Der 92. Jahrgang der Badener Neujahrsblätter, herausgegeben von der Literarischen Gesellschaft Baden und der Vereinigung für Heimatkunde des Bezirks Baden, präsentiert sich in Rekord-Umfang. Über 30 Autoren und Autorinnen sind auf den 240 Seiten vertreten. Das Schwerpunktthema führt in allen Facetten durch den Badener Untergrund.

Nicht zuletzt gab das grosse Loch respektive die Baustelle am Schulhausplatz (die ebenfalls thematisiert wird) Anlass dazu, zum Vorschein gekommenes und Untergründiges zu erforschen. Ein fotografischer Rundgang durch versteckte Orte im Badener Untergrund stimmt ins Schwerpunktthema ein. Die Reise führt in die übel riechenden Stollen der Kanalisation und ins Rückhaltebecken beim Graben, wo sich der unter dem Schulhausplatz neu verlegte Stadtbach vor dem Einfluss in die Limmat sammelt.

Unweit davon befinden sich die Bauten der teilweise realisierten «grossen Zivilschutzanlage Stein», wovon zahlreiche Nebenstollen und die künftig zur Hälfte als Busdurchfahrt genutzte Tunnelgarage zeugen. Diese erlebte nicht nur parkierte Autos und verbotenerweise passierende Velofahrer, sondern auch Tunnelfest, Badenfahrten und andere kulturelle Anlässe. Während diese Bauten zur Zeit des Kalten Krieges geplant und erstellt wurden, widmet sich ein Kapitel den Bunkern und Stollen, die noch aus dem Zweiten Weltkrieg herrühren, oder der Planung einer Vollverlegung der Bahn und eines Schlossbergbahnhofs, wie sie vor 60 Jahren heftig diskutiert wurde.

Archäologie und Erdgeschichte

Dass man in Baden beim Graben auf römische Bauten stossen kann, das ist im gleichnamigen Quartier und im Bädergebiet gut möglich. Der Fund eines Stollensystems im Bädergebiet machte die Archäologie hellhörig. Noch weiter oder besser tiefer zurück, nämlich in die Erdgeschichte, führt eine geologische Exkursion mit einem Experten in den Badener Boden hinein.

Untergründiges wird aber auch im übertragenen Sinne beschrieben. So widmet sich ein Kapitel der «Badener Bewegig», die sich an die Zürcher Jugendunruhen anlehnte und an der Felsenstrasse, im «Falken», am Schartenfelsen und dann im Schlachthof für Autonomie der Jugend kämpfte. Die Geschichte eines Sprayers als Kämpfer gegen den Beton, die Badener Friedhöfe, ein Blick ins Rotlichtmilieu zeigen ebenso auf, wie vielfältig sich die Neujahrsblätter mit dem Thema auseinandersetzen.

Rundum gelungenes Werk

Für Menschen, welche die Stadt Baden und deren Untergründiges besser kennenlernen wollen, sind die Neujahrsblätter 2017 nahezu Pflichtlektüre oder allenfalls das passende Weihnachtsgeschenk. Die vierköpfige Redaktion hat es mit ihrem historischen Hintergrund verstanden, eine Vielfalt von Geschichten und Wissen zu einem Ganzen zusammenzubringen. Dieses wird traditionsgemäss durch Nachrufe über Persönlichkeiten, Heimatkundliches sowie verschiedene Jahresrückblicke und einer Chronik abgerundet.

An der Vernissage, die themengerecht von den Badener Rappern Phraze Ablaze umrahmt wurde, verabschiedete die Redaktion Beatrice Trummer. Für die Ausgabe 2017 zeichnen Ruth Wiederkehr, Sara Venzin, Benjamin Ryser und neu Renate Hoffmann verantwortlich. Die Neujahrsblätter 2017 sind im Verlag Hier und jetzt erschienen und in den Badener Buchhandlungen erhältlich.