Am Freitag wird das Baugesuch für das neue Thermalbad sowie das angrenzende Wohn- und Ärztehaus eingereicht. Eine Nachricht, auf die in Baden und Umgebung viele gewartet haben.

Doch nicht alle brechen deswegen in Jubelstürme aus: Die «Interessengemeinschaft schöner baden» hat die Pläne für das Bäderviertel in den vergangenen Jahren unermüdlich und hartnäckig kritisiert. Das 160 Meter lange Bad des Tessiner Architekten Mario Botta sei ein «brutaler Eingriff in das Quartier». Es ignoriere die bestehenden Gebäude, sei nur auf sich selbst bezogen und wäre gar das längste Gebäude von Baden.

2012 überreichte die Interessengemeinschaft dem Stadtrat eine Petition mit 1430 Unterschriften: «Wir möchten ein neues Thermalbad für Baden – aber ein passendes», lautete die Botschaft. «Die Unterzeichnenden fordern vom Badener Stadtrat und der Verenahof AG eine grundlegende Überarbeitung des Gestaltungsplans und des überdimensionierten Bäder-Projekts», hiess es in der Petition weiter.

Doch die Forderungen der Thermalbad-Kritiker wurden nicht erhört; das Baugesuch wird morgen Freitag eingereicht. Wie geht es nun weiter mit der Interessengemeinschaft? Plant sie Einsprachen? Oder hat die Nachricht der Eingabe des Baugesuchs ihren Widerstand gebrochen? Christoph Lüber sagt auf Anfrage: «Wir werden dem riesigen Bad auch in Zukunft kritisch gegenüber stehen. Aber der Bau lässt sich wohl nicht mehr beeinflussen. Ich schätze die Chancen, dass das Botta-Bad tatsächlich gebaut wird, auf 70 Prozent ein.»

Gewisse Fragen stellten sich für ihn noch betreffend der Finanzierung, die angeblich gesichert sein soll. «Interessanterweise sanken die prognostizierten Kosten von über 200 Mio. auf 160 Mio. Franken, obwohl die Projekte nicht kleiner wurden.»

Kein privates Projekt

Auf die erneute Frage, ob die Interessengemeinschaft Einsprachen plane oder sonstigen Widerstand, gibt Lüber keine konkrete Antwort. Nur so viel: «Wir können nicht mehr viel bewirken, die Zeit ist abgelaufen.» Man werde den Stadtrat aber dazu animieren, seine Verantwortung im Umsetzungsprozess wahrzunehmen. Lüber: «Es wird immer behauptet, es handle sich im Bäderviertel um ein privates Projekt, doch das stimmt so nicht ganz. Es geht um den Ursprung und die Identität der Stadt.»

Zudem investiere die Stadt in der Umgebung zwischen 15 und 20 Millionen Franken in Infrastrukturprojekte wie etwa Zufahrten oder den Mättelisteg über die Limmat. Insbesondere müsse die Stadt bei der Verkehrsproblematik – die künftigen Betreiber rechnen mit 450 000 Badegästen jährlich – ihren Einfluss geltend machen.

Auch wenn die Interessengemeinschaft ihr Hauptziel, ein kleineres Bad, verpasst hat, so ist Lüber doch überzeugt, dass sie einiges bewirkte. «Lange war das Interesse an den Plänen im Bäderquartier klein. Wir haben es geschafft, dass eine Diskussion geführt wurde.»

Bauherr Benno Zehnder von der Verenahof AG zeigt sich zuversichtlich, dass der erste Badegast 2018 ins Wasser tauchen wird. Es bestehe zwar ein gewisses Einsprachepotenzial, doch die Möglichkeiten seien stark eingeschränkt, weil für Bad und Ärztehaus ein rechtskräftiger Gestaltungsplan vorliege.