Es ist lauter als erwartet. Wer bei der Autobahn steht, muss fast schreien, um sich mit dem Gegenüber unterhalten zu können. Treffpunkt Dättwil, Segelhof. Spaziergang über die Autobahnbrücke mit Blick auf den Bareggtunnel, an den Autobahnauffahrten vorbei bis zum Ausblick auf das geplante Baldeggtunnelportal. Der Autobahnlärm ist ein steter, mühsamer Begleiter.

Hans Hauri – ehemaliger Einwohnerrat, VCS-Präsident von 1980 bis 1984 und Befürworter der Solarenergie – erklärt auf dem Gang durch Dättwil, warum er gegen den Baldeggtunnel ist: «Der Tunnel bringt eine Zusatzbelastung entlang der ganzen Achse Süddeutschland, Unteres Aaretal, Dättwil bis zur A1. Der Ausbau läuft gegen das Ziel der Umlagerung von Gütern auf die Bahn.» Gerade Dättwil, das bereits mit grossen Lärm- und Abgasimmissionen kämpfe, würde noch mehr belastet und die Natur entlang der A1 noch weiter verunstaltet. Der drei Kilometer lange Tunnel, der vom Wilerloch bis nach Dättwil 50 bis 70 Meter ansteigen wird, könnte sich im Winter, so Hauri, zu einer «Abgas-Leitung» in Richtung Dättwil verwandeln.

«Die Naherholungsgebiete Rüsler, Segelhof und Baldegg kann man schon jetzt nur über zwei Lärmgräben hinweg erreichen.» Nun drohe zusätzlich noch ein nördlicher Lärmgraben: Durch den geplanten Kreisel «Chrüz» beim östlichen Dorfeingang in Birmenstorf soll der Verkehr zur und von der A1 über die Fislisbacherstrasse südlich der Sommerhalde auf die geplante Westumfahrung von Fislisbach zum Rohrdorferberg bzw. nach Mellingen geleitet werden. Dieser Verkehr dürfte sich durch den Baldeggtunnel verstärken. «Dättwil befindet sich bald auf einer Insel, umgeben von stark befahrenen Strassen», sagt Hauri. Dadurch sinke die Lebensqualität.

«Ich will die Dättwiler aufwecken, doch es ist mir bisher kaum gelungen», sagt Hauri. «In Dättwil-Dorf denkt man, die A1 ist weit weg, das betrifft uns nicht. Aber im Dorf sind wir nicht viel besser dran.» Gerade im Winter spüren alle bei Inversionslage den Smog unter dem Deckel, so der 70-jährige Sprachwissenschafter.

Gegen den Baldeggtunnel existiert von Dättwiler Seite her keine Widerstandsgruppe. Gewehrt haben sich bisher nur Untersiggenthal – die Gemeinde hat einen Umfahrungstunnel zugesichert bekommen und Obersiggenthal – das für einen Tunnel im Tagbau durchs Siggenthalerfeld kämpft. Für den Bau eines Baldeggtunnels setzt sich die IG Baldegg ein. Deren Präsident ist Thierry Burkart, FDP-Grossrat und Präsident des TCS Aargau.

René Mäder, Präsident des Dorfvereins Dättwil, sagt auf Anfrage, dass die Dättwiler Bevölkerung gespalten sei, was den Tunnel anbelangt. «Wir als Verein sind politisch neutral. Wir sind weder dafür noch dagegen.» Man werde sich aber bei der Stadt Baden für eine für Dättwil verträgliche Lösung einsetzen. «Wenn sich jemand gegen den Tunnel einsetzen will, soll er das als private Organisation tun», sagt Mäder.

Diese Passivität des Dorfvereins kann Hans Hauri nicht verstehen. «Ich sehe in Zukunft eine Achse Obersiggenthal, Kappelerhof, Dättwil, die sich gemeinsam gegen den Tunnel wehrt.»