Baden
Gegen Mittagstisch-Schliessung: Petitionäre nicht zufrieden

Stadträtin Daniela Berger hält an der Schliessung des Mittagstischs fest. Zukünftig soll es im Meierhof-Quartier nur noch den Mittagstisch des ABB-Horts geben. Die Petitionäre hatten den Eindruck, dass der Stadtrat die Tragweite falsch einschätzte.

David Egger
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Ist sein beliebtes Essen bald Geschichte? Der Mittagstisch Meierhof im Gründungsjahr 2007.

Ist sein beliebtes Essen bald Geschichte? Der Mittagstisch Meierhof im Gründungsjahr 2007.

az-Archiv

Der Mittagstisch Meierhof soll seine Türen schliessen – so die Pläne des Stadtrats. Dieser will die betreffende Leistungsvereinbarung auslaufen lassen (az vom 5. 4.). Dagegen erhob sich Widerstand: Wegen einer Petition mit 256 Unterschriften muss sich der Stadtrat nochmals mit dem Entscheid befassen. Und die Zeit drängt: Bald sind Schulferien und der Mittagstisch Meierhof macht Sommerpause – oder seine Türen für immer zu. Noch vor den Ferien will der Stadtrat deshalb die Petition beantworten. Mitte Juni soll das Antwortschreiben vorliegen.

Stadträtin Daniela Berger hat bereits mit den Petitionärinnen Alexandra Gavriilidis und Renate Müller gesprochen. Auch Mario Geraets von der Abteilung Kinder Jugend Familie (KJF) der Stadt Baden und die beiden Geschäftsführerinnen der ABB-Kinderkrippen und des Vereins Taba nahmen an dieser Anhörung teil. Der Taba führt den sieben Jahre alten Mittagstisch, der vor der Schliessung steht. Zukünftig soll es im Meierhof-Quartier nur noch den Mittagstisch des ABB-Horts geben, der 2012 entstanden ist.

«Ausgangslage hat nicht geändert»

Stadträtin Daniela Berger will sich dafür einsetzen, dass der frei werdende Raum des Mittagstischs Meierhof weiterhin dem Quartier zur Verfügung steht. «An der Ausgangslage hat sich aber nichts geändert, deshalb fehlen aus meiner persönlichen Sicht Gründe, den Sachverhalt anders zu beurteilen», so Berger. Damit hält sie an der Schliessung des Mittagstischs fest.

Alexandra Gavriilidis hat die Petition angeregt. Sie sagt: «Wir hatten nach der Anhörung nicht das Gefühl, dass wir erhört wurden.» Die Petitionäre behalten sich deshalb weitere Schritte vor. Eines ihrer Ziele: «Weiter informieren und Unstimmigkeiten aufzeigen, die auf einen Fehlentscheid hindeuten.» Gavriilidis und Müller sehen dies als Aufgabe der Bürger in einem Milizsystem, in dem der Stadtrat auf die Verwaltung zählen müsse.

«Fehlentscheide können passieren», sagt Gavriilidis. Bei den Petitionären entstand nämlich auch der Eindruck, dass der Stadtrat die Tragweite seines Entscheids nicht habe einschätzen können. So könnte ein vorschneller Entscheid gefällt worden sein. Vor allem vermissten die Petitionäre aber die sorgfältige Prüfung von Alternativen zur Schliessung des Mittagstischs.

Grosser Raum für kleinen Bedarf?

Eines der Argumente, das für den Entscheid des Stadtrats angeführt wurde, bezieht sich auf die Grösse der beiden Mittagstische im Meierhof. Jener der ABB-Kinderkrippen bietet bis zu doppelt so viel Platz wie jener des Taba, nämlich 40 Plätze. In einem Bericht schrieb der Stadtrat schon 2012 über den Mittagstisch Meierhof: «Der Raum ist sehr klein und eignet sich höchstens als Übergangslösung für den Ausbau zu einer Tagesbetreuung.» Auch kostet die Betreuung pro Kind beim ABB-Hort weniger (az vom 30. 4.).

Der Mittagstisch Meierhof erfüllt die gesetzlichen Bedingungen für einen kleinen Betreuungsbedarf. «Im Meierhof-Quartier ist der Bedarf bescheiden, aber vorhanden», so Gavriilidis. Das spricht für die Weiterführung des Mittagstischs Meierhof.

Die Forderung nach Akteneinsicht ist für die Petitionäre in den Hintergrund gerückt: «Uns geht es um die Sache. Wir wollen einen konstruktiven Dialog und haben wirklich noch Hoffnung», sagt Gavriilidis.