Gebenstorf
Vizeammann-Wahl: Amtsinhaberin erhält Konkurrenz und empfindet das als Angriff auf ihre Person

Trotz turbulenter Monate mit Ressortentzug will Cécile Anner (SVP) weiterhin im Gebenstorfer Gemeinderat verbleiben und tritt wieder als Frau Vizeammann an. Herausgefordert wird sie von Gemeinderat Urs Bätschmann (FDP).

Claudia Laube
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So thematisierte unser Karikaturist den Streit im Gemeinderat mit Frau Vizeammann Cécile Anner, als sie ihre Ressorts zurückerhielt.

So thematisierte unser Karikaturist den Streit im Gemeinderat mit Frau Vizeammann Cécile Anner, als sie ihre Ressorts zurückerhielt.

Silvan Wegmann

An den diesjährigen Wahlen in Gebenstorf wollen zwei Personen Vizeammann werden: Gemeinderat Urs Bätschmann (FDP) fordert die aktuelle Amtsinhabeirn Cécile Anner (SVP) heraus. Sie konnte ihre Arbeit jedoch rund ein halbes Jahr nicht ausüben, weil ihr der Gemeinderat im Oktober 2020 alle Ressorts entzogen hatte.

Cécile Anner ist seit neun Jahren Gemeinderätin und wurde 2018 zur Frau Vizeammann gewählt.

Cécile Anner ist seit neun Jahren Gemeinderätin und wurde 2018 zur Frau Vizeammann gewählt.

zvg

Zur Erinnerung: Cécile Anners Mann hatte vor zwei Jahren gegen Gemeinderätin Giovanna Miceli (SP) eine Anzeige wegen angeblichen Amtsmissbrauchs, ungetreuer Amtsführung und Vorteilsannahme eingereicht. Seine Anzeige richtete sich «eventuell auch gegen den Gemeinderat.» Damit war für die anderen vier Gemeinderatsmitglieder eine weitere Zusammenarbeit mit Cécile Anner nicht mehr möglich.

Sie machten einen vollständigen Vertrauensverlust geltend und sprachen von mehrfachen Amtspflicht- und Kollegialitätsverletzungen, Interessenkonflikten und Vorfällen bei der Wahrnehmung ihrer Ressortaufgaben. Anner legte Beschwerde beim Regierungsrat ein und erhielt diesen Februar nach einem Zwischenentscheid den grössten Teil ihrer Ressorts wieder zurück. Im Juni dann die endgültige Rehabilitierung. Der Kanton hatte entschieden, dass das Vorgehen des Gemeinderats auf keiner Rechtsgrundlage basiere und keine Pflichtverletzungen stattfanden.

Nach diesem Entscheid kündigte Anner an, wieder als Gemeinderätin und als Vizeammann anzutreten. Dass sie von Bätschmann herausgefordert wird, empfinden sie und ihre Partei, die SVP, als Angriff auf ihre Person:

«Damit wird noch auf diesem Weg versucht, mich loszuwerden.»

Dieser Umstand hat nun auch dazu geführt, dass kein gemeinsamer Wahlkampf geführt wird. Gestaltete man vor vier Jahren noch parteiübergreifend Flyer und Plakat, so kämpft diesmal jeder für sich. Waren es damals aber auch fünf Kandidaten für fünf Sitze, so kandidieren diesmal acht Personen: neben den fünf Bisherigen – inklusive Gemeindeammann Fabian Keller (Mitte) – auch Hans Ruedi Schläpfer (parteilos), Milena Peter (FDP) und der bisherige Schulpflegepräsident Patrick Senn (Mitte).

Verjüngung des Gremiums angestrebt

Urs Bätschmann versteht seine Kandidatur nicht als Angriff auf Anner, sondern als strategischen Entscheid: «In vier Jahren werden einige der aktuellen Gemeinderäte aufgrund ihres Alters nicht mehr zur Wahl antreten», ist sich der 62-Jährige sicher. Deshalb solle schon jetzt eine Verjüngung des Gremiums angestrebt und neue Kräfte aufgebaut werden. Dies soll mit der 31-jährigen Milena Peter erreicht werden. «Zudem haben wir entschieden, dass ich auch als Vizeammann antrete», so Bätschmann, der seit fünf Jahren im Gemeinderat sitzt.

Urs Bätschmann sitzt seit fünf Jahren im Gremium. Nun will er Vizeammann werden.

Urs Bätschmann sitzt seit fünf Jahren im Gremium. Nun will er Vizeammann werden.

Zvg

Er wie auch Anner sagen, dass die Zeit für einen Umbruch im Gremium gekommen ist. Bätschmann haben die internen Querelen der vergangenen Monate viel Energie gekostet: «Die Stimmung im Gemeinderat war in letzter Zeit suboptimal», sagt er. Dennoch ist er zuversichtlich, dass sich die Zusammensetzung auf die neue Amtsperiode hin ändern wird und er dann hoffentlich seinem gemeinderätlichen Engagement wieder mit alter Leidenschaft nachgehen kann – und dann auch wieder Sachpolitik im Vordergrund steht.

Gerne will der Gebietsverkaufsleiter einer Firma für Büromöbel eine Immobilienstrategie in Angriff nehmen und eine Bestandesanalyse für die zahlreichen gemeindeeigenen Liegenschaften in die Wege leiten. Um künftig Überraschungen vorzubeugen: «Nur so erhalten wir Planungssicherheit für die nächsten Jahre», sagt Bätschmann.

Als Vizeammann möchte er die Zusammenarbeit mit dem Ammann intensivieren, eine für ihn wichtige Voraussetzung für das Funktionieren des Gemeinderats. Ausserdem: «In dieser Rolle hat man mehr Verantwortung und sollte vertiefter über alle Ressorts informiert sein», ist er überzeugt.

Für Anner sind alle Gemeinderäte gleichberechtigt

Anner hingegen versteht das Amt anders: «Der Vize vertritt den Ammann bei seiner Abwesenheit», sagt sie. In Gebenstorf stehe die Führung des eigenen Ressorts im Vordergrund, laut einem «bis ins Detail ausgearbeiteten Geschäftsleitungsmodell» hätten alle dieselben Rechte und Pflichten und Gemeindeammann und Vize gegenüber dem Kollegium keine übergeordnete Führungsverantwortung. «Dies wurde die letzten vier Jahre nicht mehr gelebt», sagt Anner.

Trotz dem angespannten Verhältnis empfindet sie die Gemeinderatssitzungen im Moment als konstruktiv. Ausserdem:

«Das Gremium ist nun mal keine Wohlfühloase. Wir müssen keine Freunde sein, wir müssen die Interessen des Volks vertreten.»

Anner ist seit neun Jahren Gemeinderätin und damit Dienstälteste. Die 69-Jährige will sich weiterhin für die Gemeinde engagieren und sagt: «Ich habe keine Fehler begangen. Mein Leistungsausweis kann sich sehen lassen.» So habe sie sich zum Beispiel sehr für ein Jugendlokal eingesetzt, was sich erst wie ein Kampf gegen Windmühlen angefühlt habe. Dieses Lokal gibt es bis heute. In Zukunft würde sich die gelernte Bankfachfrau und Unternehmerin gerne vermehrt um die Finanzen kümmern.

Die im Dorf verwurzelte Anner ist nun sehr gespannt auf den Ausgang der Wahlen am 26. September und wie sich die vergangenen Auseinandersetzungen im Ergebnis widerspiegeln. Auch wenn das in ihrer Abwahl gipfeln könnte: «Wenn das der Wille der Bevölkerung ist, dann ist das in Ordnung für mich», sagt sie.

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