Aare geflutet. Im vergangenen Jahr bauten Aargauer Reisbauern an sechs Standorten im Kanton Aargau auf gut 4,5 Hektaren Nassreis an. Die Ernte fiel sehr schlecht aus, weil die vielen Niederschläge und das kalte Wetter – selbst für den Reis, der Wasser und Feuchtigkeit braucht – zu viel des Guten war.

«Letztes Jahr haben wir den Reis angesät. Doch danach spriesste viel zu viel Unkraut», weiss Pirmin Umbricht aus Untersiggenthal, der das Spektakel des Reissetzens auch beobachtet. Er ist einer der sechs Bauern, die sich zur IG «Aargauer Reis» zusammengeschlossen haben. Dieses Jahr hoffen sie auf eine bessere Ernte – auch weil der Reis nicht mehr gesät wird wie beispielsweise Weizen, sondern weil die Setzlinge direkt in das geflutete Feld gesetzt werden.

Dadurch soll das Unkraut effektiv unterdrückt werden. Das hat wiederum für die Umwelt den grossen Vorteil, dass gänzlich auf Pflanzenschutzmittel und Dünger verzichtet werden kann.

Alexander Wagner

Sechs Höfe bilden die IG Aargauer Reis

Folgende Landwirte aus dem Aargau haben sich zur IG «Aargauer Reis» zusammengeschlossen: Janis Looser (Würenlingen); Fredy und Pirmin Umbricht (Untersiggenthal), Sandro Märki (Rüfenach), Natalie und Lukas Neuhaus (Stetten), Michael Rüttimann (Jonen) und die Familie Suter aus Mühlau. Weitere Infos unter www.aargauerreis.ch (awa)

In zwei Maschinen aus China investiert

Deshalb haben die innovativen Bauern in zwei Maschinen aus China investiert, die speziell für den Reisanbau gefertigt worden sind. «Der Aufwand ist riesig. Wir haben ziemlich viel investiert, aber noch nichts verdient», gibt er 44-jährige Umbricht offen zu.

Ein kleines Hindernis bei den neuen Maschinen ist, dass sie nur mit chinesischen Schriftzeichen angeschrieben sind. Trotzdem manövrieren die beiden Piloten die Maschinen sicher durch das sumpfige Feld. Die Bauern rechnen mit einem Ertrag von 3,5 bis 4 Tonnen Reis pro Hektare.

Bei der Verarbeitung fällt allerdings, durch das Schleifen und Polieren, rund ein Drittel weg. «Wir lernen laufend dazu», sagt Umbricht. Er ist auf dem Hof in Untersiggenthal mehr auf den Rebbau spezialisiert, sein Bruder Fredy Umbricht ist eher der Gemüsespezialist, genau wie die anderen Bauern der IG.

Die Spezialmaschinen werden mit neuen Setzlingen beladen.

Die Spezialmaschinen werden mit neuen Setzlingen beladen.

Alexander Wagner

Spass und der Glaube daran

Zum einen macht es den sechs Bauern viel Spass, auch mal etwas anderes auszuprobieren. «Wir sind einfach Fans vom Reisanbau geworden», meint Umbricht lachend. Aber natürlich steht auch der wirtschaftliche Aspekt dahinter. «Wir glauben daran, dass ein Markt dafür vorhanden ist und wollen einfach mal etwas anderes anbieten als alle anderen», betont der Neo-Gemeinderat aus Untersiggenthal stellvertretend für alle sechs Bauernbetriebe.

Die Setzlinge wurden lokal produziert. Mit Solarstrom werden teilweise jene Wasserpumpen angetrieben, dank denen die Felder Hektoliterweise mit Flusswasser geflutet werden. Zudem fühlen sich in den seichten Wasserflächen Insekten und Amphibien pudelwohl, die sonst immer weniger Lebensraum finden. So bevölkern zahlreiche Libellen, Frösche und Kröten die Umgebung der schlammigen Böden.

Der Wunsch: Heiss und trocken

In diesen Tagen wurden Zehntausende Setzlinge beim Wasserpumpwerk in der Unterau in Ennetturgi, beim Wasserschloss gleich nach der Aarebrücke sowie an weiteren Standorten im ganzen Kanton angepflanzt. Dabei kamen die beiden neuen Maschinen aus China laufend zum Einsatz, denn sie wurden von Feld zu Feld gebracht und standen praktisch im Dauereinsatz.

Insgesamt wurde auf rund vier Hektaren die Risotto-Sorte «Loto» angebaut. Obwohl der Reis viel Wasser liebt und braucht – als Nährstoffquelle und Wärmespeicher –, wünschen sich Umbricht und seine Kollegen jetzt nur noch: «Einen schönen Sommer.» Ende September wird dann sämtliches Wasser aus den Felder abgelassen und die Ernte kann beginnen. Hierfür verwenden die Reisbauern einen herkömmlichen Mähdrescher – und hoffen auf eine grosse Erne. Anfang Dezember soll sie in den Verkauf gelangen.

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