Birmenstorf
Gebiet Grosszelg: Am Kies scheiden sich die Geister

Der geplante Kiesabbau im Gebiet Grosszelg bewegt die Bevölkerung. Eine Infoveranstaltung versuchte, Fakten aufzuzeigen und Ängste abzubauen.

Louis Probst
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Kiesabbau Grosszelg Birmenstorf

Kiesabbau Grosszelg Birmenstorf

zvg

Noch steht, zumindest in einem Teil des Birmenstorfer Gebietes Grosszelg, Wintergemüse. Wenn es nach dem Willen der Interessengemeinschaft IG RichiMerzKnecht — und des Kantons — geht, soll hier aber in absehbarer Zeit Kies abgebaut werden. Zuerst müssen jedoch die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden.

Zurzeit steht die Festsetzung des Abbaugebietes im kantonalen Richtplan an. Unter dem Titel «Kiesabbau im Grosszelg? Sie entscheiden mit!» fand letzten Donnerstag ein Informationsanlass statt. Der Aufmarsch zeigte, dass der Kiesabbau die Gemüter bewegt, dass sich am Kies sozusagen die Geister scheiden.

73 Einwendungen eingegangen

«Noch ist nichts entschieden», betonte Gemeinderat Urs Rothlin. Wie er sagte, waren beim Mitwirkungsverfahren im vergangenen Sommer 73 Einwendungen gegen das Vorhaben eingegangen. Das habe den Gemeinderat bewogen, beim Kanton eine Sistierung des Verfahrens zu beantragen. Dies auch deshalb um im Hinblick auf die letztendlich entscheidende Gemeindeversammlung frühzeitig Fakten aufzeigen zu können.

«Wir können heute noch nicht zu allen Themen Fakten liefern», räumte Thomas Merz (IG RichiMerzKnecht/Merz AG) ein. «Wichtig ist, dass sich auch die Bevölkerung einbringt und ihre Vorstellungen deklariert.» Dominic Meier (Planer der IG) ging auf das dreistufige Bewilligungsverfahren ein und stellte das Vorhaben vor. Demnach sollen auf einer Fläche von rund 145 000 Quadratmetern nördlich der Autobahn und beidseits der Fislisbacherstrasse insgesamt rund 2,55 Millionen Kubikmeter Kies abgebaut werden. Der Abbau soll in fünf Etappen erfolgen, wobei jeweils eine Fläche von rund 45 000 Quadratmetern offen ist. Begonnen werden soll im Bereich nordöstlich der Fislisbacherstrasse. Der gesamte Abbau und die parallele Wiederauffüllung mit Aushubmaterial sollen sich über einen Zeitraum von rund 25 Jahren erstrecken.

«Die Erschliessung», so Dominic Meier, «kann erst im Nutzungsplanungs- und im Baubewilligungsverfahren geklärt werden. Veränderungen wird es jedoch bei den Ortsdurchfahrten mit Lastwagen geben.» Gemäss IG werden zu den rund 600 projektfremden Lastwagen — Linienbusse miteingeschlossen — die heute täglich durch Birmenstorf fahren, durch den Kiesabbau im Grosszelg weitere 25 Fahrten kommen. «Ohne den Abbau im Grosszelg», so Dominic Meier, «würden jedoch mehr Ortsdurchfahrten entstehen, weil Kies für die Merz AG in Gebenstorf von weiter her über die Autobahn zugeführt werden müsste.»

Geld für die Gemeinde

Selbstverständlich hat der Kiesabbau auch eine finanzielle Seite. «Das Projekt ist auch eine Chance für die Gemeinde», betonte Daniel Knecht (IG RichiMerzKnecht/Knecht Bau AG). Zum einen würden — durch die Abgeltungen an die Grundeigentümer, den Sitz der Grosszelg-Betreibergesellschaft in Birmenstorf sowie durch Steuerausscheidungen bei den Muttergesellschaften der drei Partner — für Birmenstorf zusätzliche Steuereinnahmen resultieren. Zum andern könnte die Gemeinde eine Inkonvenienz-Entschädigung erwarten. Wie Daniel Knecht sagte, könnte sich die Entschädigung, aufgrund einer Hochrechnung der Entschädigung, die der Gemeinde heute aus dem Kiesabbau im Gebiet Niederhard erhält, in der Höhe von einem bis drei Steuerprozenten bewegen. Über die 25 Jahre könnte sich ein Betrag von insgesamt rund 3,57 Millionen Franken ergeben. Auch Daniel Knecht betonte: «Wir sind bereit, und haben Interesse daran, mit der Gemeinde im Dialog zu stehen und Rücksicht zu nehmen.»

LKW-Fahrten und Geld

In der engagiert, aber sachlich geführten Fragerunde standen die Zahlen der Lastwagenfahrten und das Geld, respektive die Inkonvenienzentschädigung, im Mittelpunkt. «Das tönt ja alles positiv», so eine Stimme aus dem Saal. «Der Kiesabbau ist dem Image der Gemeinde aber nicht förderlich. Die Bevölkerung hat den Schaden. Der Nutzen ist relativ klein. 3,57 Millionen Franken über 25 Jahre sind zu wenig.» Dem wurde aus dem Publikum entgegengehalten, dass sich der heutige Kiesabbau im Birmenstorfer Niederhard jedenfalls nicht nachteilig auf die Entwicklung von Wohngebieten ausgewirkt habe.
In einem nächsten Schritt wird jetzt, voraussichtlich in diesem Frühjahr, der Grosse Rat über die Festsetzung des Abbaugebietes Grosszelg im Richtplan entscheiden. Anschliessend erfolgt die Anpassung der Nutzungsplanung, die wohl im November 2020 vor die Gemeindeversammlung kommen wird, und danach das Baubewilligungsverfahren. Bei der IG hofft man auf eine Baubewilligung im Sommer 2021.