Fred Grob bringt Eindrücke, die er aus seiner jahrzehntelangen diakonischen Tätigkeit gesammelt hat, einfühlsam und doch mit viel gepfeffertem Witz in seinem neuen Buch «Grobs Feinheiten» zum Ausdruck.

Grob ist vieles: Gefängnis-Seelsorger, Cartoonist, Mitbegründer des christlichen Sozialwerks und Restaurants Hope in Baden. Der Antrieb bleibt aber immer derselbe: Er basiert auf seinem unerschütterlichen Glauben an Gott.

Statt einbalsamierender Predigten und moralisierender Frömmigkeit lässt er Taten sprechen. Grob kümmert sich um jene, die im Sozialgefüge durch alle Maschen gefallen sind. Er sorgt für Essen und Unterkunft von Obdachlosen und setzt sich dafür ein, dass Sträflinge nach ihrer Inhaftierung im Leben wieder Fuss fassen.

Ernsthafte Themen mit Heiterkeit verquickt

Der 66-Jährige sieht dorthin, wo andere wegschauen. Oft ist er der Einzige, der sich um Menschen kümmert, die allen anderen schon viel zu unbequem geworden sind. Auffallend am ehemaligen Schriftsetzer, der sein Leben in den Dienst der Diakonie gestellt hat, ist der unkonventionelle und bisweilen sarkastische Witz. Und Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.

Dies ist bei Grob mehr als nur ein Sprichwort. In seinem neuen Buch schafft er es, Ernsthaftigkeit und Witz in biografischen Kurzgeschichten miteinander zu verbinden. «Über die Möglichkeit, Unmöglichem möglichst humorvoll zu begegnen» lautet der Untertitel seines zweiten literarischen Werks, das er am 25. April 2015 im Werkhof Baden der Öffentlichkeit präsentiert.

Mit Kapiteln wie «Fred beim Psychiater» oder «Fred im Gefängnis» schafft er es, sowohl tragische Geschichten aus seinen Erfahrungen mit Ausgegrenzten als auch Absurditäten der Bürokratie zu beschreiben. Dabei schafft es Grob aber, niemanden zu verletzen. Im Gegenteil: Am Ende schmunzelt man über die Begebenheiten, obwohl sich manchmal die Nackenhaare sträuben.

Ernsthafte Themen mit Heiterkeit verquickt an die Leute zu bringen, ist nichts Neues für Grob. Er verbindet seine Geschichten mit seinen Lieblingswitzen und fast kindlich wirkenden, aber sehr pointierten Cartoons, die er in Sekundenschnelle zeichnet.

Eine grosse Stärke des Autors ist, dass er über sich selber lachen kann. In «Fred als Autofahrer» berichtet er etwas überspitzt über seine miserablen Fahrkünste, die ihn schon in die unmöglichsten Situationen brachten. Auf seinem Auto steht: «Bitte habt Geduld, Gott arbeitet noch an mir».

Biografische Bruchstellen

Grob ist eine eigenwillige Persönlichkeit, die es nicht scheut, gegen den Strom zu schwimmen. «Ich bin AHV-positiv», sagt der jung gebliebene Pensionär in seinem Haus in Ehrendingen, wo er alle Geschichten von «Grobs Feinheiten» geschrieben und gezeichnet hat. Hier lebt er mit seiner 10-jährigen Tochter Annina und seiner zweiten Ehefrau Marianne.

Gestrauchelt ist er im Leben oft. Seine Biografie widerspricht in vielem der Tugendhaftigkeit, die von der Religion vorgeschrieben wird. Gerade deshalb ist er so nahbar und überzeugend, wenn er mit Häftlingen oder Obdachlosen über Glauben und Lebenssinn diskutiert.

Auch in seinem Ruhestand verhält er sich unangepasst. Er macht Fahrdienste beim Roten Kreuz, besucht nach wie vor regelmässig Inhaftierte in der Strafanstalt Lenzburg und verbringt fast jeden Mittag im «Hope» in Baden. Denn einer wie er, der den Einsamen zuhört, lässt sich nicht so schnell ersetzen.

Buchvernissage «Grobs Feinheiten»: 25. April, Mehrzweckraum Schadenmühle, Werkhof Baden, ab 16.30 Uhr, Lesungen jeweils zu voller Stunde.