Ein Flaschenöffner, zerbrochenes Glas, eine Rasierklinge, Nägel: Die Liste der Gegenstände, die Simon Kneuss und sein Bruder Jérôme zusammen mit einer Kollegin am Wochenende aus der Reuss in Mellingen gefischt haben, liesse sich beliebig verlängern.

«Mein Bruder und ich wohnen in der Altstadt und haben uns schon lange gefragt, was man wohl im Fluss alles findet», sagt Simon Kneuss.

«Weil die Strömungsverhältnisse am Sonntag ungefährlich waren, haben wir eine spontane Putzaktion gemacht», sagt der 32-Jährige. «Es ist erschreckend, was wir gefunden haben.» Er empfiehlt Schwimmern, nie ohne Schuhe baden zu gehen.

Ungefährlich sind solche Tauchaktionen nicht. Die Sicht ist auch mit Taucherbrille eingeschränkt, die Strömung oft unberechenbar. «Mehrere Passanten, die sehen wollten, was wir aus dem Fluss holen, hätten aber jederzeit Hilfe rufen oder sofort eingreifen können», sagt Kneuss.

Weil noch mehr Unrat auf dem Grund des Flusses liegt, wollen die drei erneut tauchen gehen. «Eine Idee ist auch, dass wir Nägel und Metallteile mit einem starken Magneten herausholen.»

Den ersten Müllhaufen hat das Bauamt Mellingen am Montag entsorgt. Bei der Gemeinde kennt man die Abfallproblematik. «Nach schönen Wochenenden räumt das Bauamt jeden Montag in mühsamer Arbeit den liegengelassenen Abfall entlang der Reuss auf», sagt Gemeindeschreiber Patrick Sandmeier.

Es sei wie beim Littering an Land, sagt er. «Letztlich liegt es auch in der Eigenverantwortung der Leute, dass sie Sorge zur Umwelt tragen. Die Abfallsünder sollten sich bewusst machen, dass sie Badegäste gefährden, wenn sie sogar Nägel und Rasierklingen in den Fluss werfen.»

Die Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal macht im Sommer verstärkt Kontrollen am Reussufer. «Wir haben aber bisher keine Abfallsünder ertappt», sagt Repolchef Daniel Schreiber.

Wäre dem so, würde die Polizei eine Anzeige machen. Grundsätzlich kann jeder eine Anzeige machen wegen eines Umweltschutzdelikts, wenn er Personen sieht, die Abfall in den Fluss werfen. «Wenn man aber alleine unterwegs ist, steht letztlich Aussage gegen Aussage, was wenig Erfolg bringt.»

Von Beweisfilmchen und -fotos rät Schreiber ab. Ohne Einwilligung der gefilmten oder fotografierten Person handelt man ebenfalls illegal wegen des Persönlichkeits- und Datenschutzes», erklärt er. Am besten sei es, wenn man mit jemandem unterwegs ist: «Dann können zwei oder mehr Leute die Tat bezeugen.»