Wettingen
Geld für Deutschkurs landete jahrelang auf falschem Konto

Die Wettinger Finanzabteilung hat die Beiträge von fremdsprachigen Müttern für den Deutschkurs während mehrerer Jahre falsch gebucht. BDP-Einwohnerrat Michael Merkli fordert deshalb, der Gemeinderat müsse das interne Kontrollsystem überprüfen.

Sabina Galbiati
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Ausländerinnen bei einem Deutschkurs: Alle Parteien sind sich einig, dass die Sprache der Schlüssel zur Integration in die Schweizer Gesellschaft ist. Symbolbild/bhi

Ausländerinnen bei einem Deutschkurs: Alle Parteien sind sich einig, dass die Sprache der Schlüssel zur Integration in die Schweizer Gesellschaft ist. Symbolbild/bhi

Aargauer Zeitung

150 Franken zahlt eine Mutter für den neunmonatigen Kurs «Deutsch für fremdsprachige Mütter». In den letzten vier Jahren ist die Teilnehmerzahl kontinuierlich gestiegen. 2012 machten 37 Mütter mit; 2013 sogar 40. Daher dürfte der Gesichtsausdruck von BDP-Einwohnerrat Michael Merkli sehr erstaunt gewesen sein, als er im Rechenschaftsbericht der Gemeinde las, dass im Jahr 2012 lediglich 850 und 2013 gar nur noch 150 Franken eingenommen wurden.

Michael Merkli (44), BDP-Einwohnerrat in Wettingen

Michael Merkli (44), BDP-Einwohnerrat in Wettingen

zvg

Entweder stimmt die Zahl der Teilnehmerinnen nicht, oder ausser einer Frau musste keine den Betrag bezahlen. Merkli forderte den Gemeinderat auf, die Sache zu klären. Nun liegt die Antwort vor: Die Teilnehmerzahlen stimmen. Auch die 150 Franken haben alle Frauen einbezahlt, doch die Beträge sind auf dem Konto «Deutsch für Mütter» nie angekommen. Gefunden hat man das Geld nach einer Suchaktion auf dem Konto «Elternbeiträge Aufgabenhilfe».

Gemeindeammann und Finanzvorsteher Markus Dieth sagt dazu: «Bei einem Ertragsvolumen von rund 108 Millionen Franken pro Jahr sprechen wir bei diesem Fehler von einem betragsmässigen Anteil von 0,005 Prozent. Man muss sich tatsächlich fragen, ob eine derartige Scheingenauigkeit Sinn macht – zumal es sich lediglich um eine Verschiebung und nicht um eine Umsatzeinbusse handelt.»

Zudem seien die Erträge der richtigen Dienststelle zugewiesen worden. Konsequenzen hat der Fehler trotzdem. «Alle Mitarbeiter wurden angewiesen, bei der Rechnungsstellung in Zukunft die Kontonummer vermehrt zu kontrollieren und gegebenenfalls anzupassen.» Man müsse auch berücksichtigen, dass die Budgetverantwortlichen für den Rechenschaftsbericht rund 3000 Detailpositionen innerhalb weniger Tage nebst dem Tagesgeschäft bearbeiten müssen, sagt Dieth.

Merkli ärgert sich über diesen Fehler. «Es ist so oft falsch gebucht worden, dass dies hätte auffallen müssen». Falschbuchungen seien nicht nur Schönheitsfehler, sondern können für den Steuerzahler teuer werden, sagt er. Und weiter: «Falschbuchungen können dazu verwendet werden, Budgetüberschreitungen elegant zu umgehen.» Dem Einwohnerrat würden auf diese Weise letztlich falsche Zahlen präsentiert.

Merkli fordert in einem Vorstoss, den er an der heutigen Einwohnerratssitzung einreichen wird, der Gemeinderat solle das interne Kontrollsystem der Gemeinde überprüfen und optimieren. Ziel müsse es sein, dass Fehler wie Falschbuchungen massiv reduziert würden.

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