Baden
Geheimnisvolle Keller und eine gigantische Bauleiche schlummern unter Boden

Die Stadtführung «feuchte Keller» mit Silvia Hochstrasser führte einige Geschichten ans Licht, die lange im Dunklen verborgen waren. So etwa eine Zivilschutzanlage, die im Falle eines Atom-Krieges Platz für rund 5000 Menschen geboten hätte.

Salomé Meier
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Stadtführung «Feuchte Keller» in Baden
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Hier hielt Louis XIV 1714 seine übermässigen Essgelage am Friedenskongress im Bernerhaus
Abstieg in die historischen, unterirdischen Räume die neue Stadtführung mit Silvia Hochstrasser
Die Führung endet mit einem Kaffee in der gemütlichen Cava Bar

Stadtführung «Feuchte Keller» in Baden

Salomé Meier

Vor unserer Zeit hatte der Keller einen hohen Stellenwert. Essen war kostbar, und noble Leute mussten einen grossen Keller haben, um all den Wein, das gesalzene Fleisch und weitere Vorräte im Kühlen und Dunklen lagern und überwintern zu können. Wer einen Keller hatte, hatte Gefolge, hatte Geld, hatte Gäste, kurz: Der war jemand. So verwundert es nicht, dass die Häuser in der Altstadt zum Beispiel «Zum Ratshauskeller» getauft wurden, um den Wohlstand und die Macht des Hauses zu verkünden.

Besonders geschichtsträchtig ist das Bernerhaus und sein Keller: 1714 wurde hier unter Louis XIV der Friedenskongress abgehalten. Die Franzosen kamen damals in grosser Schar in die katholische Stadt und fanden im einzigen reformierten Haus, das der reformierten Berner, eine für sie angemessene Unterkunft. Hier wurden die übermässigen Essgelage abgehalten, für die der Sonnenkönig bekannt war. Die Kirche war empört, war doch die Völlerei eine der sieben Sünden. Um dem Groll der Kirche etwas zu entgegnen, wurden tags darauf im Keller die «Brösmeliteller» – Reste des Festschmauses – der hungernden Bevölkerung auf Silbertellern überlassen.

Die Angst vor dem Atomkrieg

Lange verborgen war der Keller unter der Stadtkirche. Unter dem über 1000 jährigen Gemäuer finden sich zwei längliche, tunnelartige Gewölbe, die jedoch unbegehbar sind. Was ist ihr Zweck?

Horcht man heute den Kirchengesängen und dem Orgelspiel, so ist jene raumfüllende Akustik eben diesen Hohlräumen unter dem Kirchenboden zu verdanken. Sie sind der Resonanzkörper der Kirche. Schon beim Bau der Kirche um 800 n.C. kannte man diese architektonische Weisheit.

Eine weitere Zeitreise führte die Gruppe zurück in die 60er-Jahre. Es herrschte die Angst vor dem Kalten Krieg, vor den Folgen einer Atombombe. Für diesen Notfall rüstete die Stadt Baden mit einer riesigen Zivilschutzanlage auf, die eigentlich weniger Keller als ein komplexes, verwinkeltes Tunnelkonzept war. Heute ist er eine historische Bauleiche. Seine vielen Verwinkelungen hätten eine Druckwelle der Atombombe ableiten und so abbremsen sollen. Es hatte Platz für eine Bäckerei, ein Spital, sogar für ein Gefängnis, «weil unter so vielen Leuten sicher auch der eine oder andere Schlingel zu finden gewesen wäre», erklärte Silvia Hochstrasser mit einem Augenzwinkern. 5000 Menschen hätten in den vier Kavernen zwei Wochen überleben können.

Die zweistündige Führung endete nach etlichen steilen und engen Kellertreppen, schmalen Durchgängen und feuchtem Kellergeruch mit einer warmen Tasse Kaffe in der gemütlichen Cava Bar – für einmal liessen die Besucher die Weine im Keller.

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