Mitte Juli 2008 hatten aufmerksame Hausbewohner in Birmenstorf einen schrecklichen Fund gemacht: Weil sie zwei Tage lang vom 65-jährigen Fritz S. nichts gesehen und gehört hatten, hielten sie in dessen Wohnung Nachschau. Sie fanden den als Geistheiler und Handaufleger bekannten Mann in seinem Schlafzimmert tot auf einem Stuhl, mit einem Sack über dem Kopf. Fritz S. war gefesselt, misshandelt, erdrosselt und – wie sich rasch herausstellte – beraubt worden.

In Frankreich festgenommen

Der oder die Täter hatten den Tatort mit dem Auto ihres Opfers verlassen und das Fahrzeug im nahen Fislisbach abgestellt.

Die polizeilichen Ermittlungen liefen auf Hochtouren, wurden auch auf das Homosexuellen-Milieu ausgedehnt, da bekannt war, dass Fritz S. dort verkehrt hatte. Anfang September 2008 dann der Erfolg: Aufgrund eines internationalen Haftbefehls wurden in Frankreich zwei Tatverdächtige festgenommen und ein paar Wochen später hatten der heute 26-jährige eingebürgerte Schweizer Hüseyin T. und der fünf Jahre ältere Türke Orhan I., das Tötungsdelikt gestanden. Im Mai 2009 waren die beiden an die Schweiz ausgeliefert worden.

Insgesamt vier Angeklagte

Hier hatte sich herausgestellt, dass die wegen Vermögensdelikten vorbestraften Männer für weitere Straftaten verantwortlich sind: Einzeln oder gemeinsam hatten sie in der Region mehrere Raubüberfälle begangen, unter anderem 2007 auf die Volg-Filiale Schinznach-Bad und auf einen Geldkurier in Brugg.

Am Donnerstag und Freitag stehen nun insgesamt vier Angeklagte vor dem Bezirksgericht Baden.

Die beiden Haupttäter wurden von Staatsanwalt Christoph Rüedi des Mordes angeklagt. Für den Schweizer Hüseyin T. fordert der Ankläger eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren mit anschliessender Verwahrung. Der Türke Orhan soll für 17 Jahre hinter Gitter. Ein dritter Angeklagter, beschuldigt der Mittäterschaft bei Raubüberfällen, soll mit drei Jahren unbedingt bestraft werden. Mit einer bedingten Strafe soll gemäss dem Ankläger der vierte Beschuldigte davonkommen: Er hatte seinen Kumpeln den Tipp gegeben, dass sich ein Raubüberfall auf Fritz S. lohnen würde, sich aber nicht selber daran beteiligt.