Diesen Sommer soll die neue Schulhausplatz-Kreuzung fertig sein; die Bauarbeiten am 95-Millionen-Franken-Projekt gehen in den Schlussspurt. Offiziell wird die neue Kreuzung zwar erst am 18. August eröffnet. Doch die Cordulapassage wird bereits im Juli fertig sein. Nebst dem Ziel, dass der Verkehr künftig flüssiger rollt, spielt die untere Ebene eine zentrale Rolle beim Neubauprojekt. Fussgänger und Velofahrer können die meistbefahrene Kreuzung des Kantons künftig in alle Richtungen queren. Zudem sollen Lokale die Fussgängerebene aufwerten. Gestern hat die Stadt Baden nun mitgeteilt: «Für die in der Cordulapassage am Schulhausplatz entstehenden vier Ladengeschäfte sind sämtliche Mietverträge abgeschlossen.»

Sieben Tage offen, bis Mitternacht

Drei der vier Geschäftsflächen werden in der Mitte der Fussgängerpassage eine Ladeninsel bilden. Gegen den geöffneten Cordulaplatz wird das «Mlinar Caffe» einen Standort eröffnen. «Mlinar» ist ein Bäckerei-Franchise-Konzept aus Kroatien. «Wir wollen unseren Kunden in unserem gehobenen, charmanten Café ein hochwertiges Backwaren- und Kaffeeangebot bieten», sagt Inhaber und Franchisenehmer Damir Skobic. Auch werde man zum Beispiel frische, regionale Salate «to go» verkaufen.

Weiter wird im «Le Passage» ein neues Gastrokonzept mit orientalischem Touch umgesetzt. Die Verpflegung mit Mezze und Apéro, Bar, Café und Lounge werde zur Belebung und Vielfalt beitragen, ist die Stadt überzeugt. Dieser Laden ist ebenfalls Richtung Cordulaplatz hin orientiert. «Wir wollen unsere Gäste mit orientalischen Häppchen und libanesischem Essen verwöhnen», sagt Bassam Algailani, der das Lokal zusammen mit seinem Bruder Kay betreiben wird. Die gebürtigen Iraker leben seit Jahren in Baden und waren auch an der Badenfahrt mit einer Festwirtschaft vertreten.

Als drittes Geschäft in der «Mittelinsel» konnte der «7 Day-Shop» gewonnen werden. Das Express-Lebensmittelgeschäft wird die grösste Fläche der Ladeninsel beanspruchen. «Der Convenience-Shop ermöglicht mobilen Menschen, sich das Alltags- und Freizeitleben mit Artikeln für den täglichen Bedarf zu erleichtern», schreibt die Stadt. Inhaber und Firmengründer Marouf Ahmadi aus Würenlos eröffnet nach Zürich und Genf hier in Baden seine dritte Filiale. «Ich glaube an das Potenzial dieses Standorts, zumal mir hier die längeren Öffnungszeiten entgegenkommen». Damit spricht Ahmadi den Umstand an, dass er sieben Tage die Woche offen haben wird. Unter der Woche bis Mitternacht, am Wochenende sogar bis 2 Uhr. «Attraktive Öffnungszeiten werden zur Belebung des Standortes und zur verbesserten Sozialkontrolle beitragen», schreibt die Stadt.

Gegen die ehemalige Tunnelgarage, die künftig auch als Passantenverbindung dient, wird mit dem «Paradiso Schönkaffee» ein Angebot im Bereich Schönheit und Kulinarik entstehen. Auf Nachfrage präzisiert Inhaberin Gabriela Paradiso: «Mein Geschäft wird eine Mischung aus Coiffeur-Salon und Café sein. Auch werde ich handgemachte Speisen im Angebot haben und hoffe so, zu einem beliebten Treffpunkt zu werden.»

Einwohnerat wollte nur vier Läden

Wie genau die Auswahl der Mieter zustande gekommen ist und weshalb der «7 Day-Shop» länger als andere Badener Geschäfte geöffnet haben darf, war nicht in Erfahrung zu bringen. Manfred Schätti, Abteilungsleiter Immobilien bei der Stadt Baden, stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. «Bei der Vermietung standen sowohl der Branchenmix wie auch die Bedürfnisse der Passanten im Vordergrund», heisst es in der schriftlichen Mitteilung.

Man sei überzeugt, dass die neuen Geschäfte die Attraktivität der Einkaufsstadt Baden steigern würden. Und: «Die Stadt Baden freut sich, trotz Strukturwandel im Detailhandel und einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld, durch intensive Vermarktungstätigkeiten vier attraktive Mieter gefunden zu haben.» Die Cordulapassage ermögliche eine verbesserte Anbindung der Vorstadt an die Einkaufsachse Altstadt–Weite Gasse.

Dass sich nur vier und nicht mehr Geschäfte in der Cordulapassage einmieten werden, ist auch einem politischen Entscheid geschuldet. Im Herbst 2014 beantragte der Stadtrat beim Einwohnerrat einen Zusatzkredit von 1,25 Millionen Franken, um weitere Gewerbeflächen auszuscheiden. Doch der Einwohnerrat hatte für dieses Ansinnen kein Gehör und lehnte den Kredit ab. Hauptkritikpunkt damals sowohl von linken wie auch von bürgerlichen Einwohnerräten: Das Nebeneinander von Ladenfläche und Verkehrspassage würde nicht funktionieren. Zudem wurde von bürgerlicher Seite die Selbstfinanzierbarkeit angezweifelt.