Aargauer Muslime

«Gefühl, mit Terroristen in einen Topf geworfen zu werden, begleitet uns»

Bari Alija, Mexhit Ademi und Ismail Ademi (von links) von der islamisch-albanischen Gemeinschaft unterhalten sich in der Moschee in Kirchdorf, wie sie Vorurteile der Bevölkerung abbauen können.

Bari Alija, Mexhit Ademi und Ismail Ademi (von links) von der islamisch-albanischen Gemeinschaft unterhalten sich in der Moschee in Kirchdorf, wie sie Vorurteile der Bevölkerung abbauen können.

Drei Muslime aus der Region erzählen in der Moschee, wie sie den Terror der Miliz «Islamischer Staat» erleben. Sie haben Angst, wegen ihrer Religion mit den Extremisten des «Islamischen Staates» gleichgesetzt zu werden.

Mitten im Kirchdorfer Gewerbegebiet, zwischen Autogaragen und Werkstätten, befindet sich die Moschee der islamisch-albanischen Gemeinschaft – unscheinbar, fast versteckt im obersten Stockwerk an der Studacherstrasse 11.

Drei Muslime sprechen hier über die Gräueltaten des selbst ernannten «Islamischen Staates» (IS): «Das ist ganz schlimm, wir sind fassungslos», sagt Ismail Ademi. Zusammen mit seinem Bruder Mexhit Ademi und Bari Alija sitzt er im Gebetsraum, dessen Teppich mit seinen Mustern gegen Mekka ausgerichtet ist.

Alle drei sind sich einig: «Im Namen des Islams zu morden ist ein klarer Missbrauch unserer Religion und steht im Widerspruch zu dem, was uns der Islam lehrt.»

Die Angst, mit den Extremisten gleichgesetzt zu werden, beschäftigt die drei Muslime. Dass die Miliz sich den Namen «Islamischer Staat» gegeben habe, mache es besonders schwer, sagt Mexhit Ademi: «Dies schürt den Hass und die Vorurteile gegen Muslime.»

Und Bari Alija ergänzt: «Das Gefühl, mit diesen Terroristen in einen Topf geworfen zu werden, begleitet uns jeden Tag.» Schlechte Erfahrungen mit den Nachbarn und den Menschen aus dem Dorf hat bis jetzt aber noch keiner von ihnen gemacht.

«Ich glaube, die Leute aus dem Dorf wissen, dass wir immer noch genau die gleichen Menschen sind», sagt Ismail Ademi. Wenn er mit seiner Frau spazieren gehe, werde er immer noch gleich wie früher gegrüsst: «Das ist eine Erleichterung.»

Dass die Muslime weltweit den Terror der IS-Miliz kritisieren, begrüssen die drei Männer. «Auch die konservativen Kreise verurteilen die Taten der IS», sagt Mexhit Ademi.

Für seinen Bruder ist es damit aber noch nicht getan: «Es ist unsere Pflicht, weiterhin den direkten Kontakt zu unseren Mitmenschen in der Nachbarschaft und bei der Arbeit zu suchen», ist Ismail Ademi überzeugt. Man dürfe sich nicht in den eigenen vier Wänden verstecken.

«Nur so können wir Vorurteile abbauen oder dafür sorgen, dass sie gar nicht erst entstehen.» Dieser Meinung ist auch Alija: «Es ist wichtig, dass man sich untereinander kennt und tagtäglich die Beziehungen pflegt – im Geschäft, in der Wohngemeinde und in der Schule.»

Radikale, die für den IS kämpfen würden, seien ihnen keine bekannt. «Solche Moslems radikalisieren sich nicht in den Moscheen, sondern im Internet», sind sie überzeugt, «denn die Imame predigen von Liebe und Respekt.» Dass der Islam nichts mit Gewalt zu tun hat, wollen sie auch der breiten Bevölkerung vermitteln.

«Im Zentrum unserer Religion steht die Wohltätigkeit allen Menschen gegenüber, unabhängig ihrer Religion», sagt Mexhit Ademi. «Ein gutes Beispiel ist Albanien im Zweiten Weltkrieg», fügt er an: «Albanien, ein mehrheitlich muslimisches Land, war das einzige von den Nazis besetzte Land, in dem alle Juden gerettet wurden.» Die albanischen Muslime erachteten es als ihre Pflicht, Menschen in Not zu schützen.

Um dies zu vermitteln und den direkten Kontakt zu pflegen, führt die islamisch-albanische Gemeinschaft am 8. November den Tag der offenen Moschee durch oder beteiligt sich am Fest der Nationen in Obersiggenthal. Vor ein paar Wochen trafen sich die Frauen der Gemeinschaft mit den katholischen Frauen von Nussbaumen, um sich über ihre Religionen auszutauschen.

«Wir würden gerne noch mehr machen, aber unser Raum hier ist zu klein», sagt Ismail Ademi. Nächste Woche zieht die Moschee in einen etwas grösseren Raum im Nebengebäude. Das Ziel ist aber, in Gebenstorf ein Restaurant als Vereinslokal umnutzen zu können. Dagegen gab es Widerstand – nun muss der Regierungsrat darüber entscheiden.

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