Kurz vor Ende der Legislatur will der Badener Stadtrat um Ammann Geri Müller (Grüne/Team) ein jahrelanges Anliegen der Velo-Lobby durchsetzen: Die Busrampe von der Bruggerstrasse zum Bahnhof soll für Velofahrer freigegeben werden. Im Oktober stimmt das Badener Parlament über den Vorschlag ab. Wird er angenommen, müssten die entsprechenden Signalisationsänderungen noch öffentlich ausgeschrieben werden.

Die Idee, die Busrampe für Velos freizugeben, wird seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 2000 regelmässig diskutiert. Bisher wurde der Vorschlag aus Gründen der Verkehrssicherheit jedoch stets verworfen. Nach einem erneuten Vorstoss von Beatrice Schilling, Präsidentin der Badener Grünen, gibt es nun aber offenbar plötzlich eine Möglichkeit, die Idee in die Tat umzusetzen. Was hat sich an der Ausgangslage geändert? Stadtammann Geri Müller sagte dazu diese Woche an einer Pressekonferenz: «Wir haben clevere Leute in der Verwaltung, die eine gute Lösung vorgeschlagen haben.»

Neue Vortrittsregeln wären nötig

Die Idee: Busse und Velos sollen nicht nebeneinander fahren – dafür ist die Rampe nicht breit genug, und ein Ausbau wäre viel zu teuer –, sondern hintereinander. Einige Anpassungen wären aus Sicht der Stadt dennoch notwendig. Erstens vor der Einfahrt zur Rampe, denn hier könnte es zu «möglichen Konflikten» zwischen Velofahrern und Fussgängern kommen. Dieses Problem könne durch eine entsprechende Ampelsteuerung gelöst werden, ist der Stadtrat überzeugt.

Zweitens bräuchte es Anpassungen auf der Rampe selber: Die Geländerhöhe von derzeit rund 1,1 Metern müsste aus Sicherheitsgründen auf 1,3 Meter erhöht werden. Handlungsbedarf bestehe auf der Rampe ausserdem wegen der bei Stürzen gefährlichen Lücken zwischen den Pfosten. Die Kosten für die entsprechenden Massnahmen werden auf 35 000 Franken geschätzt.

Drittens wäre am Ende der Rampe eine Änderung der Vortrittsverhältnisse notwendig: Die Busse beziehungsweise Velos dürften gegenüber den Fahrzeugen, die von der Stadtturmstrasse her einmünden, keinen Vortritt mehr haben. Mit dieser Signalisation und Markierung wäre die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer am besten gewährleistet. Von dieser Lösung rät ein externes Ingenieurbüro aber ab, weil sie «im krassen Widerspruch» zum Ablauf des Busverkehrs stehe. Es mache keinen Sinn, dass die rund 70 Busse, die pro Stunde auf der Rampe fahren, Rücksicht gegenüber den rund vier Bussen pro Stunde nehmen müssten, die von der Stadtturmstrasse her zum Bahnhof einbiegen. Dennoch schlägt der Stadtrat genau diese Idee zur Umsetzung vor.

RVBW: Vorschlag «undenkbar»

Stefan Kalt, Direktor der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen, erfuhr erst gestern im Gespräch mit den Medien von den Plänen des Stadtrats. «Es befremdet mich offen gesagt sehr, dass es die Badener Stadtregierung nicht für nötig hielt, uns über ihre Pläne zu informieren.» Aus Sicht der Busbetriebe sei eine Öffnung der Rampe für Velofahrer undenkbar. «Jede Neuregelung bei der Einfahrt zur Rampe, die Velofahrer begünstigt, hätte für uns negative Folgen.»

Die Fahrpläne seien äussert knapp und präzise berechnet. «Es kann doch nicht sein, dass ein vollbesetzter Bus mit 150 Menschen warten und einigen wenigen Velofahrern den Vortritt lassen muss, mit der Gefahr, dass die Fahrgäste den Anschlusszug beim Bahnhof verpassen», sagt Kalt. In einer gemeinsamen Stellungnahme zum Postulat hatten RVBW und Postauto Schweiz bereits vor rund zwei Jahren erklärt: «Wir stellen uns nach wie vor auf den Standpunkt, dass die Rampe nicht für Mischverkehr konzipiert wurde.»

Kanton könnte Veto einlegen

Vor der Ausschreibung der neuen Signalisation müsste die Stadt noch die Zustimmung des Kantons einholen. Stadtammann Geri Müller: «Bei der Einfahrt zur Rampe und den dortigen Signalisationen hat der Kanton das letzte Wort, da es sich bei der Bruggerstrasse um eine Kantonsstrasse handelt.»

Nicht zum ersten Mal könnte der Kanton dem Badener Stadtrat bei einer verkehrspolitischen Idee einen Strich durch die Rechnung machen: Wenige Meter von der Busrampe entfernt, auf der Gstühl-Kreuzung, will der Stadtrat eine Radarfalle aufstellen. Doch der Regierungsrat erklärte, die Voraussetzungen für die Bewilligung einer fest installierten Verkehrsüberwachungsanlage seien nicht gegeben.

Selbst wenn die Busrampe für Velos geöffnet würde, gäbe es aus Sicht der Grünen-Präsidentin Beatrice Schilling noch viel Handlungsbedarf. «Ich freue mich über jedes Puzzleteil, das den Veloverkehr besser und sicherer macht. Man darf aber nicht ausblenden, dass es zuletzt auch Rückschritte für die Velofahrer gab.» Der Zugang zur Busrampe sei schwieriger geworden, weil es im umgebauten Schlossbergtunnel kaum mehr Platz habe und der Schulhausplatz für Velofahrer kein Fortschritt bedeute.