Bei der Baustelle des Postareals an der Badener Bahnhofstrasse tut sich derzeit viel. Während die Fassade der alten Hauptpost von Karl Moser hinter einem Gerüst verschwindet, sind beim Post-Anbau aus den Siebzigerjahren schwere Maschinen im Einsatz. Die Betontreppe zur Bahnhofstrasse haben die Bagger vor kurzem abgebrochen. Zur Erinnerung: Im ehemaligen Postgebäude sollen ein Einkaufszentrum und eine grössere Tiefgarage entstehen, in den oberen Stockwerken soll es weiterhin Büros und auch Wohnungen geben.

Seit dieser Woche wirbt die Immobilienfirma F. Aeschbach AG, welche die Bauherrin Zuriba vertritt, in Anzeigen für eine Wohnung «on the top im Stadtzentrum beim Bahnhof Baden». Eine Viereinhalb-Zimmer-Attikawohnung mit 98 Quadratmetern im Gebäude der Badener Hauptpost kostet laut Inserat 2800 Franken im Monat und soll ab Februar 2019 bezugsbereit sein.

Zuriba ist zuversichtlich

Noch etwas länger dürfte aber auf dem Grundstück neben dem Postgebäude gebaut werden: Zwischen der Postautostation und dem Kulturhaus Royal, wo früher ein kleiner, wenig genutzter Garten lag, wird seit letzter Woche eine tiefe Grube ausgehoben. Hier sollen im sogenannten «Annex Nord» 18 Mietwohnungen entstehen (die AZ berichtete). Das Baugesuch dafür lag im vergangenen April öffentlich auf. Gegen das Gesuch hat es eine Einwendung gegeben, deswegen hat die Stadt Baden noch keine Baubewilligung erteilt.

Bauherrin ist beim «Annex Nord» wie beim gesamten Postareal die Firma Zuriba AG aus Möhlin. Der Entwurf für das fünfstöckige Glasgebäude stammt vom Zürcher Architekturbüro Dürig AG. Wie die Zuriba auf Anfrage mitteilt, sind die laufenden Bauarbeiten neben dem Royal aber nicht Bestandteil des Baugesuchs «Annex Nord», sondern der ursprünglichen Baubewilligung für das Postareal.

Die Arbeiten seien unter anderem nötig für die geplante Zufahrt zum Areal von der Haselstrasse her. Für diese Lastwagen-Zufahrt zum geplanten Einkaufszentrum liess die Zuriba im vergangenen Mai auch die Villa Schnebli an der Haselstrasse abbrechen.

Baumfreie Bahnhofstrasse

Was vielen Badenern aufgefallen ist: In den letzten Tagen wurden auf dem Trottoir an dieser Stelle zwei stattliche Bäume gefällt. Bis vor kurzem waren die zwei grossen Platanen noch mit Verschalungsbrettern geschützt, damit sie bei den Bauarbeiten keinen Schaden nehmen. Jetzt würde man aber kaum mehr erahnen, dass hier überhaupt Bäume standen, die Fällstellen wurden asphaltiert.

Drei massive Plakatwände wurden zeitgleich mit den Bäumen ebenfalls sang- und klanglos entfernt. Auf der Visualisierung des Neubaus «Annex Nord» waren die Bäume noch abgebildet. Die Bahnhofstrasse, einst eine kleinräumige Vorstadtstrasse mit Gärten und hohen Bäumen, ist nun fast komplett baumfrei geworden.

Wurden die Bäume vorsorglich gefällt?

Stutzig macht das deshalb, weil die Bäume und die Plakatwände auf öffentlichem Grund standen. Warum die Platanen gefällt und die Plakatwände entfernt wurden, bevor die Baubewilligung für den Annex Nord vorliegt, konnte die Stadt Baden gestern auf Anfrage nicht beantworten.

Zu der Einwendung gegen den «Annex Nord» heisst es von der Zuriba, das verzögere zwar den Ablauf, man sei aber zuversichtlich, dass die Baubewilligung bald erteilt werde. Die Sanierung des Postareals soll derweil im Laufe des Jahres 2020 abgeschlossen werden.

Seit letzter Woche liegt bei der Stadt ein neues Baugesuch der Zuriba für den Umbau der Mobilfunkantenne auf dem Dach der Post öffentlich auf. Die bestehende Anlage soll mit neuen Antennen versehen werden.

Seit gestern liegt zudem ein Baugesuch des Vereins Kulturhaus Royal für die Verlängerung der Nutzung des ehemaligen Kinos als Kulturbetrieb und für kleinere technische Umbauten auf. Das Grundstück des «Royal» gehört wie das gesamte Postareal der Zuriba, die das Haus dem Verein vermietet.